Freitag, 5. Juli 2013

Bitter

Fein säuberlich lege ich die halbvollgekotzten Bodys in den Koffer. Wenn ich wieder zuhause wäre, würde ich erstmal ein paar Waschmaschinen laufen lassen müssen. Was so alles an Wäsche anfällt in den paar Tagen. Ist das das Fazit nach fünf Tagen Berlin? Ein Haufen dreckiger Wäsche? In etwa zwölf Stunden würde ich wieder in meinem eigenen Bett liegen. Ca. 600km entfernt. Und das einzige, was verrät, dass ich weg gewesen war, wird ein Berg Schmutzwäsche sein. 

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr muss ich einsehen, dass dies ein ganz passendes Sinnbild ergibt. Die Tage in Berlin waren ermüdend, erheiternd, frustrierend, alkoholisiert, verkatert, lustig und vor allem von der Erkenntnis geprägt, dass ich letztes Jahr vor Ablauf meiner Zeit aus der Stadt weggezogen bin und nun nicht einfach wiederkommen kann, so als wäre nichts gewesen.

Es fühlt sich ein bisschen so an, als hielte man ein Spielzeug in den Händen, das man schon vor langer Zeit verloren glaubte. Es ist voller Erinnerungen und Gefühle, doch so sehr man sich auch bemüht, es krampfhaft will, es ist ein Gegenstand aus der Vergangenheit, der im Hier und Jetzt nichts mehr verloren hat, und ich kann ihn solange anfassen, ihn an mich drücken, an ihm lecken oder weiß der Geier damit machen, wie ich will, die Gefühle, die Gerüche, das Erlebte, lässt sich nicht einfach so wieder erwecken. Es ist zu spät. 

Diese Erkenntnis ist bitter. Und schmerzt.

Und so wie meine Ankunft in Berlin schmerzhaft war, so ist es nun auch die Abfahrt. Die Gewissheit, dass Berlin eine Episode war, die hinter mir liegt, die nicht neu begonnen werden kann, bei der es kein Sequel geben wird, keine Rückkehr, ist niederschmetternd.

Was bleibt, ist ein Bündel halb verarbeiteter und vor allem verklärter Erinnerungen.

Das und ein Berg Wäsche.