Dienstag, 18. Oktober 2011

Schluss mit lustig

Humor ist so eine Sache. Ich mag Humor. Ich lache gerne. Ich bringe andere gerne zum Lachen. In dem kleinen schwarzen Buch meiner damaligen Internatsaufpasserin (keine Ahnung, wie die offizielle Berufsbezeichnung ist, RTL wüsste da sicher Rat..), in das ich rein zufällig einen Blick werfen konnte, als sie Pipi machen war, stand bei meinem Namen, neben anderen Anmerkungen, die an dieser Stelle keinen interessieren, eine kleine Notiz: "Klassenclown". Damals fand ich das unerhört. Fast beleidigend. Heute nicht mehr. Bin schließlich nicht ohne Grund bei Twitter. Ich behaupte, ein Tag ohne "Hast du mich gerade fett genannt?" ist ein vergeudeter Tag.

Hin und wieder jedoch wirft sich ein kleiner Schatten auf meine Timeline. Und zwar immer dann, wenn Humor so richtig mit Anlauf und Schmackes in die Pietätsschublade rotzt. Political correctness, denken sich da manche, ist doch eh' was für schwule Cowboys, die nachts mit ihrem Pferd kuscheln.

Ihr wisst doch alle, wovon ich rede, oder?!

Kaum war Loriot gestorben und die ersten Und Mario Barth lebt immer noch aus dem virtuellen Güllefass gekrochen, schon motzten einige über unangebrachte Bemerkungen, schließlich mache man darüber doch keine Witze!

Orrrr, das war doch ironisch!

Oder der ein oder andere erinnert sich vielleicht noch daran, als vor etwa einem Jahr jemand mehr oder weniger live in der Timeline versuchte sich umzubringen?! Der eine nahm das ernst, der andere war genervt und schoss mit überspitzten Tweets um sich.

Ich buchstabiere es gerne: Z-Ü-N-I-Z-M-U-S!!

Jeder geht mit solchen Situationen nun mal anders um. Und ich selbst, ich halte mich mit sowas in der Regel zurück, hatte aber selbst einmal den Fall, dass ich vermeintlich zum Genozid an Rentnern in Hörsälen aufgerufen hatte und dafür virtuell gesteinigt wurde. Von einem Rentner. Ironischerweise.

Verstehst du keinen Sarkasmus, du Ficker?!

Humor ist ein zweischneidiges Schwert und ich gehöre zu denen, die zwar nicht jeden Witz erzählen, aber über fast alle lachen.

Ich fand es daher auch immer völlig überflüssig, sich künstlich aufzublasen, im Internet laut rumzumotzen, mit Entfolgung zu drohen, ganze Foren verbal zusammenzuscheissen oder mit einer unappetitlichen Mischung aus Entrüstung und Heiligenschein einen Blogkommentar nach dem anderen in die virtuelle Welt zu rülpsen.

Ich handhabe es stets so: Wenn mir etwas nicht zusagt, ich es nicht lustig finde, ich diese Art von Humor nicht teile, herrje, dann lese ich es nicht. Dann lese ich den entsprechenden Blog nicht, folge nicht dem entsprechenden Twitterer. Very simple. Ich muss nicht erst noch halbnackt mit einem Schild durch die Straßen laufen und schreien, wie unlustig und scheisse ich das fand.

Aber jeder Jeck ist nun mal anders. Und wenn ich Akzeptanz für Menschen mit grenzenlosem Humor fordere, dann muss ich auch gewillt sein, jene zu respektieren, die nicht jenseits ihrer eigenen Grenzen lachen wollen oder können.

Und dass ich selbst doch auch Grenzen habe, musste ich letzte Woche erkennen, als ich bei Tumblr das hier fand und bei mir der Spaß schlagartig aufhörte:

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So hat der Humor eines Jeden irgendwo seine Grenzen. Doch das Wichtige ist nicht nur die Grenzen des anderen zu respektieren, sondern auch dass man sich selbst bewusst wird, dass ein unbedarfter Witz, eine flapsige Bemerkung, die Sucht nach dem schnellen Fav, nicht immer etwas über den Menschen dahinter aussagt. Nur weil ich dauernd drohe @t_al unbeschreibliche Schmerzen zuzufügen, heisst das nicht, dass ich das machen werde.

Es heisst auch nicht, dass ich das lasse, es heisst nur: Ihr wisst es nicht, denn ihr kennt mich nicht. Nicht wirklich.

Wir haben das Recht etwas unwitzig zu finden. Unangebracht. Geschmacklos. Niemand kann es uns dieses Recht nehmen. Niemand will uns dieses Recht nehmen.

Aber wir haben auch nicht das Recht anderen zu sagen, welche Witze sie reißen dürfen.

Denn wenn jemand einen Witz über eine scheinbar geschmacklose Sache macht, über Hitler, über den Tod, Selbstmord, den 11. September und und und, dann vielleicht manchmal nur, weil das seine Art ist mit einem Thema, das viel zu groß ist, viel zu ernst, viel zu angsteinflößend ist, umzugehen.

Oder, wie der Mann meiner Late-Night-Träume einmal sagte:

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