Montag, 12. August 2013

Keine Ahnung, aber 'ne Meinung



ich glaube, es hakt?! Ich weiß, Sie sind so etwas wie das Urgestein des deutschen Journalismus und wenn ich sage, sie hegten eine leichte Affinität zur deutschen Sprache und sonnten sich in der Rolle ihres Beschützers, wäre das vermutlich eine absurd lächerliche Untertreibung. Dennoch nehme ich mir heraus zu fragen:

HOW THE FUCK DARE YOU?!
"Information überhaupt hat für 20-Jährige an Wert verloren, soweit sie nicht bei Facebook oder Instagram stattfindet. Vielleicht also kehren wir in zwanzig, dreißig Jahren zu dem Stadium zurück, das bis zum Aufstieg der Zeitungen im 17. Jahrhundert herrschte: dem der öffentlichen Ahnungslosigkeit. Dass Kolumbus da irgendwas entdeckt hatte, erfuhren Könige, Kaufleute, Admirale durch gewerbsmäßige Mittelsmänner; die riesige Mehrheit erfuhr es nie." (hier zu finden)
Das haben Sie gesagt. Steht zumindest in diesem Internet. Sie wissen schon, dieser Ort ohne (Zitat:) "echte Informationen", der nur dazu dient Fotos von Katzen, Brüsten und Essen zu posten (Hier ein heiteres Kichern von Prism einsetzen).

Sehen wir erst einmal davon ab, dass Sie offenbar ohnehin nicht sonderlich viel Bock hatten, an dieser Debatte teilzunehmen und deswegen mal schnell, zwischen Morgenkaffee und -toilette, diese zweihundertneununddreißig, unmotivierten Wörter in Ihre Remington erbrochen haben, sowie die Tatsache, dass der Seitentext über Sie mit 102 Wörtern nur unwesentlich kürzer ist als ihr gesamter Beitrag, und, dass es sich vermutlich so gar nicht ziemt Choriphäen wie Sie öffentlich anzupissen - aber wissen Sie was, ich mach's trotzdem.

Gut, zugegeben, ich bin keine zwanzig mehr und deswegen sollte mir vielleicht das, was Sie da von sich gegeben haben, einfach am langsam vor sich hin schrumpelnden Arsch vorbeigehen. Tut's aber nicht.

Denn Sie tun der Jugend Unrecht

Den Zusammenhang, den Sie da munter aus der Sockenschublade zaubern, hinkt nicht nur, er ist mehr als lahm und gehört erschossen. 
Denn Ihre Schlussfolgerung ist: Die Zwanzigjährigen von heute sind an "echte[n] Informationen" per se nicht interessiert, kaufen ipso facto keine anspruchsvollen Zeitungen mehr und deswegen (!!) wird die Mehrheit unserer Gesellschaft in absehbarerer Zeit wieder so unwissend, uninformiert und - ach, sagen wir's doch, wie's ist - saudumm, wie Ihrer Meinung nach zuletzt sechzehnhundertirgendwas.

Dazu folgendes:

1. War der Europäer auch im 17. Jahrhundert immer noch saudumm. Genauso wie im 18., 19., 20. und 21. Jahrhundert. Da hat sich in den letzten Jahrtausenden generell nicht viel geändert, egal, ob Informationen auf Papyrus, Stein, totem Holz oder einem sonstigen Endgerät zu finden waren, und ich bin mal so vermessen zu behaupten, dass sich da in den folgenden Jahrhunderten ebenfalls nicht viel tun wird. 

2. Ist Uninformiertheit und/oder Desinteresse keine Frage des Alters. Genauso wenig wie maßlose Arroganz und die Fähigkeit zur Polemik, denn wie Sie sehen, beherrsche ich das mit Dreißig genauso gut wie Sie mit Achtundachtzig.

3. Zu behaupten, der Schlüssel zu Information und Wissen läge in den Zeitungen, ist im Jahre 2013 eine höchst amüsante und zugleich erschreckend realitätsferne Prämisse. Und Sie belegen Ihr eigenes Unwissen über die Informationsmöglichkeiten des Internets durch diese dahingerotzten 239 Wörter. Mehr war Ihnen die Debatte, aber vor allem jene, die dieses Medium zur Informationsbeschaffung nutzen, offenbar nicht wert.

Da lobe ich mir Ihren Kollegen Richard Gutjahr, der sich doch die Mühe gemacht hat 1463 Wörter beizusteuern, und weitaus treffender schrieb:
"Das Netz schafft neue Vergleichsmöglichkeiten, versetzt den Leser in die Lage, Nachrichtenauswahl und Weltsicht der Profis zu hinterfragen. In vielen Fällen hat das Publikum heute Zugriff auf dieselben Informationen wie der Autor an seinem Redaktionsschreibtisch."
Menschen wie Sie haben den Schuss einfach nicht gehört und statt endlich mal loszugehen, stehen Sie immer noch am Startblock, meckern einfach altklug vor sich hin und geben den Lesern die Schuld für die selbst gezimmerte Misere.

Wenn Sie den jungen Menschen von heute mit Vorurteilen begegnen und Ihnen die Schuld für was auch immer geben wollen, dann machen Sie es doch wie alle in Ihrem Alter: Fahren Sie mit dem Bus und beschimpfen welche, die vorne auf dem Behindertplatz sitzen und nicht schnell genug für Sie aufgestanden sind.

Denn eine echte, da wichtige Information scheint Ihnen selbst mit achtundachtzig entgangen zu sein: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal ...

In diesem Sinne.