Sonntag, 23. Oktober 2011

A day in Glasgow

Auf der Tumblr-Liste steht neben vielen weiteren, unfassbar langweiligen Themen, dass man aufschreiben soll, was man einen ganzen lieben Tag gemacht hat. Okay.

A day in Glasgow

9.03h Nach einer halb durchzechten Nacht erhebe ich mich, mehr tot als lebendig von diesem Foltergerät, das sich Bett schimpft, und das mir nun seit mehreren Wochen durch seine 5.927 Sprungfedern pro cm jede Nacht tausende blaue Flecken verpasst, und schmeisse wahllos Dinge in meinen Rucksack für den geplanten Trip nach Glasgow.

10.28h Ich verlasse das Haus Richtung Edinburgh Waverly, nicht ohne mir zwischendurch an jeder Starbucks Filiale einen Venti Cafe Latte zu holen, den ich mir mit meinem To-Go-Spritzbesteck jeweils einfach intravenös zuführe.

11.01h Sitze völlig überzuckert und high vom Koffein im Zug Richtung Glasgow. Ein kleiner untersetzter Schotte zieht ein Wägelchen durch die Gänge und verkauft Kaffee und Kuchen. Kaufe sechs Thermoskannen Kaffee, von denen ich hoffe, dass sie für die Fahrt reichen.

11.15h Der Monsieur steigt in Haymarket dazu und will direkt was von meinem Kaffee abhaben. Schreie ihn an, er soll sich selbst seinen scheiss Stoff besorgen, ich wäre schließlich nicht Jesus.

11.50h Ankunft in Glasgow. Wir tauschen stumme Blicke aus, die signalisieren "Na, schön ist anders." Die Berliner kennen diesen Gesichtsausdruck, die Touristen dort machen schließlich denselben.

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12.32h Wir gehen in die Gallery of Modern Art und betrachten Kunst, die man nur stoned verstehen oder als schön oder generell als sinnvoll ansehen kann. Wir kaufen im Museumsshop einen Kalender mit putzigen Katzenwelpen und setzen unseren Weg fort.

13.47h Unser Versuch ins Debenham's zu gehen, wird von einem täuschend echten Justin-Bieber-Pappaufsteller in der Parfümabteilung vereitelt. Verängstigt flüchten wir in den den nächsten Pub und trinken solange, bis das Zittern aufhört.

14.18h Ob es nun am Ale liegt oder nicht, wir kommen zu der Erkenntnis, dass 98 von 100 Menschen hier vergleichsweise hässlich sind. (Unnötig zu erwähnen, wer die zwei nicht hässlichen Menschen sind…)

14.23h Wir notieren uns alls Pubs, denen wir zwischendurch begegnen und denen wir heute Abend einen kleinen Besuch abstatten werden. (Das sind im Grunde alle, die mit einer großen Auswahl von Ales und Whiskeys werben)

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14.38h Unser Notizblock ist voll, müssen einen neuen kaufen.

14.57h Sind in einem Restaurant, wo wir Fish and Chips bestellen, weil das Touristen nun mal bestellen, wenn sie hier in Restaurants gehen. Wir reden mit stark russischem Akzent und erfinden Wörter wie es uns unser Vorbild Otto aus A fish called Wanda gelehrt hat.

16.11h In der Argyle Street halten Panflötenspieler eine crazy Musik Session ab. Mit Verstärker und allem drum und dran. Fancy Shice. Ich bin kurz davor eine CD zu kaufen, sehe dann aber ein, dass ich für derartig impulsive Handlungen nicht betrunken genug bin.

16.18h Als fanatische Film-Geeks, die wir nun mal sind, gehen wir zu HMV, wo ich nur unter Androhung physischer Gewalt davon abgehalten werden kann, mir alle Staffeln von The Office US, How I met your mother und 30 Rock zu kaufen. Als das Argument gebracht wurde, ich sei ja jetzt offiziell mittellos und müsste in Berlin besser mit meinem Geld haushalten, muss ich vor Schreck erstmal wieder in den Pub.

16.53h Wir entdecken einen fabulösen Geschenkeshop und decken uns mit Geburtstags- und Weihnachtsgeschenken für Leute ein, mit denen wir nicht mehr befreundet sein wollen.

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17.14h Glasgow scheint generell eine Stadt mit fragwürdigem Schuhgeschmack zu sein. Da wir die Glasgower Damenwelt jedoch nicht vorschnell aburteilen wollen, notiere ich mir im Geiste ein Schuhgeschäft namens Miss Diva, nur für den Fall, dass ich in naher Zukunft doch mal eine Karriere als Prostituierte oder Stripperin in Schottland anstreben sollte.

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18.37h Nachdem wir unsere Sachen ins Hotelzimmer gepfeffert haben, ziehen wir los, um euphorisch unsere Publiste abzuarbeiten.

--- Wir können nur spekulieren, was danach geschah. Den Quittungen zufolge, die in meiner Tasche waren, waren wir in mindestens vier Pubs und sind mit einem Taxi zurück zum Hotel. Der Visitenkarte des Taxifahrers auf der "Call me" stand zufolge hat entweder der Monsieur oder ich auf besagter Fahrt einen neuen Freund gewonnen. Unserer Kleidung zufolge haben wir uns nicht übergeben, was angesichts der Tatsache, dass ich Malts und britische Ales eigentlich wirklich zum Kotzen finde, schon ein kleines Wunder ist. Aber angesichts der weiteren Tatsache, dass ich noch mein gesamtes Bargeld hatte, der Monsieur jedoch gar keins mehr, scheint es mir ein gelungener Abend gewesen zu sein.

Wenn mir jetzt noch einer sagen könnte, woher ich die Schramme auf der Stirn und wo meinen rechten Handschuh verloren habe, wäre ich kurz davor zu behaupten, es wäre ein gelungener Ausflug gewesen. ---