Montag, 23. Juli 2012

Scheissdreck

Liebe Greenpeace-, WWF-, Peta-, amnesty-, Rotes-Kreuz- und sonstige (politisch) aktive Menschen, die vorzugsweise in Fußgängerzonen und an anderen Orten lauern, wo ihr Opf-, ich meine ihre Zielgruppe nicht so schnell entkommen kann.

Ich finde gut, was ihr macht.

Und dass ihr es macht!

Einer muss es ja schließlich machen, denn seien wir ehrlich, würden die Menschen von alleine aktiv werden, würden sie von alleine Geld spenden und die Politiker dieser Welt mit Unterschriften zuscheissen, ohne dass ihr ihnen vorher auf den Sack gegangen seid, wir hätten nicht all die Probleme, die wir nunmal haben, und ihr wärt überflüssig. Daher danke.

Danke, dass ihr euch da den lieben, langen Tag, bei Regen und bei Sonnenschein, hinstellt, nicht müde werdet, mal mehr, mal weniger aufdringlich mit eurem Zeigefinger vor unseren Nasen herumzufuchteln und jede Hackfresse anzusprechen, die nicht schnell genug fliehen kann, nur um euch dennoch in schätzungsweise 75% der Fälle eine herbe, unfreundliche Abfuhr einzuhandeln - und dennoch weiterzumachen. In der Regel ohne Bezahlung, ohne besondere Anerkennung. Einfach, weil es richtig und wichtig ist.

Danke.

Nachdem wir mit den durchaus aufrichtigen, jedoch ebenso lästigen Höflichkeiten nun durch sind, kommen wir zum eigentlichen Kern und meinem Anliegen.

Denn, liebe o.g. Menschen, ich weiß, ich sehe nicht so aus, aber ich habe kein Geld.

Und ich bin mir bewusst, dass die Tatsache, dass ihr mich durchgängig (!) dann ansprechen müsst, wenn ich gerade mein iPhone und einen Becher Eis oder irgendwas anderes zum Essen in der Hand halte, nicht gerade für meine eben gemachte Aussage spricht.

Nur.

Dieses iPhone ist drei Jahre alt und stammt aus einer Zeit, in der ich noch Geld hatte. Einer Zeit, in der ich sowohl zahlendes Mitglied bei Peta, als auch dem WWF war. Einer Zeit, in der ich mir jeden Tag fünf Frappucchino kaufen konnte und trotzdem noch am Ende des Monats Geld übrig hatte.

Diese Zeit ist nicht mehr. Der Akku des iPhone stirbt einen grausamen, langsamen Tod - vorzugsweise stets bei 70% - und dass ich damit immer noch rumlaufe, ist nur der Tatsache zu verdanken, dass ich mir kein neues Handy, geschweige denn ein neues iPhone, leisten kann, werde und will.

Dasselbe gilt übrigens für alles, was ihr seht, wenn ihr mir mit der Frage "Hast du gerade mal fünf Minuten Zeit?" den Weg abschneidet. Die Timberlands sind vier Jahre alt, die Esprittasche schon sechs, die Perlohrringe nicht echt, der restliche Schmuck Erbstücke von Oma und Tante, die Jacke ein Geschenk meiner Mutter zu Weihnachten.

Trügerisch, ich weiß, um nicht zu sagen arglistig. Und ich entschuldige mich, dass ich mich meiner finanziellen Situation nicht angemessener kleide.

Jetzt ist es so. Ihr dürft mich ruhig weiter ansprechen. Mir erzählen, was ihr macht, wofür ihr steht, was ihr wollt und dass es wirklich nur ganz, ganz, ganz wenig Geld ist, was ihr im Monat oder im Jahr von mir wollt. Macht das. Bitte. Ich werde euch zuhören. Und wenn ihr fertig seid mit reden und ich mit zuhören, werde ich euch sagen, dass ich aktuell keine zehn und auch keine fünf Euro im Monat übrig habe.

Und wenn ihr dann sagen könntet "Oh, schade. Na, wenn du magst, geb ich dir noch ein 'ne Infobroschüre mit und du kannst ja gucken, ob du dich zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht doch engagieren kannst oder willst." wäre alles dufte, wir hätten uns lieb und würde händchenhaltend in den Sonnenuntergang hüpfen.

Aber das macht ihr ja leider nicht. Weil ihr mir nicht glaubt. Weil ihr das iPhone und den ganzen anderen Wumms seht und mir einfach nicht glaubt. Und dann wird dieses Gesicht, das eure, das mich gerade noch einlullend freundlich anlächelte, zu einer abwertenden, geringschätzigen Fratze, ihr zieht die Augenbraue hoch und kräuselt die Lippen, als würde euch ganz langsam ein Furz hochwandern.

Und dann habt ihr die Unverschämtheit nachzufragen, wieso.

Ich weiß, dass die Mehrheit der von euch Angesprochenen euch abschmettert. Keine Zeit. Kein Geld. Oder einfach nur Nein! Das hört ihr vermutlich am laufenden Band und in der Regel ist es vermutlich eine Lüge, weil ihr einfach lästig seid wie ein Pickel zwischen den Pobacken.

Aber es geht euch einen Scheissdreck an, wieso ich mir nicht jeden Monat für jeden von euch zehn Euro aus den Rippen leiern kann. Es geht euch einen Scheissdreck an, dass ich im Monat etwa 150 EUR zur freien Verfügung habe und, wenn ich ganz, ganz, ganz sparsam und geizig bin, vielleicht einmal im Monat Freunde zu mir zum Essen einladen oder generell mich mit ihnen treffen oder hin und wieder mal ein leckeres Eis kaufen kann, weil, seien wir ehrlich, morgens, mittags und abends Graubrot mit Gouda und Senf auf die Dauer ein klitzekleinwenig dröge ist. Es geht euch auch einen Scheissdreck an, dass ich nebenher einen Studienkredit zurückzahlen muss. Und vor allem geht es euch einen Scheissdreck an, dass ich zusehen muss, wie ich im August einen Umzug gewuppt und bezahlt kriege, und ab Dezember jeden Monat Windeln für den neugeborenen Antichristen kaufen muss, weil ich nicht wirklich die Lust verspüre runter zum Rhein zu traben, um dort vollgeschissene Stoffwindeln zu waschen.

Das alles und noch mehr geht euch einen Scheissdreck an.

Ich weiß, eurer Job ist hart und undankbar, aber ihr müsst wissen, ich habe eine Liste, auf der steht ihr drauf. Diese Liste habe ich seit Jahren. Und immer, wenn ich Geld übrig habe, spende ich den Vereinen/Organisationen auf dieser Liste.

Aber wenn ihr so arschig und selbstgerecht und oberflächlich seid, dann meine Lieben, steht ihr leider nicht nur nicht mehr auf dieser Liste, sondern ihr kommt auch noch auf eine andere.

Eine auf der ihr nicht stehen wollt.