Montag, 6. Januar 2014

Nicht aufhören.

Gott sei Dank ist der Dezember endlich vorbei. Wie ätzend war das denn bitte? Dieser ganze Glitter und das Lametta, diese mehr oder minder überzeugenden Weihnachtsmänner, die mit Werbetafeln für Parfümerien durch die Innenstadt laufen, diese fürchterlichen Berge an Schokolade, Printen, Marzipan und anderen Unsinn der Zuckerindustrie, die einen durch Gedankenmanipulation nötigen, sie zu kaufen und dadurch - völlig unschuldig - fetter und fetter zu werden, dieses sich in Rudeln auf dem Weihnachtsmarkt Zusammenfinden - am Besten mit blinkenden Plüschgeweihen auf dem und vermutlich nicht sehr viel im Kopf -, um sich eine Leberzirrhose mittels völlig überteuerter Alkoholika anzusaufen, die es allesamt für 1/10 des Preises bei Aldi gäbe, aber wer will schon zuhause in der Mikrowelle erhitzten Glühwein trinken, da sieht ja auch keiner das Plüschgeweih und wie lustig und laut man ist, und überhaupt schaut man auch ein wenig seltsam aus, so alleine auf dem Sofa, mit den ganzen leeren Glühweinflaschen und dem Plüschgeweih. 

Und weil das ja alles so scheisse ist und es einfach viel hipper ist, das alles scheisse zu finden, weil man ja selbst schließlich unbeteiligt ist an diesem ganzen Kommerz, weil man ja überhaupt völlig unbeteiligt an allem, was so scheisse ist in der Welt, fiebert man dem Tag entgegen, an dem man durch die Innenstadt laufen und jedem, der immer noch sein verdammtes Plüschgeweih trägt, dieses vom Kopf schubsen und dabei "Weihnachten ist vorbei!" brüllen kann. 

Und hat man das getan und sitzt wieder zuhause, wird man plötzlich ganz unruhig, weil es ist ja schließlich voll blöd, wenn man nichts hat, was man gerade scheisse finden kann, schließlich macht das einen aus und wer wäre man denn, wenn man nicht motzen könnte, wenn man einfach nur dasitzt?! 

Also macht man schnell Facebook auf und GOTT SEI DANK! Vorsätze! Diese scheiss Vorsätze. Überall schreiben die Menschen jetzt ihre Vorsätze, wie scheisse ist das denn bitte? 

Was soll das überhaupt, als ob die sich daran halten würden, als ob die im März noch Sport machen  würden und im nächsten Dezember nicht immer noch fett und Single wären und statt vegan und happy und mit Mann, mit dem man super viel tollen Sex und fünfzig Orgasmen am Tag hat, mit Lasagne, unhappy und mit drei Katzen alleine auf dem Sofa sitzen würden. Rauchend natürlich.
Ist doch alles Blödsinn! Alles scheisse. Orr, sind die dumm. Sagt denen das keiner, das muss denen doch einer sagen, ich sag denen das jetzt mal, gut, dass man da gleich was kommentieren kann in diesem Gesichtsbuch - nein, nicht Facebook, sondern Gesichtsbuch, denn Facebook ist natürlich auch scheisse!

Und so kommentiert man vor sich hin. Und ich, der ich ein unheimlicher Fan von Meinunsfreiheit bin, finde das auch in Ordnung. So theoretisch. Praktisch möchte ich euch dann irgendwas abhacken. 

Ich finde Vorsätze nämlich gut. Ich mache zum Beispiel ständig welche. Was unter anderem daran liegt, dass ich sie meistens nicht einhalte. Aber das hindert mich nur selten daran, wieder neue zu machen. 
Zum Beispiel hatte ich mir vorgenommen, Sätze nicht immer mit 'Ich' zu beginnen. Hat nicht geklappt. Nehme ich mir für den nächsten Artikel wieder vor.. 

Und natürlich habe ich mir auch für das Jahr 2014 wieder viel vorgenommen. Denn ich finde es völlig in Ordnung sich ständig Sachen vorzunehmen, sich ändern zu wollen. Auch wenn es nicht klappt, weil der Mensch nun mal einfach ein schwaches, bemitleidenswertes Häufchen von schwachen und bemitleidenswerten Atomen ist, und er trotzdem immer weiter versucht sich zu ändern. Sich zu verbessern. Sich nicht aufgibt. Sich nicht der Stagnation und Apathie hingibt.

Ist ja voll knorke, wenn es Menschen gibt, die so wie sie sind, zufrieden mit sich sind, und natürlich ist es auch 'ne töfte Angelegenheit sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist, auch wenn man nicht "perfekt" ist - was immer das heisst.
Aber, wenn man ganz tief, aus seinem Inneren heraus, mit sich selbst unzufrieden ist, dann kann man sich noch so oft vor den Spiegel stellen und mantramäßig "Du bist schön.. du bist toll.. du bist erfolgreich.. du bist geil.." vor sich hinbrabbeln - deswegen glaubt man es trotzdem noch lange nicht..

Es gibt nun mal einfach Menschen, für die ist es Arbeit sich aufzuraffen und Dinge zu tun, die ihnen selbst oder ihrem Körper doch eigentlich gut tun würden. 
Sie wissen, dass sie mit dem Rauchen aufhören sollten, dass sie (mehr) Sport machen sollten, dass sie gesünder essen sollten, dass sie sich nicht immer zuhause verkriechen sollten, aber es fällt schwer, so schwer, sich zu ändern, das zu tun, was getan werden muss. 

Und da hilft das neue Jahr Mut zu fassen, sich breitbeinig und rotzig hinzustellen und seinem Leben entgegen zu schreien "Jetzt wird alles anders. Jawoll!!"

Es ist dann nur wenig hilfreich, wenn am Wegesrand die Schrumpfhirnfraktion nur darauf lauert, dass du dir wieder eine Zigarette anzündest, dass du wieder statt 'nem Bund Möhren das 1kg-Glas-Nutella kaufst, dass du wieder zuhause vor'm Fernseher liegst, statt auf dem Crosstrainer das Nutella rauszuschwitzen.

Es ist nichts daran verkehrt, für das neue Jahr Vorsätze zu fassen. 

Aber vor allem ist es nicht schlimm daran zu scheitern - weil es letzten Endes so etwas wie Scheitern gar nicht gibt, solange man nicht aufhört es zu versuchen.

In diesem Sinne.