Mittwoch, 23. November 2011

Mimimi

Es ist ja nicht so, als wenn ich es nicht gewusst hätte. Es ist nur so, dass ich dachte, es würde nicht so tragisch werden.

Jedes Mal, wenn mich Freunde das allererste Mal in meiner Wohnung in Köpenick besuchen, kommen sie schnaufend die fünf Stockwerke hochgetrabt und sagen unbeschreiblich witzige Sätze wie "Claudia, wo sind wir hier?" oder "Ist das noch Berlin?"

"Ha, ha, ha!" denke ich dann stets mit einem stalinistischen Lächeln auf den Lippen "Halt die Fresse."

Bei Witzen über Köpenick ist es wie mit Witzen über Fette. Du machst besser nur dann einen Witz darüber, wenn du selbst betroffen bist oder wenn der Betroffene es nicht hören kann.

Ich darf mich über Köpenick lustig machen. Darüber, dass der Bezirk vermutlich 1753 von der Arischen Bruderschaft gegründet wurde. Darüber, dass man schneller nach Warschau als nach Berlin-Mitte kommt. Darüber, dass es hier keinen Starbucks gibt und die Menschen auch nicht wissen, was das ist. Darüber, dass die Menschen hier aussehen, als kämen sie von einem Schaulaufen von Mitten im Leben. Darüber, dass die größte, jährliche Herausforderung der hiesigen Polizei die Entsorgung des gestrig aufgefunden Katzenkadavers ist.

Ich darf das.

Als ich Ende August hier hingezogen und in mein kleines Palais nahe der Altstadt eingezogen bin, wusste, dass ich eine Stunde brauche, um an jeden anderen Ort der Stadt zu kommen. Egal, ob zum Mauerpark im Norden oder zum IKEA im Nachbarbezirk - die BVG braucht immer (!) eine Stunde, um mein Popöchen von A nach B zu bugsieren. Und ich sagte mir "Gut möglich, dass mir die Fahrerei früher oder später auf den Sack gehen wird, aber erst mal habe ich eine feine Wohnung gefunden und umziehen innerhalb Berlins kann ich ja dann immer noch."

Ahahahaha.

Manchmal denke und sage ich wahrlich spaßige Dinge.

Denn ich habe eine Kleinigkeit vergessen.

Diese Kleinigkeit ist der Berliner Winter.

Der Berliner Winter ist aktuell noch nicht richtig da. Er hat nur schon mal das Höschen runtergelassen und zeigt mir einen kleinen, netten, eisigen Vorgeschmack auf das, was die nächsten Monate so auf mich zukommt. Und da kommen wir zu dem Problem, dass sich mir seit gestern im Zeitraum von 16 bis 19h in seiner vollen Pracht darbot.

Denn, ich hatte die glorreiche Idee zu Ikea nach Lichtenberg zu fahren, um etwas zurückzubringen (weil ich ja jetzt arm bin und das Umtauschrecht nicht verfallen lassen wollte). Ich brauchte eine Stunde hin (stets in Trams, die nicht beheizt waren!!), musste zweimal umsteigen, dabei stets zehn Minuten warten, und anschließend nochmal zehn Minuten laufen. Die Rückfahrt gestaltete sich etwas länger, da der Milchkuhf***enlecker von Busfahrer (Ja, ich habe am Montag Departed gesehen und ich brauche noch ein paar Tage, bis sich mein Fluchwortschatz wieder normalisiert hat) lieber noch fünfzehn Minuten lang alleine sein verficktes Käsebrot essen und mich nicht reinlassen wollte. Als ich schließlich wieder zuhause war, hatte ich nur noch ein Bein und an meiner linken Hand fehlten zwei Finger.

STALINGRAD WAR ANGENEHMER!!

Der Punkt, an dem ich das erste Mal bereut habe, so ungeduldig gewesen und nach Köpenick gezogen zu sein, er war gestern, um genau 18.03 Uhr.

Das ging dann doch schneller, als erwartet.

Jetzt gerade, ich meine, in dieser Sekunde, in der ich meinen ausgekühlten, entkräfteten Körper mit geschätzten 2l heißem Kakao, in dem sich geschätzte 6l Baileys befinden, wieder auf Normaltemperatur zu bringen versuche, weiß ich beim besten Willen nicht, wie ich diesen Winter hier überstehen soll. Ein Winter, der noch nicht mal wirklich angefangen hat. Ein Winter, den ich nicht außerhalb dieser vier Wände verbringen möchte, da mir, allein bei dem Gedanken daran, spontan noch weitere Körperteile abfrieren.

Es sei denn, ich würde mir einen musuc'bag kaufen.

Yellow Women Happy


Dann, aber auch nur dann, verlasse ich diese Wohnung vor Juni vielleicht nochmal. Da mir dies jedoch unwahrscheinlich erscheint, habe ich eine Bitte: Vergesst mich in der Zwischenzeit nicht. Und wenn ich "Bitte vergesst mich nicht!" sage, dann meine ich "Bitte bringt mir in regelmäßigen Abständen Milch, Kakaopulver und Baileys vorbei."

Danke.

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