Montag, 5. Dezember 2011

Privileg

Letzte Woche legte ich eine Nachtsitzung am Zeichentisch ein und aus sehr unintellektuellen Gründen dudelte die gesamte Zeit RTL.now im Hintergrund. Genauer gesagt 'Mitten im Leben'. Ich habe diese Sendung über das Leben des menschlichen Amöbentums einige Monate nicht gesehen und mir ist durchaus bewusst, dass das dramageile RTL gerne ein wenig nachhilft, um aus den gezeigten Menschen übelkeiterregende Schicksale zu machen und den Alltag im Plattenbau der Bundesrepublik in ein Elend zu verwandeln, bei deren Anblick selbst in Kartons hausende Menschen in Kalkutta das blanke Entsetzen und/oder Mitleid packt.

Mitten im leben

Sendungen dieser Art sind (natürlich!!) ein Merkmal der voyeuristischen Verdorbenheit unserer Gesellschaft. Und mit Gesellschaft meine ich den Zuschauer. Und mit Zuschauer meine ich mich. Wobei diese Sendungen im Grunde nichts anderes sind, als das neuzeitliche Pendant zum heiteren Familiennachmittag im Colosseum. Wir können uns also damit trösten, dass wir uns schon immer gerne am Leid anderer ergötzt haben.

[Mein persönlicher Tiefpunkt wurde übrigens kürzlich bei Sat1 mit der Sendung 'Schwer verliebt' erreicht, die ich dummerweise sah, als ich gerade beim Abendessen war. Fremdschämen und Ekel, das war zuviel für meine zarte Seele.]

Nun, Amoral der Fernsehsender hin oder her. Scripted Reality hin oder her. Darum geht es mir eigentlich gar nicht.

Mir geht es darum, dass Mitgefühl mit den Cindys, den Schakiras und Klaudias, den Brians, den Kevins und Marvins völlig unangebracht ist.

Niemand zwingt diese Menschen sich bei RTL etc. zu bewerben und in diesen Sendungen mitzumachen. Sie werden nicht gefoltert und zur Vertragsunterzeichnung genötigt. Man kann ihre Gründe, diese Verträge zu unterzeichnen, vielleicht nicht verstehen oder gutheißen oder was auch immer. Die eigentlichen Gründe sind aber auch piepegal. Denn unabhängig von der dazugehörigen Erklärung, die Entscheidung bleibt so oder so eine unfassbar dumme.

Jetzt kann man freilich sagen, ihnen fehlt die geistige Voraussetzung, um abschätzen zu können, was sie da machen. Als wäre Dummheit eine Art von geistiger Behinderung. Solange aber Dummheit in der ICD-10 nicht als Krankheit oder ähnliches gelistet ist und anhand der Tatsache, dass in diesem Fall diese Menschen gar keine Verträge unterzeichnen dürften, sehe ich Dummheit als etwas selbst verschuldetes an.

Jeder, der die Grundschule besucht hat, und anschließend über die sagenumwobene Fähigkeit des Lesens verfügt, hat keine Entschuldigung für mangelndes Wissen. Denn, wenn er Dinge nicht weiß, dann nicht, weil er sie nicht wissen kann, sondern weil er, aus welchen Gründen auch immer, sich zu irgendeinem Zeitpunkt seines Lebens dazu entschlossen hat, nicht wissen zu wollen. Je früher dieser Zeitpunkt im Leben liegt, desto höher die Dummheit.

Natürlich kann man nun Faktoren wie Schulbildung nennen, familiäre Vorgeschichte, persönliches Umfeld etc. etc. etc.

Kann man.

Man kann dieselben Faktoren übrigens auch nennen, um zu erklären, warum Rudolf Höß der wurde, der er nun mal wurde.

So etwas erklärt vielleicht, warum jemand dieses tut und jenes lässt.

Aber das entschuldigt es nicht.

Und dieser kleine, feine Unterschied scheint manch einem ja bis heute enorme Probleme zu bereiten.
Jetzt ist Dummheit per se natürlich nicht strafbar und für Außenstehende erstmal nur anstrengend und hin und wieder unterhaltsam. Was mich jedoch beunruhigt, ist das Wissen, dass diese Menschen wählen dürfen.

Security dude

Demokratie, so in der Theorie, ist ja eine dufte Sache. Aber halt auch nur in der Theorie. Die Herrschaft des Volkes stellt recht fix ein Problem dar, wenn das Volk den Intellekt eines zugekoksten Goldhamsters hat. Was bekannterweise seit rund 3.000 Jahren der Fall ist (s.o.).

Jeder, der nun ein wenig Ahnung von Geschichte hat, weiß vielleicht, dass früher, in der guten, alten Antike, der Gedanke, dass alle Menschen gleich seien und dementsprechend die selben Rechte hätten, nur Gelächter auslöste.

Menschenwürde war eine Auszeichnung und nur ein bestimmter Personenkreis hatte das Privileg an der Politik teilzuhaben. Was wir heute als Rechte verteilen, als wäre es Gratiskonfekt, war damals ein Privileg. Und das sollte es wieder sein.

Um mich verständlich auszudrücken, diesen ganzen Wumms an Rechten bezüglich Meinungsfreiheit etc. können'se gerne alle behalten, ich rede hier nur davon, dass das Recht an politischer Beteiligung kein Recht, sondern ein Privileg sein sollte.

Nun.

Wie soll man entscheiden, wer wählen darf? Bzw. wer soll das entscheiden? Da liegt der Hase im Pfeffer begraben, was?!

Für den Anfang bin ich schon mal dafür alle Menschen, die sich bei Sendungen wie 'Mitten im Leben', 'Frauentausch', 'Schwiegertochter gesucht' bewerben, sowohl vom aktiven als auch passiven Wahlrecht auszuschließen.

Ferner alle Menschen, die weiße Stiefel tragen.

Männer mit Dauerwelle und/oder Gürteltasche.

Daniela Katzenberger.

Menschen, die meinen Club Mate würde gut schmecken.

Für weitere Vorschläge bin ich natürlich offen, die Liste kann bis in die Unendlichkeit erweitert werden. Wichtig natürlich ist, dass die Vorschläge genauso fundiert sind, wie die von mir genannten Beispiele.

Wir wollen ja schließlich sachlich bleiben hier.

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