Sonntag, 1. Januar 2012

Sülvester

Das neue Jahr ist wenige Minuten alt.

Ganz Berlin steht auf den Straßen, glotzt in den Himmel und feuert Knallkörper im Millionenbereich gen Himmel, um sich an dem lauten Knallen und Krachen, dem Blitzen, den Farben und dem Leuchten zu erfreuen.


Ganz Berlin?

Nein.

Denn in Moabit liegen um diese Uhrzeit vier Becks-Gold-geschwängerte, Zigarren rauchende, unfassbar attraktive Gestalten auf einem Bett und gucken auf einem abartig großen Fernseher "Planet der Affen - Prevolution".

Ernsthaft, wer hat in seinem Schlafzimmer einen Fernseher? Was soll denn das? Aber die sozialen Abartigkeiten unseres Gastgebers sind unser Gewinn, und während der Rest der Meute ein Stockwerk tiefer zu Nena und anderer "Musik" ihre Körper bewegt, bis sie schließlich ebenfalls den Klängen der Straßen folgt, um im braunen Nebel, in die die Stadt nach und nach getaucht wird, schon bald zu vergessen, was sie sich erst vor wenigen Stunden für's neue Jahr vorgenommen hat, liegen wir hier oben und kichern wie infantile Zwölfjährige auf einer Pyjamaparty.

Zwischendurch halten wir inne, postulieren einstimmig, dass wir für die Affen und gegen die Menschen sind, entwerfen auf Cocktailservietten ein misanthropisches Manifest, in dem wir die Verdorbenheit unserer Spezies festhalten und geloben im selben Atemzug wieder mehr bei Peta aktiv zu sein und generell wieder extremst moralisch zu leben. Nur noch Eier von glücklichen Kühen kaufen und so was. Was man halt beschließt um Mitternacht, wenn aufgrund von Zigarrenqualm der Sauerstoff im Raum knapp wird.

Und während die Affen über San Fransisco herfallen wie die Nazis über Polen, sinnieren wir über das vergangene Jahr und beschließen munter, dass das Jahr 2011 nicht so schlecht für uns gelaufen ist, das frisch geborene, noch in Blut und Rührei-aussehende-Glibber getauchte 2012 aber dennoch noch besser werden muss.

Wir beschließen nicht mit dem Rauchen aufzuhören oder mit dem Trinken oder Feiern oder anderen Albernheiten.

Stattdessen beschließen wir lediglich mehr Freude am Leben zu haben, mehr zu lachen, mehr zu genießen und öfter "Nein." respektive "Fick dich!" zu anderen Menschen zu sagen.

Und zu guter letzt beschließen wir von nun an einmal in der Woche in den Zoo zu gehen, um im Affengehege Schoko-Cookies zu verteilen. Man weiß schließlich nie.. und wenn der Tag X kommt, will ich sicher gehen, dass ich auf der sicheren Seite bin. Egal, welche gewinnt.

In diesem Sinne: Happy New Year, ihr kleinen, liebenswerten Ficker.