Donnerstag, 17. Januar 2013

Was würde Stalin tun?

Normalerweise setze ich mich im Laufe des Sonntags irgendwann an den Computer, fummel das Kabel des Kopfhörers auseinander, schalte (Achtung, OUTING!) meine Riverdance-CD auf volle Pulle (wie wir früher 1812 auf dem Pausenhof noch zu sagen pflegten), und bloggte ein, zwei Stündchen für den nahenden Montag vor mich hin - nur unterbrochen vom gelegentlichen Nuckeln an irgendwelchen vor Kalorien nur so strotzenden Schnabulierereien.

Jeden Sonntag.

Gut, manchmal schaffte ich es am Sonntag nicht, weil ich meine Fotoalben bei Picasa neu sortieren musste oder irgendeine kulturell extrem wichtige Sendung in der RTL-Mediathek meine Aufmerksamkeit forderte, aber in diesen Fällen spielte sich das Prozedere eben am Montag ab. Immer ein wenig unter Zeitdruck, weil irgendwann, mit fortschreitender Stunde, manchmal der ein oder andere bei Twitter zu nörgeln anfing. (Eigentlich immer dieselben Zwei..)

Über ein Jahr schaffte ich es mit beneidenswerter unregelmäßiger Regelmäßigkeit zu bloggen. Und ich liebte es. Liebe es immer noch. Dieses Ritual. Diese ein, zwei Stunden gehörten mir allein. Waren heilig. Und wehe dem, der es in dieser Zeit wagte, mich anzurufen oder gar das Arbeitszimmer zu betreten.

Nichts vermisse ich im Moment mehr.

Der Krümel ist jetzt sechs Wochen alt. Wir wissen inzwischen, dass er kein "Schreibaby" ist, sondern einfach nur ein unfassbar nörgelnder, schlecht gelaunter kleiner Mensch. Das ist eigentlich nicht weiter überraschend - er ist ja schließlich mein Sohn. Und dass ich meine Arschlochgene erfolgreich an mein Kind weitergegeben habe, erfüllt mich mit Stolz und sorgt dafür, dass ich - im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten - durchaus etwas empfinde, was irgendwelche weichgespülten Heinis als Liebe bezeichnen würden.

Doch so ein Ding, so ein Baby, ist - und das konnte beim besten Willen niemand ahnen - eine recht pflege- und zeitintensive Geschichte. Ich möchte nicht lästern, sondern nur ganz nüchtern darauf verweisen, dass meine Katze damals in diesem Alter sowohl stubenrein, als auch fähig war, völlig selbstständig Nahrung aufzunehmen und Körperpflege zu betreiben.

Jetzt ist die Evolution bekannterweise ein Arschloch und hat sich entschlossen menschliche Welpen völlig unfertig auszuliefern. Das einzige, was sie machen ist schlafen, schreien, trinken, schreien, kacken, schreien, pinkeln, schreien. Von den bestialisch stinkenden Fürzen möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen.

Man macht den lieben, langen Tag also nichts anders als zu versuchen diesen Haufen Mensch zufrieden zu stellen und lassen Sie mich das ganz klar formulieren: Babies sind Terroristen. Tyrannen. Diktatoren. Sie sind kleine Hitlers. Sind nichts anderes als in Pampers gehüllte Arschgeigen, die ihre Eltern dadurch manipulieren, indem sie so schön duften und putzig lächeln.

Jetzt sitze ich hier also.

An einem Donnerstag.

Und habe nach drei Wochen das erste Mal ein wenig Zeit, um hier in gewohnter Manier rumzuschwadronieren. Ganz ohne Riverdance. Denn Caligula Junior liegt keinen Meter von mir entfernt und droht sekündlich aufzuwachen, um sein munter betriebenes Projekt "Was würde Stalin tun?" weiterzuführen.

Ich vermisse das Bloggen.

Ich vermisse noch viele andere Dinge.

Aber vor allem diesen Moment, der nur mir gehört. Mir allein.