Montag, 18. Juni 2012

Zehn ganz einfache Gebote

Sie erinnern sich vielleicht, ich erwähnte vor einiger Zeit mal nebenbei, dass ich schwanger sei. Nun ist so eine Schwangerschaft wie ein hartnäckiger Pickel am Nasenflügel und geht nicht ohne weiteres weg. Daher bin ich immer noch schwanger. Und einigen obskuren Internetseiten zufolge wird dieser Zustand anscheinend auch noch einige Monate andauern.

Jetzt ist es ja so. Wenn man schwanger ist, verändert sich vieles. Man selbst. Der eigene Körper. Aber vor allem alle anderen Menschen um einen herum. Und an diese Menschen würde ich gerne ein paar Worte richten.

Räusper.

Liebe Mitmenschen,

ich weiß, Sie waren selbst schon mal schwanger, kennen jemanden, der schon mal schwanger war, haben im Bus mal neben einer Schwangeren gesessen oder auf RTL einen Beitrag über irgendwas mit Schwangerschaft gesehen und wissen daher Dinge, die ich nicht weiß und bei denen Sie das unbändige, abartige Bedürfnis haben, mir davon zu erzählen. Unaufgefordert.

Lassen Sie das!

Ich möchte nichts über Ihren Bruder hören, der behindert ist, weil Ihre Mutter während der Schwangerschaft sich mit Toxoplasmose infiziert hat.

Ich möchte nichts von Ihrer Bekannten hören, die im neunten Monat einen Fetozid hat vornehmen lassen müssen.

Ich möchte nichts von Ihrer Kollegin hören, die nach der Geburt immer, wenn sie niesen oder lachen musste, Pipi im Höschen hatte.

Ich möchte nichts über Nabelschnüre, die sich um Hälse wickeln, wissen.

Über verschimmeltes Fruchtwasser, offene Rücken und Notkaiserschnitte.

Über Früh- oder Totgeburten.

Über die Darmentleerung oder den Dammriss während der Geburt.

Über 48-Stunden-lange Wehen.

Über Ihre (!) Hämorrhoiden.

Über Schreikinder, ADHS oder darüber, dass Sie sich, wenn Sie sich heute nochmal entscheiden könnten, Sie sich gegen das Kind entscheiden würden.

ICH. MÖCHTE. DAS. NICHT.

Daher ein paar einfache Regeln, an die Sie sich bitte doch einfach halten, wenn Sie nicht möchten, dass ich Sie spontan mit meinen Folsäure-Tabletten steinige:

1. Du sollst mich mit Horror-Anekdoten oder Gruselgeschichten, die du irgendwann mal gehört hast, verschonen.

2. Du sollst meinen Bauch nicht anfassen.

3. Du sollst mich nicht bei der Begrüßung (weil du ja so ein witziges Kerlchen bist): "Na, haste zugenommen?"fragen.

4. Du sollst deinen Zigarettenrauch nicht in meine Richtung blasen, sollst mir keinen Alkohol anbieten oder mir vom letzten Besuch im Sushi-Restaurant erzählen.

5. Du sollst meinen Bauch nicht anfassen.

6. Du sollst mich nicht fragen, ob ich jetzt nicht mal langsam satt wäre.

7. Du sollst mir in den nächsten Monaten nicht widersprechen. Niemals. Egal, worum es geht.

8. Du sollst keine Sätze, wie "Das sind die Hormone.." sagen.

9. Du sollst dich im Supermarkt nicht zwischen mich und das Süßigkeitenregal stellen. Oder zwischen mich und den Kühlschrank. Oder zwischen mich und irgendjemanden, der etwas zu Essen in der Hand hält.

10. DU. SOLLST. MEINEN. BAUCH. NICHT. ANFASSEN!

Drucken Sie sich die Gebote aus. Tätowieren Sie sie sich auf die Unterarme. Schreiben Sie sie sich mit Edding spiegelverkehrt auf die Stirn.

Nur befolgen Sie sie.

In diesem Sinne: Danke.