Dienstag, 30. April 2013

Tena Lady für alle!

Mir ist durchaus bewusst, dass wir Dienstag haben. Aber ich konnte gestern nicht bloggen. Unmöglich. Weil nämlich heute nunmal  Dienstag ist und da habe ich seit neuestem Rückbildungsgymnastik und allein das Wissen darum, lähmt mich die 48 Stunden davor gänzlich.

Das hat verschiedene Gründe. Zum einen handelt es sich um (eine Art von) Sport und da ich mir seit Jahren sehr konsequent jegliche Muskeln abtrainiert habe und nur noch über das Minimum verfüge, das man benötigt, um vom Bett zum Sofa und von dort zum Kühlschrank zu laufen, ist Sport nunmal nicht so meins. Da ich außerdem seit Kurzem einfach auf dem Sofa lebe und schlafe und den Kühlschrank neben ebendiesen geschoben habe, können Sie sich vielleicht vorstellen, wie es um meine Fitness, falls man sie denn so schimpfen möchte, gestellt ist. Aber verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe meine muskellose Existenz, die ausschließlich auf genügend Nutellavorräte ausgerichtet ist.

Warum also quäle ich mich auf derartig masochistische Weise?

Weil ich gerne auch in Zukunft beim Lachen, Husten und Niesen nicht automatisch pinkeln möchte. Denn, als ob es nicht reichen würde, dass man durch Schwangerschaft, Geburt und Stillen seinen vorab doch nicht sonderlich verachtenswerten Körper in ein fleischgewordenes Dresden '45 verwandelt hat, nein, nein, denn das kleine Monster, das in einem wie ein liebenswerter Tumor herangewachsen ist, drückt während der Schwangerschaft auf das Becken, schiebt alles auseinander, lässt alles mögliche reißen und an Positionen zurück, wo sie vorher nicht gewesen sind und wohin sie von alleine auch nicht mehr zurückkehren werden. Die Folge: Inkontenz. Hurra. Als wären leere Titten, Schwangerschaftsstreifen, Reiner-Calmund-Gedächtnis-Plautze und andere Späße nicht genug - Eine Runde Tena Lady für alle!!

Nun hatte ich zwar einen Kaiserschnitt und verfüge noch (!) über die volle Kontrolle meines Beckenbodens und dennoch schleppe ich mich nun pflichtbewusst in einen kleinen Raum voller anderer Mütter und mache schnaufend, prustend und hechelnd Übungen mit bezaubernden Namen wie "Blinzeln mit den Schamlippen", während ich versuche jeglichen Blickkontakt mit den anderen Müttern zu vermeiden.

Blickkontakt vermeiden ist überlebenswichtig. Das ist wie mit Raubtieren. Bloß nicht direkt in die Augen gucken! Mütter sind unberechenbar und können jederzeit, ohne, dass man sie dazu aufgefordert hat, über Muttermilch vs. künstliche Milch, Schnuller vs. Daumen und viele andere höchst kontroverse Themen fabulieren. Spontan und ohne einzuatmen halten sie einem tagelang Vorträge über Weichspüler, Windelsorten,  Breie und Fisher Price und versäumen auch nicht dir zu erzählen, gegen welche Wehwechen Muttermilch so alles hilft.
Hierbei ist vor allem wichtig, dass es bei all diesen Themen keinerlei Disskussionsspielraum gibt, denn die Mutter hat immer Recht. Sie ist ein Überzeugungstier. Ein von Milchkotzegeruch umgebener Faschist. Sie ist unerträglich. Ich bilde da keine Ausnahme und da meine Geduld von mir selbst schon regelmäßig überstrapaziert wird, versuche ich die Gesellschaft weiterer Mütter in der Regel von vornerein zu meiden. Hinzukommt, dass ich nur schwer den Anblick anderer Babys ertrage, denn seien wir ehrlich, Babys sind in der Regel keine schönen Wesen. Man denkt immer nur, das eigene sei wunderschön. Das hat die Natur extra so eingerichtet, damit man es putzig findet und nicht tötet, wenn es nachts um vier nach der Flasche verlangt oder einen morgens, kurz bevor man zu einem wichtigen Termin los muss, auf die Bluse vomiert. 

Mütter und ihre ewig sabbernden Sprößlinge mit dem Hygienebewusstseins eines Cholera-verseuchten Brunnens sind also, meiner bescheidenen Meinung nach, tunlichst zu meiden. Sport ebenfalls. Früh aufstehen ohnehin (der Kurs ist um 09.15h). Summa summarum verstehen Sie also nun vielleicht, wieso mich spätestens ab Sonntag Abend eine bleiernde Schwere zusammen mit einem Gefühl des Unwohlseins, das eigentlich mehr einer Nahtoderfahrung ähnelt, und des völligen Unvermögens irgendwas sinnvolles zu tun, was nicht zu den lebenserhaltenden Maßnahmen gehört, befällt.

So und nun dürfen Sie darüber streiten, ob Bloggen denn wohl sinnvoll oder lebenserhaltend ist oder vielleicht keines von beiden.

In diesem Sinne: Schöne Woche noch.