Dienstag, 13. März 2012

Nulla poena sine culpa

Bloggen ist für mich etwas unfassbar privates. Und ich meine nicht den Teil, nachdem ich es veröffentlicht habe und Sie es lesen können. Das wäre ja albern. Ich meine den Teil, in dem ich es schreibe. Ich bin Neurotiker. Wird Ihnen vielleicht schon aufgefallen sein. Und für mich ist Bloggen nunmal etwas sehr intimes. Ist fast so etwas wie Katharsis für mich. Da ich Psychiater hasse und verabscheue wie der Vatikan Anne Boleyn, ist dies im Grunde nichts anderes als eine therapeutische Sitzung mit mir selbst.

"Hallo Claudia."

"Hallo."

"Wie geht es uns denn heute?"

"Es geht so.."

"Erzählen Sie bitte. Wollen Sie einen Lolli oder ein Taschentuch dazu?"

IMG 1645

Dazu ein bis siebzehn Liter Amarula auf Eis, drei Kilo Vla, die Requiem von Mozart auf Orchesterlautstärke und los geht die wilde Fahrt. Wer jetzt anruft, wird durch den Hörer mit einem Bleistift kastriert. Wer es wagt zu klingeln in einen Sack gestopft und in der Spree ersäuft. Dieser Moment ist mir heilig. Diese eine Stunde, zweimal die Woche, ist so sakral wie den Juden diese dusselige Mauer in Jerusalem. Wie den Christen ihre Kondompolitik. Wie den Moslems dieser große, außerirdische Würfel in Mekka. Wie den Scientologen ihre Kontoauszüge.

Und ich kann beim besten Willen nicht bloggen, wenn jemand in meiner Wohnung im Nebenzimmer hockt. In meiner Wohnung hat niemand zu hocken, wenn ich blogge. Eigentlich hat überhaupt niemals irgendwer in meiner Wohnung zu hocken. Superman hatte seine Festung der Einsamkeit, Grenouille seine Höhle und ich habe das hier. In der Theorie. In der Praxis.. jetzt gerade eher.. nicht.

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Ich kann noch nicht vorhersagen, welche Auswirkungen das auf mein Nervenkostüm haben wird, aber sicherlich keine guten. Machen wir uns nichts vor, das Ganze wird vermutlich damit enden, dass Sie mein Gesicht bei RTL in den "Nachrichten" sehen werden. Okay, nicht sehen. Schließlich werden mir die Herren von der Kripo einen Sack über den Kopf stülpen, wenn Sie mich in Handschellen zum Wagen führen, aber Sie werden mich an dem gestreiften Oberteil erkennen. Lassen Sie sich bitte von den roten Flecken darauf nicht irritieren: Es ist nicht mein Blut.

Mit diesen Worten beende ich die heutige Sitzung vorzeitig. Sie mögen mir bitte verzeihen, aber ich muss mir nämlich dringend ein deutsches Strafgesetzbuch besorgen und mich in den Teil über Schuldunfähigkeit einarbeiten.

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In diesem Sinne: Nulla poena sine culpa.

(Ja, das dürfen Sie jetzt alle googeln.)