Montag, 2. Januar 2012

Tratschtanten

Hallo.

Dieser Post geht nicht einfach nur an die Twitterer, auch nicht nur an die Twitter-Elite oder -szene, oder wie man den Wumms nennen möchte, nein, nein, dieser Post ist ganz allein nur für eine Gruppe innerhalb dieser Gruppe innerhalb jener Gruppe. Und zwar an jene, die ihr kleines Maul nicht halten können.

Ihr erinnert euch vielleicht, ich war auf einem erzbischöflichen Mädchengymnasium. Ein Gymnasium und rund tausend Mädchen. Und das in Kombination mit einer Religion, bei der der angebetete Gott damals auf dem Berg Sinai dummerweise vergessen hat, Moses das Gebot "Du sollst nicht tratschen!" zu diktieren. Ich würde nicht sagen, dass ein erzbischöfliches Mädchengymnasium das personifizierte Böse ist, ich sage nur, dass es ein ekelerregender Moloch aus Lästereien, Tratsch und Gerüchten ist.
Und selbst Jahre später, wenn die Damen zueinander finden, wird in alphabetischer Reihenfolge die gesamte Stufe durchgekaut. Wer macht was beruflich? Oh, sie ist nur Krankenschwester geworden, obwohl sie doch Medizin studieren wollte. Wer ist Single? Sie hat aber auch arg zugenommen in den letzten Jahren, wen wundert's? Wer ist vergeben? Hast du bei Facebook mal ein Foto von ihrem Freund gesehen? OH MEIN GOTT. Und denke nicht, nur weil du mit am Tisch sitzt, wärst du außen vor, denn du kannst sicher sein, in den wenigen Minuten, in denen du auf Toilette bist, stürzen sie sich auf dein Leben, dein Gewicht, deine Kleidung, deinen Freund, als wären sie ein Rudel ausgehungerter Hyänen, denen man ein paar Leichenteile hingeworfen hat.

Zum Kotzen.

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Und ich dachte, ihr wäret anders.

Ich dachte - verrückt, ich weiß! - ihr wäret besser.

Als Twitterer in Bonn zu leben, egal wieviele Follower man hat, ist wenig dramatisch. Man twittert so vor sich hin und alles ist gut.

In Berlin jedoch hocken sie alle. In Fleisch und Blut und Schweiß. Sie hocken vor ihren iPhones, hocken im Oberholz. Und sie reden. Miteinander.

Mir war bewusst, dass sich hier meine Beziehung zu einem Teil meiner Timeline verändern würde, dass die Grenzen verwischen würden, Avatare zu Menschen werden würden, ich die Tweets bestimmter Leute zukünftig anders lesen würde.

Mir war nur nicht bewusst, wie gerne einige von euch tratschen.

Über andere Twitterer, die ihr im Grunde nur flüchtig kennt. Mit anderen Twitterern, die ihr genauso flüchtig kennt. Als wäret ihr siebzehnjährige katholische Schulmädchen mit Schleifchen im Haar, Lolli im Mund und der Wendy unter'm Arm.

Und ich habe darauf keinen Bock. Lasst mich da raus, bitte. Es gibt Teile meines Lebens, die euch nichts angehen und es geht mir wahrlich tierisch auf den Piss, dass gewisse Menschen ihr kleines Schandmaul nicht halten können und Sachen weitererzählen, die sie nicht direkt von mir haben, sondern nur gehört oder sich zusammengereimt haben und die zusammen mit den anderen zusammengereimten, den übertriebenen und den erfundenen Dingen ein munteres Potpourri an Gerüchten ergibt. Und ich höre das dann. Um zwölfzigmillionen Ecken. Und ein Teil würde gerne gewisse Sachen klarstellen, weil ich es hasse, in Schubladen gesteckt zu werden, einen Stempel aufgedrückt zu kriegen, vor allem wenn auf dem Stempel "Opfa" steht. Aber ich habe keine Lust Dinge klar zu stellen, weil, ich wiederhole mich da gerne

ES EUCH NUN MAL NICHTS ANGEHT.

Ich weiß, dass Gerüchte und Tratsch zur menschlichen Gesellschaft gehören wie Pornos und Fruchtzwerge, dass der Mensch das braucht und Gott wird sich ja auch schon was dabei gedacht haben, das Gebot "Du sollst deine Fresse halten, wenn du keine Ahnung hast." wegzulassen, gelle?!
Aber lasst mich doch da raus.

Ich weiß, euer Real Life ist begrenzt, die Möglichkeiten des Tratschens damit ebenso. Und Twitterer und Blogger, die private Sachen schreiben und auch noch in Berlin leben, sind daher als Thema gerne willkommen. Aber wenn ich über bestimmte Themen nicht twittere oder blogge, dann aus Gründen. Weil

ES EUCH NUN MAL NICHTS ANGEHT.

Also, ihr wisst, ich hab euch lieb. So generell und allgemein, aber wenn ich noch einmal mitbekomme, dass hier Scheiss über mich erzählt wird, werde ich jedem, der sich daran beteiligt, im Oberholz auflauern und ihm mit einem stumpfen Löffel die Eingeweide rauskratzen.

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Ihr wollt Tratsch?!

Holt euch ein Gala-Abo.

In diesem Sinne: XOXO

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