Dienstag, 20. März 2012

EntfolgenBlockenTöten

Manchmal, so hin und wieder, denke ich, ihr habt nicht alle Murmeln beieinander. Und das meine ich nicht auf eine nette Weise. Eher auf eine "Arsch auf, oder was?!"-Weise.

Ich rede hier ganz explizit von Twitterern, weil ich vermehrt den Eindruck bekomme, meine Timeline besteht zu über 50% aus Vorschulkindern. Nein, nicht Vorschulkindern. Denn Vorschulkinder würden kopfschüttelnd vor Twitter sitzen und sich fragen, was der Affenzirkus soll.

Sieht man über dieses exzessive Gebreuere in den letzten Wochen mal hinweg - ich gehe davon aus, einige hatten gute Gründe zu glauben, sie könnten länger als zwei Wochen ohne Twitter überleben und dachten nicht einfach nur, weil jetzt Frühling sei, sie hätten plötzlich so etwas wie ein Reallife - wird hier ziemlich viel rumgekeift in der letzten Zeit.

Oder war das schon immer so und es ist mir vorher einfach nicht so aufgefallen?

Vielleicht war es mir auch früher, in der Ära Bonn, einfach pupsegal, weil ich außer @LynnUp von euch keinen kannte, und ihr daher Schafe vergewaltigend durch Schottland hättet ziehen können und es bei mir nicht mehr als ein müdes Schulterzucken hervorgerufen hätte.

Ob es damit was zu tun hat oder nicht, spielt aber im Grunde auch keine Rolle, denn einige von euch legen in den letzten Monaten ein Verhalten an den Tag, das den Begriff erwachsen nicht mal ansatzweise verdient und mich teilweise einfach nur sprachlos macht.

Das Schöne an Twitter ist ja, dass man sich seine Timeline so zurecht funzeln kann, wie man sie gerne hätte. Twitter ist nicht Facebook. Nirgends irgendwelche ehemaligen Klassenkameradinnen, bei denen man sich eher selbst im Rhein ersäufen würde, bevor man mit denen noch einmal einen Kaffee trinken geht. Niemand muss hier irgendwas. Alle dürfen und können. Twitter ist schön, Twitter ist toll. Hach, hach, hach. Und während man auf Facebook mit kleinen Kotzebröckchen im Hals die Freundschaftsanfrage des verachteten Schwagers annimmt, um den äußeren Anschein der Höflichkeit zu wahren, wird auf Twitter beleidigt, gepöbelt und aufs Innigste gehasst, dass selbst Goebbels davon schlecht werden würde.

Zum Teil Menschen, die sich noch nie im Leben begegnet sind.

Zum Teil aber auch Menschen, die sich erst den Verstand rausgevögelt und ihn anschließend offenbar nicht wiedergefunden haben.

Manchmal können zwei Menschen einfach nicht miteinander. Das ist okay. Normal. Menschlich eben. Egal, ob das auf der Arbeit geschieht, im Hörsaal, im Bus oder in der Timeline. Man kann nichts oder nur wenig miteinander anfangen - passiert eben. Und das Gute, zumindest rein theoretisch, bei Twitter, im Gegensatz zu den anderen Orten, ist ja, dass man demjenigen, den man nicht leiden kann, komplett aus dem Weg gehen kann. Ein Klick und auf Nimmerwiedersehen verschwinden sie ins Timeline-Nirwana.

Rein theoretisch.

Denn da zeigt Twitter plötzlich seine hässliche Fratze.

Und aus unfassbar lustigen, herzlichen Menschen werden plötzlich kleine, impotente Timelinediktatoren, die Pol-Pot-artig Säuberungsaktionen durchführen wollen.

Und wehe, andere folgen der verhassten Person, oder - Herrje! - retweeten diese auch noch frech, dreist und ohne Vorwarnung einfach so.

Hier werden Gräben gezogen und Bajonette verteilt, als zöge man in eine Schlacht. Verdun war dagegen ein Firmenausflug nach Mallorca. Plötzlich ist Krieg, nein, schlimmer. Es herrscht Endzeitstimmung. Die Offenbarung des Johannes in 140 Zeichen.

Für mich oder gegen den anderen lautet das Motto.

Wagt es nicht, keine Position zu haben!

Wagt es nicht, eure Timeline einfach nur aus Jux und Dollerei zusammenzustellen!

Ihr seid, was eure Timeline schreibt.

Und wenn ihr @[hierbittedenNameneuresverhasstenTwittererseinfügen] folgt, dann seid ihr genauso [hierbittedasAdjektiveurerWahleinsetzen] wie er/sie/es.

Du folgst @[hierbittedenNameneuresverhasstenTwittererseinfügen]!!

ENTFOLGEN. BLOCKEN. TÖTEN.

Du hast mit @[hierbittedenNameneuresverhasstenTwittererseinfügen] rumgementioned!!

ENTFOLGEN. BLOCKEN. TÖTEN.

Du hast mit @[hierbittedenNameneuresverhasstenTwittererseinfügen] geschlafen, nachdem ich mit ihm/ihr geschlafen habe.

ENTFOLGEN. BLOCKEN. TÖTEN.

Du hast mit @[hierbittedenNameneuresverhasstenTwittererseinfügen] geschlafen, bevor ich mit ihm/ihr geschlafen habe.

ENTFOLGEN. BLOCKEN. TÖTEN.


Etjeaj tiff

 

Von dem MP3-Thema will ich an dieser Stelle besser gar nicht erst anfangen.

Leute.

Ernsthaft.

Ich weiß, wir sind Twitterer, und daher von Natur aus sozial irgendwie behindert und verhaltensauffällig, aber wäre es nicht schön, wenn wir zumindest so täten, als wären wir zivilisiert oder erwachsen?

Für mich ist Twitter, wie für einige andere auch, ein Medium, um sich Luft zu verschaffen, Ärger abzubauen. Aber auch um Spaß zu haben. Mich unterhalten zu lassen. Mich auszutauschen.

Und ich möchte nicht auf jeder Party, wenn ich mich mit @[hierbittedenNameneuresverhasstenTwittererseinfügen] unterhalte, fürchten müssen, nur deswegen am nächsten Tag via DM/Mention verbal zugeschissen zu werden.

Es ist nur Twitter.

Es geht nur um Nutella, Einhörner, Mett, Untervögelung und Katzen. Nicht um den Frieden im Nahen Osten.

Ihr mögt jemanden nicht? Ihr hasst jemandem?

Dann entfolgt ihn. Guckt nach vorne. Lasst es gut sein.

Und wenn ihr das nicht könnt, solltet ihr euren Psychiater mal fragen, ob er nicht eure Xanax-Dosis erhöhen kann.

Ihr habt keinen Psychiater?

Nun.

Vielleicht liegt ja dann genau da das Problem.