Montag, 23. April 2012

homo stultus

Vor nicht kurzer Zeit sah ich mich genötigt, über das Thema Kinder zu schreiben und warum um alles in der Welt ich keine will.

Da das leidige Thema sich aktuell wie ein hyperaktiver Bumerang zurück in mein Leben schleicht, unter anderem in Form von @der_handwerk, der mich jedesmal, wenn wir in Berlin aufeinander treffen, davon überzeugen will, dass ich mich fortpflanzen soll, sehe ich mich genötigt erneut dazu meinen üblichen Unsinn zu verzapfen.

Bitte denken Sie nun nicht, @der_handwerk möchte, dass ich mit ihm eine twitternde Nachkommenschaft zeuge, nein, darum geht es ihm freilich nicht. Er meint das generell, denn er befürchtet, und mit dieser Furcht steht er nicht alleine da, dass, wenn sich nur die nagelstudiobesitzenden Rochelles und die cheeseburgerverehrenden Marvins dieser Welt reproduzieren, eine langfristige Verdummung unserer Spezies.

Wer sich den Film 'Idiocracy' angesehen hat, hat eine grobe Vorstellung wie eine solche Welt aussähe und vor allem, dass sie wahrlich nicht besonders erstrebenswert wäre.


Aus einem ersten Impuls heraus, muss man @der_handwerk daher natürlich Recht geben. Auch wenn Intelligenz nicht 1:1 vererbbar ist und deswegen dumme Menschen nicht automatisch nur dumme Kinder werfen, so ziehen diese Menschen ihre potentiell klugen Kinder in einem Umfeld groß, in dem das Potential brach liegt und in dem die Chiaras, Samiras und Vincent Jays eine ähnlich fulminante Existenz wie ihren Eltern droht.

Und das, während Akademiker und die anderen Menschen, die sich sonst so auf diesem Planeten noch für wahnsinnig schlau halten, sich aus Gründen der Vernunft dagegen entscheiden Kinder zu kriegen oder es immer wieder rausschieben.

Das Ergebnis scheint zu sein: Kluge Menschen kriegen kaum noch bzw. keine Kinder mehr. Dumme immer mehr.

Und irgendwann haben nur noch dumme Menschen Kinder und der Planet geht endgültig vor die Hunde.
Unknown fast food caveman
Das ist das Horrorszenario. Und wahrlich, es hört sich grausig an.
Dazu jedoch ein paar bescheidene und wie gewohnt philanthropische Anmerkungen meinerseits.

*räusper*

1.) Der Plebejer von heute ist nicht dümmer als der Plebejer von vor zweitausend Jahren. Das Wort alleine gibt Auskunft darüber, wie lange es diesen Schlag Mensch jenseits der sogenannten geistigen Elite schon gibt.

Damals lief der Mob pöbelnd durch Rom, durch Alexandria, durch Konstantinopel. Heute tut er dasselbe in Berlin, London und New York. Nur, dass er inzwischen Jeans statt Toga trägt. Es gibt keine sich stetig erhöhende Verdummung der Plebs. Jeder, der ein wenig Ahnung von Geschichte hat, weiß, dass der Mensch seit tausenden von Jahren wirklich unfassbar dumm ist und dumme Sachen macht, und nicht erst seit dem 20. Jahrhundert.

2.) Nun, mag der ein oder andere von Ihnen nun sagen, selbst wenn der Mensch nicht dümmer wird, dann gibt es eben immer mehr dumme Menschen, die diesen Eindruck schüren.

Aber da widerspreche ich Ihnen ebenfalls auf's Heftigste. Denn es gibt nicht mehr dumme Menschen als vor hundert oder vor tausend Jahren. Ich meine, rein prozentual betrachtet. Es kommt uns nur so vor.

Denn während wir früher so in unserem kleinen Schtetl hockten und außerhalb eines gewissen Radius nicht viel von der Welt mitbekamen, so sind wir nun vernetzt mit fast jedem der sieben Milliarden Menschen respektive Idioten auf diesem schmucken, kleinen Planeten und wir werden via Internet und sonstige Medien geradezu bombardiert von Geschichten, Informationen und Fotos, die die grenzenlose Idiotie unserer Spezies eindrucksvoll belegen - egal, ob das ein brasilianischer Kaffeebauer oder ausländischer Politiker ist.

Large George W Bush Oct11 01 Legacy

Wir erleben eine Vernetzung, die vor Landesgrenzen und Kontinenten keinen Halt macht und so erfahren wir von praktizierenden Schmocks in Wales, in der Ukraine, in Israel, in Pakistan, in Laos, in Simbabwe, in.. in.. in..

Kein Wunder, dass sich das Gefühl, wir wären ständig und immer mehr von Nulpen umgeben, die zwischen Sherlock und Shylock nicht unterscheiden können, praktisch aufdrängen muss.

(Moment. Ich warte kurz, bis Sie Shylock bei Wikipedia nachgeschlagen haben..)

Kommen wir aber zum eigentlich Wesentlichen:

3.) Denn selbst, wenn dem nicht so wäre, also, selbst, wenn die Menschen immer dümmer werden würden und sich aufgrund der Ermangelung eines geistreicheren Hobbies sich ausschließlich der Fortpflanzung widmen würden und so langfristig die Ära des Homo sapiens beenden und die des Homo stultus beginnen lassen würden..

So what?!

Der Mensch (Homo sapiens UND Homo stultus) ist Teil der Natur, der Evolution. Eine Art geht, die andere kommt. Nur, um dann auch zu gehen.

Der ständige Versuch unsererseits die Natur "positiv" zu beeinflussen und irgendwas nachzüchten zu wollen, egal, ob das nun sexunwillige Pandas oder sexunwillige Akademiker sind, ist eine Marotte der Neuzeit, die einfach nur meschugge ist.

Wir glauben immer noch, dass die Natur etwas ausschließlich schönes sei. Etwas, das wir schützen, hegen und pflegen müssen. Wie ein geistig behindertes Kind im Wachkoma.

Aber die Natur braucht unsere verschissene Hilfe nicht.

Wenn der Panda ausstirbt, stirbt er eben aus. So wie der Dodo und das Wollmammut ausgestorben sind.

Natürlich hat das Konsequenzen, wenn eine Art plötzlich von der Bildfläche verschwindet. Aber keine, die die Natur nicht nach einer gewissen Zeitspanne wieder auszugleichen weiß. Da wird die freie ökologische Nische einfach mit einer anderen Art bestückt. Vielleicht eine, bei der es dann nicht so putzige YouTube-Videos gibt, wie beim Panda, aber seien wir ehrlich, der Evolution ist YouTube ziemlich schnuppe. In die Nische wird reingepackt, was reinpasst. Et basta.

Was würde also wirklich passieren, stürben die vermeintlich (!) klugen Menschen aus?

Nun, die Dummen würden die Erde bevölkern wie eine Heuschreckenplage. Da sie ja dumm sind, werden sie nicht nachhaltig leben und wirtschaften. Und so wie sie den Planeten endgültig verschmutzen und fast töten werden, werden sie sich selbst töten. Die Wirtschaft wird zusammenbrechen, wieder und wieder. Armut. Kriege. Hungersnöte. Vom Zusammenbruch des Gesundheitssystems ganz zu schweigen.

Es wird seine Zeit brauchen, sicher, aber der Mensch würde sich selbst ausrotten und einen Planeten zurücklassen, der am Rande des Zusammenbruchs stehen wird. Aber egal, wie schlimm wir diesen Planeten zurücklassen werden, er wird überleben.

Vielleicht ohne Pandas, aber dafür mit anderen Lebewesen. Vermutlich hauptsächlich Kakerlaken und Ratten. Und ein paar genetisch mutierten Chihuahuas. Die dominierende Spezies Mensch wird Platz machen, und der ramponierte Planet wird sich langsam, sehr langsam, wieder erholen und einer Zukunft entgegensehen, in der es keine Menschen geben wird.

Und diese Aussicht bringt mein kleines misanthropisches Herz zum Klopfen.

[Some of the images are found on tumbl (or somewhere else on the internet). If I violated any copyrights you might have, please do not hesitate to contact me and I will remove the picture.]