Mittwoch, 3. Oktober 2012

Baby und Beretta

Schwangersein ist ja, wenn man der einschlägigen Literatur dazu Glauben schenkt, eine ganz, ganz, ganz tolle Sache und Erfahrung. Eine unfassbar spannende Zeit. Wunderschön und generell nachahmenswert.

Also, wenn man gerade nicht kotzt. Wenn man nicht vor Müdigkeit, weil der Körper von den Schwangerschaftshormonen dahingerafft wird, kaum die Augen offen halten kann. Wenn sich nicht gerade eine gigantomanische Krampfader bildet, die in ihren Ausmaßen dem Mount Everest Konkurrenz machen kann. Wenn die restlichen Beine nicht von sogenannten Besenreisern durchzogen werden und Kartenmuster erzeugen, die an die eingeklebten Karten vorne im "Herr der Ringe" erinnern. Wenn man nicht, wie ein altes Pferd, das Frikadellen gefressen hat, furzen muss. Wenn man mal durchschlafen kann und nicht vor Schmerzen aufwacht, weil man sich wie eine 90-Jährige wundgelegen hat und Hilfe beim Wenden braucht. Wenn man nicht alle zehn Minuten pinkeln muss, weil die eigene Blase die gefühlte Größe einer Walnuss hat. Wenn man nicht gerade heulend in der Umkleidekabine von H&M zusammenbricht, weil man sich fühlt wie ein Nilpferd im Latexkostüm. Wenn man nicht feststellt, dass man wegen der Wassereinlagerungen nicht mehr über Knöchel verfügt, weil die Waden wie Elefantenstumpen nun einfach in den Fuß übergehen. Wenn der Fötus sich mal keinen Spaß daraus macht, während des Sexes Übungswehen auszulösen, der Bauch plötzlich *plopp* hart wie eine Kokosnuss wird und frau die Beweglichkeit und sexuelle Ästhetik einer auf dem Rücken liegenden Schildkröte hat. Wenn man wegen des Magnesiums keinen Durchfall oder wegen des Eisens keine Verstopfung hat..

(Ja, liebe Männer, ihr hört euch das jetzt alles an, denn es ist euer Penis und euer Sperma, das das aaalleees anrichtet!!)

Also, wenn das alles mal gerade nicht ist, dann ist so eine Schwangerschaft wirklich 'ne feine Sache.
In diesen durchschnittlich sieben Minuten am Tag, wenn das tatsächlich mal der Fall ist, sitze ich dann auch gedankenverloren auf dem Sofa, streichle den Medizinball, in dem der Antichrist wohnt, spreche mit ihm, schwelge in Glückseligkeit - und fotografiere natürlich voller Stolz einmal in der Woche meinen Bauch.

Den Bauch zu fotografieren gehört zu den Dingen, die eine Schwangere machen muss. Ähnlich wie die monatliche Untersuchung gehört es nicht etwa nur zum guten Ton sich in dieser Phase des Lebens zu fotografieren, nein, es scheint fast eine gesellschaftliche Verpflichtung zu sein, der man nachkommen muss, um nicht geächtet und ausgeweidet zu werden - letzteres natürlich nach der Geburt.

Dabei reicht es der modernen Frau von heute natürlich nicht aus, sich einfach nur so mit Selbstauslöser oder vom Gatten fotografieren zu lassen. Nein. Heutzutage braucht es Kostüme, Requisiten und am Besten einen professionellen Fotografen, um sich und dieses monströse Etwas, was man da unter den ebenfalls monströsen Brüsten spazieren trägt, angemessen in Szene zu setzen.
Wobei angemessen ja letzten Endes auch nur wieder so ein Wort ist, das einigen Definitionsspielraum lässt. Oder wie sehen Sie das?!

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Zu welchem Motiv oder Requisiten Sie sich auch während Ihrer Schwangerschaft entscheiden mögen, bitte lösen Sie sich schon jetzt von dem Irrglauben, Sie würden auf dem Foto auch nur ansatzweise so aussehen:

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Das hier dürfte der Realität eher entsprechen:
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Und jetzt entschuldigen Sie mich. Ich muss morgen ein neues Foto vom Bauch machen und muss mir dafür noch eine entsprechende Handfeuerwaffe organisieren.

[Some of the images are found on tumbl (or somewhere else on the internet). If I violated any copyrights you might have, please do not hesitate to contact me and I will remove the picture.]