Donnerstag, 15. Dezember 2011

Gute Nacht!

Es ist halb zwölf. Nachts. Ich habe vor wenigen Minuten die Tür hinter mir geschlossen. Erneut habe ich zwei Stunden gebraucht, um mich bis in diese kleindeutsche Exklave der Stadt Berlin durchzuschlagen. Zombiesk sitze ich blinzelnd am Schreibtisch, starre auf die Uhr, die mir drohend verkündet, dass ich noch etwa 25 Minuten für diesen Post habe. Ich habe keine Kraft zum gleichzeitigen Denken und Tippen, denn ich brauche meine ganze Energie, um meinen Schädel daran zu hindern, mit ganz viel Kawumms auf die Tastatur zu knallen. Es ist schließlich eine weiße Apple Tastatur und ich bin recht sicher, dass ich das Blut und die Gehirnbrösel nur schwer wieder aus den Tastaturzwischenräumen popeln kann. Und dazu habe ich aktuell wirklich keinen Nerv.

Ich mache mir einen großen Becher heißen Kakao mit Sahne und einem Schuss Amarula, okay, eigentlich ist es der Putzeimer aus der Küche, in den ich zwei Flaschen Amarula, eine Dose Sprühsahne und einen Schuss heißen Kakao gegossen habe, aber wer will um diese Uhrzeit denn kleinlich sein? Doch weder der "Kakao" noch eine aktuelle Folge "Mitten im Leben" aus der RTL-Mediathek schafft es meinen übernächtigten Geist zu erwecken.

Noch zwanzig Minuten bis Mitternacht. Irgendjemand aus dem intellektuellen Prekariat möchte bei "Mitten im Leben" unbedingt schwanger werden und Sinn und Zweck der natürlichen Selektion erneut ad absurdum führen. In sechs Stunden klingelt der Wecker, da ich zum Jobcenter fahren muss, um dort auf weitere Auslaufmodelle der Evolution zu stoßen. Das inkludiert auch die dort arbeitenden Menschen. Schon jetzt sprengt meine Vorfreude jegliche bekannten Maßstäbe.

Noch fünfzehn Minuten und ich frage mich, was ich hier eigentlich mache. Andererseits frage ich mich das fast jedes Mal, wenn ich einen Blogpost schreibe, daher verzichte ich an dieser Stelle auf den Versuch diese höchst komplexe Frage zu beantworten.

Noch zehn Minuten und ich verabschiede mich nun von Ihnen. Doch seien Sie bitte nicht enttäuscht, denn wenn ich morgen wieder bei Verstand bin, bzw. bei dem, was nach heute Abend noch davon übrig ist, werde ich Ihnen berichten, was es mit diesem Foto auf sich hat:

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Nicht, dass Sie das für die gerade erlittene Enttäuschung entschädigen wird, aber seien wir ehrlich, selbst wenn ich gerade nicht nur der Schatten meiner selbst wäre, wäre mir Ihr Gemützustand herzhaft egal.

Dennoch wünsche ich Ihnen eine gute Nacht. Schlafen Sie gut und machen Sie sich keine Sorgen um mich. Ich werde überleben. Danke für Ihre ernsthaft geheuchelte Aufmerksamkeit und Anteilnahme.