Dienstag, 6. März 2012

Ihr gutes Recht

Ich habe mal einen Film gesehen. Das mache ich hin und wieder. Was diesen einen Film angeht, weiß ich zwar nicht mehr wie er hieß, aber es ging (das dürfte Sie bei mir ja jetzt unfassbar überraschen) irgendwie um Stalin. Wie gesagt, ich weiß nicht mehr viel von diesem Film, von allen schnäuzbärtigen Diktatoren ist der Jupp nun mal nicht mein favourite, aber es hat sich bis heute ein Zitat daraus dermaßen in meinen Synapsen festgebissen, dass ich es vermutlich noch auf dem Sterbebett zitieren kann:

"Natürlich hast du das Recht auf deine eigene Meinung.
Aber ich habe das Recht, dich dafür zu erschießen."

Kayne lenin
Lenin, dieser krasse Revoluzzer, sagte das in einer Szene zu Trotzki.

Bevor Sie mich jetzt mit Kommentaren zuscheissen, wieso ich mir denn so was Pfuibahböses merke und dass das ja menschenrechtsverletzend und blablablabliblablubb sei, seien Sie einen Moment ruhig und hören Sie zu.

Wie Ihnen vielleicht schon aufgefallen ist, bin ich, was die Existenzen meiner Mitmenschen angeht, ein unfassbar gleichgültiger Mensch. Ein Zustand, der dummerweise von anderen immer wieder mit Toleranz verwechselt wird. Ein fataler Fehler, wie ich finde.

Denn mein Gemotze über Kreaturen an der Grenze zur geistigen Behinderung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass mir ebendiese Kreaturen einfach extremst egal sind.

Ob Menschen sich zu Tode saufen, fressen, rauchen, koksen oder solange masturbieren, bis sie an Flüssigkeitsverlust sterben - es ist mir egal. Ja, selbst bei Themen, die mir eigentlich wichtig sind, also ob sie Produkte von Dove oder Johnson & Johnson benutzen, ob sie frittierte Scheisse bei Kentucky Fried Chicken kaufen, ob sie Star Wars nicht von Star Trek unterscheiden können - es ist mir egal.

Wenn Sie sich viermal in der Woche eine bulgarische Nutte nach Hause bestellen und deswegen Jahre später im syphilitischen Wahn bei dem Versuch eine Wassermelone zu penetrieren zu Tode kommen - wie um alles in der Welt sollte das mein Problem sein?

Es ist nicht mein Leben, das Sie führen. Und ich bin nur für mein Leben verantwortlich. Und damit habe ich schon alle Hände voll zu tun, denn glauben Sie mir, wenn ich könnte, würde ich den Kontakt zu mir selbst auch abbrechen.

Sie dürfen mir das alles gerne als mangelnde Empathie auslegen, aber ich bin der Ansicht, der Mensch ist in der Theorie ein vernunftbegabtes Wesen, das sich Tag für Tag selbst dafür entscheidet, sich wie ein lobotomierter Schimpanse zu verhalten. Und da geht mir nicht nur mein Mitgefühl, sondern auch ein potentiell angeborenes Interesse einfach völlig ab.

Jetzt habe ich nur die Problematik, dass ich zwar in Köpenick lebe, aber, so abgeschieden diese neo-arische Kolonie auch sein mag, sie ist bei Gott keine einsame Insel, auf der ich wie Robinson Crusoe ohne Freitag meinen misanthropischen Gelüsten frönen kann. Nein, ich stehe in regelmäßigem Kontakt mit den Mitgliedern meiner eigenen Spezies. Ich sehe sie. Hin und wieder rede ich mit ihnen. Und da ich in Berlin wohne, rieche ich sie auch recht häufig.

Und der Punkt, an dem einer meiner Sinne gezwungen ist, die Existenz jener wahrzunehmen, die ich ansonsten am liebsten ignorieren würde, ist meistens der Punkt, an dem sich meine Synapsen vom Konzept der Gleichgültigkeit verabschieden und stattdessen mit dem Rumhitlern anfangen.

So auch kürzlich am S-Bahnhof Hermannstraße im wunderschönen Neukölln:

Rnenen tiff

Diejenigen von Ihnen, die mit meinen Tweets vertraut sind, ist sicherlich bewusst, dass ich wahrlich schon Dinge gesagt habe, die schlimmer waren und die selbst Idi Amin als unangebracht bezeichnen würde. Dennoch. Es gab schon an dieser Stelle vereinzelte Stimmen, die ihren Unmut kundtaten.
Und hier komme ich zum eigentlichen Punkt und dem Zitat zurück.

Natürlich, meine hochverehrten Mitmenschen, dürfen Sie tragen, was Sie wollen. Und natürlich dürfen Sie auch 200kg wiegen. Wie gesagt, es ist mir wirklich scheissegal, wie viel Sie wiegen und ob Sie finden, dass das schön ist, was Sie wiegen und wie Sie aussehen und ob RTL Sie dabei filmt, wie Sie mit einem Kran aus der Wohnung gehievt werden. So wie mir egal ist, ob Sie einen Mantel aus Katzenbabyfell tragen oder einen Tanga aus Zahnseide.

Denn:

Natürlich haben Sie das Recht zu tragen, was immer Sie wollen.

Aber:

Wenn sich meine Pupillen nach innen stülpen oder die rechte Hand versucht mir mit meinen Wohnungsschlüsseln die Augäpfel auszuschaben, weil ich finde, dass 200kg in einer Leopardleggins der Größe 42 vielleicht nicht so knorke aussehen, dann habe ich das Recht ebendies in 140 Zeichen zu sagen.

Aber wissen Sie, was das Tolle am Konzept Meinungsfreiheit ist?! Und natürlich im Speziellen am Konzept Satire?!

So wie ich das Recht habe, böse, sarkastische Dinge zu sagen, so haben Sie das Recht mich deswegen scheisse zu finden. Tun Sie sich bitte keinen Zwang an. Hassen Sie mich. Verfluchen Sie mich. Kleben Sie meinen Avatar auf eine Vodoo-Puppe und werfen Sie diese in ein Gehege mit ausgehungerten Wildschweinen. Und natürlich: Entfolgen Sie mich. Um Nichts in dieser Welt würde ich Ihnen das Recht und die damit verbundene Wonne absprechen, mich scheisse zu finden.

Ich möchte Sie nur bitten eines zu beachten: So wie ich Sie nicht kenne und daher nicht ahnen kann, ob ich Ihnen mit einer Bemerkung meinerseits auf die Zehen gestiegen bin, und ich beileibe auch wirklich keine Lust verspüre, mir jedesmal vorher Gedanken zu machen, ob sich jemand wegen mir gleich seine Äuglein ausheult, machen Sie sich bitte auch bewusst, dass Sie mich nicht kennen. Und Sie gegebenenfalls daher auch nicht wissen, ob ich mir vor einem Jahr noch von meinen Ärzten anhören durfte, dass ich dringend abnehmen müsste. Ich sage nicht, dass es so war und dass ich daher weiß, wie es ist, wegen dem Thema empfindlich zu sein, weil, seien wir ehrlich, es geht Sie nichts an.
Ich sage nur, dass ich in all den Jahren trotzdem niemals Leggins mit Ugg-Boots getragen habe!! Weil Sie und Ihr ästhetisches Empfinden mir vielleicht egal sind, aber mein eigenes Spiegelbild und die dadurch eventuell entstehende Übelkeit niemals.

In diesem Sinne: Hassen Sie mich. Sie haben jedes Recht dazu.

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