Montag, 25. Juni 2012

Niemals vergessen

Es gibt Freundschaften. Und es gibt Freundschaften.

Platonische Beziehungen, die weit über "normale" Freundschaften hinausgehen. Bei denen zwei Menschen, so gleich, so unterschiedlich, sie auch sein mögen, durch ein geistiges Band verbunden sind.

Unzerstörbar.

Egal, wieviele Kilometer sie auch trennen. Sogar egal, ob man überhaupt noch Kontakt zum anderen hat. Dieses Band bleibt bestehen. Die damit verbundenen Personen bleiben auf ewig ein Teil im Leben des anderen.

Zwischendurch vielleicht aus den Augen verloren, aber niemals vergessen.

Hin und wieder findet man eine Karte.

Einen Brief.

Ein Foto.

Und so sehr man auch glaubte, alle Spuren sorgfältig beseitigt zu haben, taucht aus dem Nichts plötzlich etwas auf, was das Verdrängen der Sehnsucht, des Erinnerns für einige, kurze und vor allem schmerzhafte Momente unmöglich macht.

Und dennoch.

Die Gewissheit, dass der Schritt damals richtig war, bleibt.

Die Gewissheit, dass, obwohl es sich um einen der wichtigsten Menschen im eigenen Leben handelt, es zum damaligen Zeitpunkt einfach nicht funktionierte. Nicht funktionieren konnte. So sehr man es auch wollte. So sehr man es sich auch wünschte.

Die Gewissheit, dass eine Phase des Schweigens, unangekündigt und unbefristet, die einzige Möglichkeit war, diese Freundschaft zu schützen. Sie zu beenden, bevor sie in Trümmern, in Scherben vor einem liegt.

Eine Entscheidung gegen das eigene Verlangen, gegen das Gefühl, gegen die Sehnsucht, von der man wusste, dass sie kommen würde. Eine Entscheidung diktiert durch nackte, kalte Ratio und die bloße Hoffnung, vielleicht sogar das Wissen, dass eines Tages der Zeitpunkt kommen würde, an dem beide das Ende des brachliegenden Bandes ergreifen, um wieder zu einander zu finden.

Dieser Tag ist nicht heute.

Und vermutlich auch nicht morgen.

Aber ich hoffe bald.

Zu leugnen, dass ich nicht an dich denken muss, wäre albern. So zu tun, als würde ich nicht hin und wieder auf dein Facebookprofil gehen, um zu schauen, ob es vielleicht etwas neues gibt, ebenfalls.
Ich wusste, dass du mein Blog liest. Ich wusste nicht, wie oft, aber ich wusste, dass.

Dennoch traf mich dein Blogkommentar (ein Kommentar, den ich nicht veröffentlichen konnte, wollte und werde, weil es mein Blogkommentar ist, ganz allein für mich geschrieben) wie ein Schlag. Vor allem, da ich erst in der dritten Zeile wusste, dass du es warst, die nach 1,5 Jahren des Schweigens das Wort an mich richtete. Ein Schweigen, das ich begonnen hatte.

Es war ein kurzes Lebenszeichen.

Ein kurzes Ich bin noch da.

Ein kurzes Ich vermisse dich.

Und manchmal, wenn die Zeit noch nicht reif ist, um das Wort wieder direkt an den anderen zu richten, bleibt einem nicht viel mehr als zu sagen, als dass du mir auch fehlst...