Freitag, 25. November 2011

Das NÜDTSK-Syndrom

Mit manchen Menschen sollte man sich einfach nicht über bestimmte Themen unterhalten. Manche Menschen sind einfach nicht fähig, sich diesen oder jenen Themen zu öffnen. Sie zu verstehen. Oder auch nur zu buchstabieren.

Dabei spielt es keine Rolle, ob man dumm ist. Oder ungebildet. Oder eben nicht.

In dem Fall, von dem ich hier spreche, handelt es sich um junge Frau mit einem sehr guten Abitur, einem noch exzellenteren Universitätsabschluss in BWL (in Rekordzeit), die nun sehr erfolgreich und geschäftstüchtig als Kauffraudings arbeitet. Sie stammt aus einer gutbürgerlichen Familie, in der Bildung immer hochgehalten wurde, in der nicht nur während und nach des Mittagessens oft stundenlang wilde, hitzige Diskussionen über Geschichte, Politik und Religion geführt wurden.

In ihrem Fall spräche man eigentlich von einer intelligenten, gebildeten jungen Frau.

Spräche.

Konjunktiv!

Denn es gibt da so eine kleine Sache namens Ignoranz, die kein IQ der Welt, kein Studium, hinfortwischen kann.

Ich glaube inzwischen, bei Ignoranz handelt es sich um eine psychische Krankheit, bei der man nur schwer sagen kann, ob sie nun angeboren oder anerzogen ist. Oder beides.

Dass die Ignorante Persönlichkeitsstörung noch nicht anerkannt wurde, halte ich hierbei für einen großen Fehler seitens der Medizin. Eine Aufnahme in der ICD 10 in der Rubrik Sonstige spezifische Persönlichkeitsstörungen wäre wohl das Mindeste.

Menschen mit einer Ignoranten Persönlichkeitssstörung (IPS) leiden meistens unter dem Nicht-Über-Den-Tellerrand-Sehen-Können-Syndrom oder auch einfach NÜDTSK-Syndrom.

Experimente im 19. Jahrhundert, bei denen versucht wurde, den Betroffenen mit exzessiver Schulbildung zu helfen, schlugen völlig fehl, da die Patienten trotz gesteigertem Wissen weiterhin unter demselben Grad an Ignoranz litten, was zu der heute weit verbreiteten These führte, dass die IPS ähnlich wie Bipolare Störungen oder Schizophrenie genetisch bedingt sein könnte.

Die Russen führten übrigens in den 1940er Jahren Experimente zur Wechselwirkung von IPS und Alkohol durch, bei denen sie bewiesen, dass einem die Existenz von Menschen mit IPS egal wird, wenn man nur genug Wodka getrunken hat.

Da jemand, der an IPS leidet, ironischerweise nunmal nicht leidet, sondern seine Existenz eigentlich ganz knorke findet, sind vor allem im privaten Umfeld die Leidtragenden zu suchen, da sie diejenigen sind, die mit der betroffenen Person reden müssen.

Eine englische Studie von 1978 hat ergeben, dass 50% aller Suchtkranken weltweit nur zu Drogen gegriffen haben, weil sie einen IPS-Kranken in ihrem direktem Umfeld hatten und ihr Leben nicht mehr anders ertragen konnten.

Ihnen kommt das Beschriebene seltsam bekannt vor?

Sie öffnen gerade die dritte Flasche Wein?

Sie wollen Klarheit?

Nach Freud müssen mindestens fünf der folgenden Kriterien erfüllt werden, damit eine Diagnose gewährleistet sein kann:

Die betroffene Person..

1. zeigt einen Mangel an Empathie: ist nicht bereit, die Gefühle oder Bedürfnisse anderer zu erkennen / anzuerkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren ("S'ils n'ont pas de pain, qu'ils mangent de la brioche.").

2. zeigt ständige Selbstbezogenheit, besonders in Verbindung mit starker Überheblichkeit ("Ist das etwa Kunstleder?!")

3. zeigt emotionale Kühle, Distanziertheit oder einen abgeflachten Affekt (Bsp. lacht bei keiner einzigen Folge von The Big Bang Theory laut..)

4. zeigt mangelndes Schulderleben und Unfähigkeit zum sozialen Lernen.

5. zeigt übermäßige Beschäftigung damit, äußerlich attraktiv zu erscheinen.

6. Fehlende Reue, die sich in Gleichgültigkeit oder Rationalisierungen äußert ("Wenn ich den Obdachlosen nicht überfahren hätte, hätte das den Hunger in Afrika auch nicht gestillt!").

7. Seltsame Denk- und Sprechweise (benutzt z.B. wahllos Begriffe wie zoon politikon..)

8. hat zwar den Podcast der ZEIT im Abo, weiß aber deswegen vom Weltgeschehen soviel wie ein Nacktmull, bei dem eine Lobotomie vorgenommen wurde.

9. sagt Sätze wie "Das kann ich mir nicht vorstellen!!" mind. einmal am Tag und dies stets im hitleresken Tonfall.

10. versteht den Satz "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten." nicht mal ansatzweise.

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Falls Sie, wie ich, jemanden in Ihrem privaten Umfeld haben, bei dem Sie den Verdacht haben, er könnte an der Ignoranten Persönlichkeitsstörung leiden, vermeiden Sie bitte eine direkte Konfrontation, da die Betroffenen zu ignorant sind, als ihren Zustand richtig einschätzen, geschweige denn akzeptieren zu können - Daher handelt es sich bei der IPS auch bei der weltweit einzigen psychischen Erkrankung, bei der weder eine Therapie, noch ein Haufen bunter Pillen auch nur ansatzweise für den Betroffenen Linderung verschaffen kann.

Stattdessen machen Sie bitte Folgendes:

1.) Besuchen Sie die Person. (Beliebte Vorwände sind, sich den neuen Mercedes ansehen oder über private Krankenversicherungen reden zu wollen etc.)

2.) Warten Sie, bis die Person auf Toilette oder in der Küche, also im anderen Flügel des Hauses, ist.

3.) Nehmen Sie das iPhone 4s der Person und löschen Ihre Nummer und alle weiteren Kontaktdaten. Dasselbe gilt für eventuelle analoge Adressbücher etc.

4.) Kontaktieren Sie anschließend alle gemeinsamen Freunde, Bekannte oder Verwandte und briefen Sie sie, dass sie bei entsprechender Nachfrage Ihre Kontaktdaten nicht herausgeben und Ihre Existenz negieren soll. Gewaltandrohungen bei etwaigem Zuwiderhandeln ist explizit erwünscht.

5.) Packen Sie eine Tasche mit den wichtigsten Dingen.

6.) Fackeln Sie Ihr Haus bzw. Ihre Wohnung ab (Wahlweise können Sie auch Ihr Auto im Fluss versenken, einen Klon züchten, den ermorden und im Wald verscharren - Ihrer Fantasie sind in diesem Punkt keine Grenzen gesetzt).

7.) Rufen Sie ein Taxi und fahren Sie zum Flughafen.

8.) Schalten Sie noch vom Taxi aus eine Todesanzeige in der ZEIT oder einer entsprechenden Zeitung, von der Sie wissen, dass die Person sie "liest".

9.) Drehen Sie sich im Flughafenterminal so lange, bis Sie kotzen müssen. An dem Schalter, an dem Sie sich schließlich erbrechen müssen, kaufen Sie ein Ticket.

10.) Fliegen Sie und kehren Sie niemals wieder.

11.) Niemals.

 

Zu extrem? Sie meinen, ich reagiere über?

Nun.

Lassen Sie mich Ihnen eines sagen:

SIE MUSSTEN JA AUCH HEUTE KEIN STUNDENLANGES TELEFONAT MIT JEMANDEM FÜHREN, DER AN DER IPS LEIDET UND DEM SIE VERSUCHT HABEN ZUM ZEHNTAUSENDSTEN MAL KLAR ZU MACHEN, DASS WEDER EIN 08/15-BÜROJOB NOCH "DEN MANN FÜR'S LEBEN ZU FINDEN" EIN FÜR MICH ENTSPRECHENDES, ÜBERGEORDNETES ZIEL IM LEBEN DARSTELLT.

Und nun entschuldigen Sie mich bitte, das Boarding für meinen Flug nach Tiflis beginnt in zehn Minuten.