Samstag, 8. Oktober 2011

Hitparade am Arsch!

Eine Woche Nanny-Dasein hat ihr Ende gefunden. Nie habe ich einen Feierabend mehr herbeigesehnt, nie ein Wochenende, nie irgendwelche Fleischermesser, die rein zufällig auf dem Küchenboden lagen, so dass ich rein zufällig ausrutschen und rein zufällig reinfallen könnte.

Mir wurde in der Schule stets erzählt, Babies bekäme man, indem zwei Menschen Sex haben. Nun, offenbar nicht miteinander, denn ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass mindestens einer der Teilnehmer des besagten Sexes Satan sein muss.

Ich sehe auch weiterhin keinerlei Vorteile darin ein Kind zu haben. Dieses hier ist zweieinhalb. Ein Hund in diesem Alter wäre inzwischen stubenrein und würde auf mehr Kommandos hören. Streicht das mehr, denn der Krümel hört schließlich auf gar kein Kommando. Außerdem guckt niemand komisch, wenn man den Hund an einem Brustgeschirr Gassi führt. Das Konzept Kinder haben ist also immer noch ein großes Rätsel für mich.

Gestern musste ich mit dem Krümel das hier hören und es gab Sekunden beim Hören dieses Chart-Stürmers, in denen ich mir einen schnellen und dafür auch gerne schmerzvollen Tod gewünscht habe. Hauptsache: Tot. Okay, taub wäre auch noch eine Option gewesen.. Auf alle Fälle wäre eines von beiden sehr wünschenswert gewesen.

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Nun, wie auch immer. Weder starb ich, noch wurde ich taub. Und so kam ich nach (in meinem Alter kann ich das ja sagen) einigen Jahrzehnten wieder in den Genuss von Fuchs, du hast die Gans gestohlen.

Hat sich einer von euch als Erwachsener dieses Lied noch einmal angehört? Und ich meine als Nicht-Eltern-Sein-Erwachsener. Die gelten nämlich nicht. Die sind bekifft von Babypuder, ihre Sinne von vollgeschissenen Windeln und genetisch geänderten Mango-Apfel-Brei-Gedöns geschwächt..

Daher: Widmen wir uns doch kurz besagtem Lied und dem Text:

Fuchs, du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her, gib sie wieder her!

Wir erfahren, dass ein  Raubtier, das Gott in all seiner Weisheit als Nicht-Vegetarier auf diesen Planeten gesandt hat (im Folgenden der Fuchs genannt), einen Vogel entwendet hat. Weder erfahren wir die genauen Motive des Fuchses (möchte er die Gans fressen, sie ficken oder nur einfach kuscheln?), noch von wo oder von wem der Fuchs besagten Vogel gestohlen haben soll. Auch erfahren wir nicht, wer hier die Rückgabe fordert. Der eigentliche Besitzer? Barbara Salesch? Von Anfang ist der Text schwammig und äußerst unbefriedigend.

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Sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr! Sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr!

Statt eines diplomatischen Vorgehens wird nun mit Waffengewalt gedroht und ich muss mich doch fragen, welche Botschaft damit den Kindern mitgeteilt wird. Wir können ein vergleichbares rückständiges Drohverhalten bei der Außenpolitik der USA doch nicht verurteilen und anschließend unseren Kindern diese Zeilen vorträllern!

Außerdem bleibt die Frage: Woher wissen wir, dass der Fuchs die Gans gestohlen hat? Gab es Augenzeugen? DNA-Spuren? Gilt In Dubio Pro Reo in der spaßigen Welt der Kinder nicht? Gilt hier allein der Leitsatz Auf die Fresse?

Seine große, lange Flinte schießt auf dich das Schrot, schießt auf dich das Schrot..

Abgesehen von der Androhung von Gewalt, beunruhigt mich an dieser Stelle ebenso der unterschwellige sexuelle Inhalt..

..dass dich färbt die rote Tinte und dann bist du tot, dass dich färbt die rote Tinte und dann bist du tot.

Also sehe ich das richtig: Bei jedem Film oder jedem Videospiel für Jugendliche, in dem Titten oder Blut zu sehen sind, macht sich die Regierung ins Hemd, aber ein Kleinkind derlei blutiges vorzusingen, am Besten noch Abends, kurz vor'm Schlafengehen, bevor es stundenlang alleine in einem dunklen Raum liegen muss, das ist okay? Da kann man mit dem Krümel doch auch direkt The Hills Have Eyes zusammen gucken. Mich würde ja mal interessieren, wer sich bisher die Mühe gemacht hat, zu untersuchen, ob den ganzen Amokläufern der letzten Jahre DIESES Lied als Kleinkind vorgesunden wurde!!

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Aber die letzte Strophe:

Liebes Füchslein, lass dir raten, sei doch nur kein Dieb, sei doch nur kein Dieb!

die auf den ersten Blick doch noch den Eindruck erwecken mag, dass man hier gerade noch die moralische Kurve gekriegt hat, erweist sich schlussendlich doch als die bitterste von allen Strophen:

Nimm, du brauchst nicht Gänsebraten, mit der Maus vorlieb, nimm, du brauchst nicht Gänsebraten, mit der Maus vorlieb!

Denn gerade in der Sekunde, in der wir denken könnten, dass die Moral von der Geschichte Du sollst nicht stehlen ist, wird noch einmal nachgesetzt mit dieser geschmacklosen, rassistischen .. Rassistischen? Natürlich rassistischen!! Denn was anderes soll es heißen, wenn dem Fuchs gesagt wird, dass es falsch ist eine Gans zu töten, aber eine Maus niederzumeucheln ist völlig in Ordnung? Ist die hübsche weiße Gans wertvoller, als die gräulich-schmutzige Maus? Ist die Gans der Arier der Tierwelt, das wertvollste, was die Fauna dieses Planeten zu bieten kann und was zur Hölle rede ich da und wieso hält mich niemand auf?!

Die gesellschaftliche Isolation, bis zu 12 Stunden am Stück nur allein mit einer Zweieinhalbjährigen, der betörend-betäubende Geruch von Penatencreme, der wie Opium überall in der Luft hängt und ein Marathon von Barbapappa-Filmen, haben mich an diesen Punkt getrieben.

Ich sehe daher den folgenden, verbleibenden drei Wochen mit latenter Beunruhigung entgegen….. Mein geistiger Verfall ist quasi vorgeschrieben.