Mittwoch, 2. November 2011

Was macht mich zum perfekten Arbeitslosen?!

Wie jeder weiß, sind im Oktober die Arbeitslosenzahlen weiter zurück gegangen. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, um 0,0000000008317% oder so. Auf jeden Fall eine immens hohe Zahl, weswegen man zu Recht schier aus dem Häuschen sein kann.

Nun ist es aber so: Ich bin arbeitslos. Seit gestern. Das kam jetzt nicht wirklich überraschend. Dass der Tag kommen würde, wussten alle, als ich verkündete, ich würde Geisteswissenschaften studieren. Die Studienrichtung mit der du alles machen kannst. Bzw. nichts.

Seit gestern bin ich ein offizielles Nümmerchen in der Arbeitslosenstatistik. Und was die anderen Nümmerchen angeht, die gestern im Jobcenter Köpenick so vor sich hintrollten, gehöre ich wohl zu einer besonders seltenen Minorität, deren Hose nicht aus leicht entflammbaren Materialien besteht und die außerdem über eine funktionierende Dusche zuhause verfügt.

Vermutlich ist mein durch Bonn herangezüchteter Sinn für Ästhetik dann auch der Grund, warum noch niemand von Mitten im Leben an mich heran getreten ist. Vielleicht sprechen sie die Leute auch gar nicht direkt an, sondern legen Fährten aus Flips, die in irgendwelche Besenkammern oder zum Wasserspender in der Ecke führen, wo man ihnen eine lächerlich kleine Summe für Ihre ohnehin nur rudimentär vorhandene Menschenwürde bietet.

Ich meine das gar nicht abwertend. Meine Würde hat in den letzten 24 Stunden vermutlich mindestens 13% ihres ursprünglichen Wertes eingebüßt.. Noch ein paar Wochen und sie ist nicht mehr wert als ein angetrockneter Kaugummi unter der Schuhsohle, bei der man sich fragt, was das mal ursprünglich war.

Wie auch immer.

Jetzt bin ich halt arbeitslos. Und ich muss mich mit dem komplizierten sozialen Geflecht auseinandersetzen, das damit zusammenhängt.

Was gehört dazu, arbeitslos zu sein? Was macht mich zu dem perfekten Arbeitslosen? Welche Klischees muss ich erfüllen?

Über die akute Problematik der Kleidung habe ich schon gesprochen. Über 80% des Inhalts meines Kleiderschranks ist schlicht und einfach unpassend. Die restlichen 20%, die aus Jogginghosen, Hoodies und ähnlichem bestehen, sind zumindest ein Anfang. Wobei ich sie vermutlich erst mal zwei Wochen am Stück tragen muss, damit sie diesen besonderen Look bekommen. Der Körper produziert bekannterweise ja nur eine bestimmte Menge an Talg und Schweiß pro Tag.

Aber reicht das? Nein. Natürlich nicht.

Ich darf mir natürlich auch nicht so oft wie bisher die Haare waschen. Oder ich wasche mir weiterhin regelmäßig die Haare und beträufle sie anschließend mit ein wenig Olivenöl.

Natürlich muss ich auch, um das Bild zu bedienen, dass man von Arbeitslosen so hat, meine Ernährung umstellen müssen. Kein Gemüse oder Obst, keine Pastagerichte mit King Prawns, kein Himbeertiramisu, keine Ebi Maki.

Nein, von nun an Schokolade, Flips, Cola zum Frühstück, Fritten und ein halbes Schwein zum Mittagessen, nachmittags statt Tee drei Sixpack Bier und abends dann alles, was man tagsüber gegessen hat, noch einmal in einer Aufflaufform mit 27kg Käse überbacken.

Von dem Tagesablauf, der mich nun erwartet, will ich gar nicht erst anfangen: Aufstehen nicht vor zwei, stundenlanges fernsehen, vermutlich werde ich mir irgendwelche Internetcomputerrollenspiele kaufen müssen und stundenlang zombiesk afghanischen Terroristen die Rübe wegballern müssen, rauchen ist erwünscht, lesen hingegen natürlich verboten, denken ohnehin.

Ich werde innerhalb eines Jahres unfassbar fett werden und meine neue Leibesfülle mit einer schlechten, in Haarspray ertränkten Dauerwelle in einem künstlichen Farbton kombinieren. "Uringelb" wäre da eine Option. Möchte mich da aber jetzt noch nicht festlegen. Mit diesem neu gepimpten Körper werde ich dann mit meinem Rottweiler Daisy durch Marzahn flanieren, wo ich selbstverständlich sehr bald hinziehen muss.

Da mein IQ durch diese Lebensweise pro Woche um geschätzte 16% sinken wird, werden die vom Jobcenter verlangten drei Bewerbungsschreiben pro Woche auch innerhalb kürzester Zeit so voller Rechtschreib- und Grammatikfehler sein, dass meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt bis Ende des Jahres gen Null tendieren werden.

Und ehe ich mich versehe, werden über mich Dokumentationen gedreht und ich werde Gast bei Maischberger und Kerner werden, so wie mein großes Vorbild Arno Dübel.

Arno Dübel1

Na ja, dann hätte ich am Ende vielleicht doch zumindest irgendetwas erreicht.

Und nun entschuldigt mich bitte, ich habe hier ein paar Timberlands, die ich irgendwo gegen ein paar fancy goldene Sneaker tauschen muss.

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