Montag, 1. April 2013

Ich feiere kein Chanukka

Hallo.

Ich bin irritiert.

Was machen Sie hier?

Also heute.

Es ist Ostermontag.

Sie sollten.. keine Ahnung.. draußen im matschigen Restschnee zwischen eingefrorener Eichhörnchenkacke nach Ostereiern suchen. Ihren Kindern erklären, was der Hase mit der Auferstehung Jesu zu tun hat. Wer dieser Jesus überhaupt ist, was er die drei Tage in der Höhle so getrieben hat und warum der Genitiv von Jesus Jesu ist. Es gilt sich an kiloweise Fondant-Spiegeleiern die Zunge wundzuschubbern, kleine, goldene Schokohäschen zu köpfen und deren kleines, am roten Band hängende Glöckchen der Katze umzubinden. Es gilt zu fressen, zu schnabulieren und wieder zu fressen, bis Sie sich nur noch schwerfällig von Sofa zu Sofa wälzen können und sich wünschen, dass jemand kommt, der ihnen einen Kathteter legt, damit sie die nächsten Tage gar nicht erst aufstehen müssen. Ganz genauso, wie es die Urchristen damals gemacht haben.

Wer kennt schließlich nicht die Stelle im Johannes Evangelium, wo es heißt: "Und Petrus leckte das Innere aus dem Milka-Oster-Ei und alle jubelten, denn wer braucht schon den Messias, wenn es Schokolade gibt!" Und wer erinnert sich nicht die Zeilen, in denen Thomas sich weigerte an die Existenz des Osterhasens zu glauben? Bis heute finden sich in jeder Kathedrale dieser Welt Ikonographien, auf denen die Gottesmutter, gebückt unter dem Kreuz, nach Ostereier suchend, dargestellt ist.

Jeder Katholik liegt vermutlich jetzt zuckend unter dem Esstisch und windet sich unter Schmerzen, aber seien wir ehrlich, irgendwie sowas ist es doch, was sich der durchschnittliche Deutsche unter Ostern vorstellt bzw. in der Regel stellt er sich gar nichts vor, denn er konsumiert nur stumpf. Ob getauft oder nicht, ob Christ oder nicht, die Kinder werden durch den Garten gepeitscht und auf die Suche nach eingeschmolzener und neu verpackter Schoki von Weihnachten geschickt. Man verputzt totes Babyschaf, ohne je in seinem Leben etwas mit Lamm Gottes anfangen zu können, glotzt stundenlang beim Pfarrheim in ein riesigen Osterfeuer und hält Stockbrot oder Marshmallows mit einer Innbrunst in ebendieses, als hätten die Aposteln unter'm Kreuz damals nicht anderes gemacht.

Mir ist total wumpe, dass der Osterhase selbst natürlich irgendeinen putzigen heidnischen Ursprung hat, es ist mehr normal, dass sich verschiedene Religionen und Kulturen vermischen. Beim Weihnachtsbaum ist es schließlich auch nicht anders - auch wenn ich die Vorstellung töfte finde, dass schon Josef durch Betlehem gewetzt ist, um noch einen Weihnachtsbaum für die Krippe zu organisieren - Sie wissen schon: Für's Ambiente - und wir aus diesem Grund uns auch immer so ein Nadelding in die Bude holen.

Ein bisschen Heidenkram, ein bisschen Christenmist und fertig sind die höchsten Feiertage in unserer schönen Republik. Theoretisch eine nette Sache, denn schließlich wäre es ja auch ätzend, so ganz ohne. Für einen offiziell atheistischen Staat müsste man erstmal neue erfinden. Was das für ein Aufwand wäre und bis man damit dann fertig ist, ist erstmal nix mit verlängerten Wochenenden und ähnlichen sehnenswerten Dingen.

Und dennoch.

Wie ich so im Kreise der ungetauften Familie des Mannes stehe und sie beobachte, wie sie sich gegenseitig "Frohe Ostern!" wünschen, muss ich mich fragen, was genau sie da feiern. Als Jemand, der beständig an seiner Exkommunikation durch unseren aktuellen Gottesvertreter Jorge I. arbeitet, bin ich der gräßlichen Ansicht, dass man nur die religiösen Feste feiern sollte, zu deren Religion man auch tatsächlich gehört. Traditionen des christlichen Abendlandes hin oder her, als Katholik ist man ja im Grunde auch nichts anderes als Mitglied einer jüdischen Sekte und dennoch sitze ich im Winter nicht verzückt im Lichtschein meiner Menora und feiere Chanukka. Weil. Ich. Katholikin. Und. Keine. Jüdin. Bin!

Auf der einen Seite beneide ich diese muntere Bande von Häretikern, denen es in jenen Tagen nur ums Zusammensein, um Gemeinschaft, um eine schöne Zeit und das schnellstmögliche Erreichen eines Zuckerschocks und/oder einer Fettleber geht, auf der anderen Seite möchte ich, wenn ich nach dem Füttern des Krümels zurück ins Esszimmer komme und nur noch leere Schüsseln, Töpfe und Teller, sowie eine Familie, denen das dampfende Essen noch in den gierigen Mundwinkeln hängt, vorfinde, sie allesamt in guter alter Inquisitionsmanier ins Osterfeuer schubsen.

Als guter Katholik, der ich im Herzen immer noch bin, verweigere ich mir selbst jedoch diese Freude und begnüge mich stattdessen damit, nachts leise ins Wohnzimmer zu schleichen, alle Osterschokoeier auszupacken, sie zusammen mit dem Hund abzulecken und anschließend wieder sorgfältig einzupacken.

Ich bin sicher, Jesus würde es nicht anders machen.

In diesem Sinne: Frohe Ostern!