Montag, 16. April 2012

Oh, how I hate you!

Der Mensch braucht Feindbilder. Jeder. Feindbilder sind gut. Feindbilder sind etwas feines. Sie führen zu einem Gemeinschaftsgefühl innerhalb der hassenden Gruppe, festigen diese und sorgen durch destruktive, unfundierte, abstruse Äußerungen über den Feind zu einer Stärkung des eigenen Selbstbildes und erhöhen das Selbstwertgefühl.

Und der Mensch hegt und pflegt seine Feindbilder seit Jahrtausenden, erfindet bei Bedarf neue oder recycelt ältere.

Die Amerikaner hassten die Iren. Die Iren die Engländer. Die Engländer die Franzosen. Die Franzosen uns. Wir die Polen. Die Polen die Russen. Die Russen die Demokratie und vor allem Amerika. Die Amerikaner hassen weniger und fürchten sich im Grunde nur die ganze Zeit, was am Ende auch wieder wie hassen aussieht. Aktuell fürchtassen sie sich vor allem vor Muslimen. Die hassen sich zum Teil gegenseitig, dann aber auch gerne die Israelis. Die hassen mit Inbrunst zurück.
Die Liste kann endlos fortgesetzt werden. Protestanten. Katholiken. Hutu. Tutsi. Kommunisten. Atheisten. Agnostiker. Veganer. Menschen, die auf der Autobahn zu langsam fahren. Leopardenprintleggingsträger. Omas, die an der Kasse ihr gesamtes, innerhalb der letzten sieben Jahre gesammeltes Kleingeld rauskramen. Etc. etc. etc.

(Dylan Moran. Ein Mann, der etwas von Feinbildern versteht)

Suchen Sie sich einen aus. Sie haben die freie Wahl und wenn Sie ganz wild drauf sind, dürfen Sie auch mehrere gleichzeitig hassen. Falls Sie Katholik sind, empfehle ich Ihnen das Kombi-Paket "Ungläubige", in dem sowohl Protestanten, Muslime als auch Juden enthalten sind.

Das geht seit Ewigkeiten so.

Und wird auch in alle Ewigkeiten so weitergehen.

Woher ich das weiß?

Star Trek.

Romulaner gegen Vulkanier. Bajoraner gegen Cardassianer. Borg gegen alle. Glauben Sie mir: Es hört nie auf.

Wer das Gegenteil behauptet, ist, meiner bescheidenen Meinung nicht nur naiv, sondern schlichtweg dumm. Und dumme Menschen sind übrigens mein bevorzugtes Feindbild.


8cb53 miley cyrus rick santorum
(Ein dummer Mensch)

Geben Sie sich bitte nicht der kantschen Illusion hin, der Mensch wäre von seiner Vernunftbegabung her zu mehr fähig, als mit Messer und Gabel zu essen. Der Mensch ist ein nackter Schimpanse, der irgendwann angefangen hat Unterwäsche zu tragen und sein Essen zu kochen und das war's dann auch. Das mag sich nicht schön anhören, aber das ist die Wahrheit oder Mutter Natur eben selten.
Und wissen Sie, so unschön sich das ganze Hassen, das Niederbrennen von Gebetshäusern und das Niedermeucheln Anderdenkener in den Geschichtsbüchern auch macht, so sind wir nun mal. Das müssen wir akzeptieren. Wir sind nun mal klein, traurig, schwach. Wir können nicht anders. Sind wie dieser furzdämliche Skorpion in der Metapher. Es ist eben unsere Natur.

Stimmen Sie mir da zu?

Oh, mein Gott, ich hoffe nicht!!

Selbst ich weigere mich, mir da zuzustimmen und das einfach hinzunehmen. Freilich sind wir so, wie oben beschrieben, ich wäre nicht die, die ich bin, wenn ich netter über meine eigene Spezies denken würde.

Nur hin und wieder bin selbst ich überrascht von der grenzenlosen Debilität, mit der manche Menschen ihre Feindbilder wählen, nur um sich nicht mit sich selbst auseinander setzen zu müssen, und ich weigere mich das einfach hinzunehmen. Weil es nervt. Weil mich solche Menschen noch mehr nerven, als ohnehin schon.

An dieser Stelle jahrhundertealte Feindbilder auseinander zu wirren und soziologisch aufzuzeigen, warum nach zweitausend Jahren der Jude immer noch so ein herrlich beliebtes, jedoch eigentlich obsoletes Feindbild auf diesem Planeten ist, wäre müßig. Denn die Meschuggenität von Feindbilder offenbart sich vor allem in den aktuellen Feinbildern.

Natürlich haben wir auch heute noch Angst vor Andersgläubigen, vor allem, wenn sie sich erdreisten wollen, ihre architektonisch fragwürdigen Gebetsdinger irgendwo hinzubauen, wo wir am Wochenende auf dem Weg zum REWE dran vorbeifahren müssen. Und natürlich zelebriert z.B. der Amerikaner seine gute, alte Xenophobie, als würde er damit irgendwann einen Preis gewinnen können.

Aber eine neue Art von Feinbild macht sich inzwischen breit, die ich dermaßen albern finde, dass mir dazu noch nicht einmal eine passende Metapher einfällt.
Wir reden von dem Feinbild, das ich jetzt einfach mal unter dem Kombi-Paket "Zukunft" zusammenfasse. Weil Technik und so.
Social media icons
Denn es gibt sie.

Menschen, die Google hassen. Twitter. Facebook.

Menschen, die das Internet an sich hassen.

Menschen, die Apple hassen.

Sehen wir mal von der Tatsache ab, dass ich hier neben meinem Buddhaschrein auch einen kleinen Altar habe, auf dem ich dem Internet und all meinen Apple-Produkten huldige.

Sehen wir auch mal von der Tatsache ab, dass all das keine Menschen sind. Auch keine identitätsstiftende Gruppe. Ja, noch nicht mal eine Partei oder Verein oder Religion oder ähnliches.
Nichts verkörpert besser die Abstrusität von Feindbildern, als Facebook als Feindbild zu haben.

Menschen, die Stunden und Tage ihres Lebens damit verschwenden, sich darüber zu beschweren, zu erläutern, warum es schlecht und böse ist und mit unseren Daten so leichtfertig umgeht, wie eine Hafennutte mit Geschlechtskrankheiten. Menschen, die offenbar nichts anderes zu tun haben.

An diese Menschen möchte ich ein paar Worte richten.

Liebe Nulpen.

Wenn Sie Nutella hassen, weil es Ihnen nicht schmeckt oder Sie die Firma Ferrero per se scheisse finden, was machen Sie da? Genau. Sie kaufen es einfach nicht.

Also, wenn Sie Apple scheisse finden, weil Sie meinen, es sei eine faschistoide Maschinerie, kaufen Sie sich doch einfach keine Apple-Produkte. Niemand zwingt Sie.

Wenn Sie Facebook hassen, weil Sie es unübersichtlich finden und Sie sich und Ihre Daten dort nicht gut aufgehoben fühlen, melden Sie sich dort nicht an. Niemand zwingt Sie.

Und wenn Sie nicht wollen, dass Google Ihre Sucheingaben speichert oder ähnlich böses, dann nehmen Sie Ihren PC (einen Mac haben Sie ja nicht..), kappen die Internetverbindung und ziehen in eine Tropfsteinhöhle und hören den Fledermäusen beim Kacken zu.

Wissen Sie, es gibt Feinbilder, die sind gute Feinbilder. Hitler: Gutes Feindbild. Wasser: Schlechtes Feindbild. Roten Khmer: Gutes Feindbild. iPhone: Schlechtes Feindbild. Borg Queen: Super Feindbild. Kondome: Schlechtes Feindbild.

Sie verstehen die Logik?!

Feindbilder sind etwas, womit man sich auseinandersetzen sollte, womit man sich auseinandersetzen muss, wenn sie das Leben von Menschen auf eine negative Weise beeinflussen, auf eine Weise, der man sich nicht entziehen kann, selbst, wenn man wollte!

Sie können sich Facebook entziehen. Müssen sich nicht anmelden. Nicht partizipieren. Ihre Daten nicht preisgeben. Sie können es komplett ignorieren und Ihr Leben weiterleben. Aber falls Sie sich entschließen, sich dort anzumelden, geben Sie nicht Facebook die Schuld.

Da Sie auch wählen gehen dürfen, gehe ich davon aus, dass irgendjemand irgendwo der Ansicht ist, Sie haben ein funktionierendes Gehirn und einen freien Willen. Nutzen Sie beides doch mal zur Abwechslung.

Vielleicht sogar gleichzeitig.

[Some of the images are found on tumbl (or somewhere else on the internet). If I violated any copyrights you might have, please do not hesitate to contact me and I will remove the picture.]