Montag, 1. Oktober 2012

Oktober

Leser, die mir seit längerem treu ergeben sind, erinnern sich vielleicht, dass ich vor einem Jahr einen Monat in Schottland weilte und aus einer spontanen Single-Malt-Laune heraus dort jeden Tag bloggte.

Leser, die mir noch nicht so lange folgen, sollten sich schämen, wissen jetzt aber zumindest nachträglich Bescheid..

Jetzt habe ich nicht unbedingt einen so ruhigen Oktober wie in 2011 vor mir. Dennoch gehe ich schon seit längerer Zeit mit dem Gedanken schwanger auch in diesem Oktober mal wieder jeden Tag zu bloggen.

Zum einen dürfen Sie das als Ausgleich für all die Posts sehen, die ich in den vergangenen 12 Monaten nicht pünktlich abgeliefert habe, für all die Montage, an denen sie umsonst gewartet haben, für die Blog-Pausen, die ich mir dreist und egoistisch zwischendurch erlaubt habe zu nehmen..

Zum anderen.. habe ich mir keinen zweiten Grund überlegt, aber Sie dürfen sehr gerne mein unersättliches, selbstdarstellendes Ego als zusätzliche Begründung wählen.

Aber bei genauerer Betrachtung spricht natürlich noch mehr für ein wenig aktivere Bloggerei in diesem besonderen Monat. Abgesehen davon, dass ich in wenigen Tagen dreißig werde, oder - wie meine stets sehr diplomatische Schwester es nennt - offiziell alt, ist - es wird Ihnen vielleicht aufgefallen sein - inzwischen Herbst.

Der Sommer, diese furchtbare, grausame Jahreszeit, in der man von der Gesellschaft genötigt wird, seine stets zu weißen Beinchen der Öffentlichkeit zu präsentieren und sich schwitzend und stöhnend durch die Gegend zu bewegen, immer auf der Suche nach der nächsten kalten Dusche, dem nächsten Ventilator, der nächsten Eisdiele, ist vorbei. Ich hasse den Sommer wie der Kreationist gesunden Menschenverstand und leide zu allem Überdruss  auch noch unter dem Fluch mit jemandem zusammen zu sein, der den Sommer und die Sonne liebt wie Gratis-Koks und mich täglich zwingt das Haus zu verlassen und mich der gleißenden, todbringenden Sonne auszusetzen.

Doch das ist nun vorbei. 

Der Sommer ist vorbei!!

Stattdessen Herbst. 

Regen.

Grauer Himmel.

Herrlich.

Das Sofa, der ohnehin natürliche Lebensraum des Stubenhockers, erobert sich seinen Platz als Zentrum des Universums wieder zurück. Man kramt Decken, Kissen und Wärmflaschen vom Dachboden. Tauscht das kalte Bier gegen Mikrowellenglühwein und heissen Kakao mit Sahne. Entstaubt den Teepott und lauscht entzückt, wohlig eingemummelt wie ein Wollmammut, dem glucksenden Geräuschen der Heizung, die nun langsam wieder in die Gänge kommt. Endlich ist die Jahreszeit wieder da, in der frau schlabbrige Jogginghosen, Norwegerpullis mit großen Elchmotiven und dicke Socken mit Anti-Rutsch-Noppen tragen kann, ohne vom Mann argwöhnisch betrachtet zu werden, da er im Grunde seines dauergeilen Herzens ganz froh ist, bei den penisfeindlichen Temperaturen nicht arbeiten zu müssen.

Da Sex aufgrund der aktuell monströsen Kugel, die sich bei mir dort befindet, wo früher mal ein zartes, gewöhnliches Damen-Pläutzchen war, ohnehin nicht als regelmäßiges Herbst-Hobby taugt - denn seien wir ehrlich, es ist ein wenig so, als versuche man einen PEZZI-Gymnastikball zu ficken - bleibt der schwangeren Frau von heute außer Handarbeit (Ich rede vom Stricken, ihr perverses Pack!) nur noch zu bloggen und zu essen.

Aufgrund in der letzten Zeit immer wieder auftauchender und durchaus glaubhafter Gerüchte, kann ein ununterbrochener Konsum von Toffifee, Haribo und Pudding jedoch zu einer, der Schwangerschaft nicht mehr ganz so angemessenen Gewichtszunahme führen, und sollte daher offenbar zumindest hin und wieder mal unterbrochen werden.

Dies ist gar nicht so leicht, denn man glaubt gar nicht, welche Tätigkeiten man ausführen und nebenher trotzdem weiter essen kann. Auch wenn ich zugeben muss, dass es schon ein wenig nervt, wenn das heiße Duschwasser die Schokolade auf dem Donut zum Schmelzen bringt.

Und da ich es tatsächlich sehr begrüßen würde, wenn ich Anfang Dezember nicht von der Feuerwehr aus meiner Wohnung herausgeschnitten und mit einem Lastkran in den Kreißsaal gebracht werden muss, brauche ich zumindest für den Oktober eine Beschäftigung, die meinem unstillbaren Hunger nach Kohlenhydraten und Zucker Einhalt gebietet bzw. zumindest temporär mit Ablenkung lockt.

Im Grunde blogge ich im Oktober also nicht täglich, weil ich Sie so lieb habe. Das zu glauben wäre ja auch ein wenig albern von Ihnen, schließlich kenne ich Sie ja nicht und da ich schon die Menschen, die ich kenne, nicht sonderlich leiden kann, stimmen wir vermutlich darüber ein, dass wir es dabei auch belassen sollten.

Ich blogge ausschließlich aus kaltem Egoismus, um meine Augen und Hände jeden Tag für zumindest kurze Zeit vom Kühlschrank weg zu einem anderen Ziel zu bewegen.

Einfach, weil es reicht, dass ich mich während der Schwangerschaft schon wie Manatee fühle und es vorziehen würde, wenn ich nach der Geburt nicht auch noch wie einer aussähe.

In diesem Sinne.. wir sehen uns morgen.