Montag, 10. Oktober 2011

Das Orbiswunderland

Jeder, der mich halbwegs gut kennt, weiß, ich bin ein Fan des Web 2.0. Ich habe bisher fast (!) ausschließlich positive Erfahrungen damit gemacht und liebe einfach die Möglichkeiten, die es bietet. Neues entdecken. Gleichgesinnte finden. Und sich selbst neu erfinden. Es bietet alles.

Während Facebook so ein Dings ist, was ich zwar als ganz nützlich erachte, würde ich aber nicht von der Brücke springen, wenn Mark Zuckerberg eines Tages den Stecker ziehen würde. Ich könnte darauf genauso wie auf Tumblr verzichten. Normale Emails. You Tube. Wenn es sein muss auch auf You Porn.

Twitter und mein Blog jedoch - Never. Beides ist mir in  den letzten Jahren zur emotionalen Stütze geworden, zu meiner digitalen Kloschüssel, in die nach Gutdünken meine Gefühle kotze. Hatte ich mich eine gewisse Zeitlang eingemummelt in den wohligen Mantel der Anonymität, bröckelt seit einiger Zeit die Fassade. Und das ist okay. Denn es ist nicht so dramatisch, wenn irgendwelche Knallköppe wissen wie ich aussehe oder wie mein Klarname ist, denn alle Dinge, die ich hier so von mir gebe, erzähle ich auch jedem Fremden nach ein paar Tequila Gold. So, who cares?!

In die andere Richtung jedoch habe ich immer eine dicke imaginäre Mauer gebaut, habe mich stets bemüht mein Real-Life-Leben von meinem Online-Leben fernzuhalten.

Denn vor euch kleinen Pupsern und Internetelfen habe ich keine Angst. Ihr habt alle seit Jahren kein Sonnenlicht gesehen und vermutlich könnte ich euch mit einer Nagelpfeile töten ohne dabei außer Atem zu kommen.

Angst habe ich vor denen, die ich kenne bzw. die mich kennen, und vor allem, über die ich die meiste Zeit hier schreibe. Zum Beispiel weil ich einem Teil meiner analogen Verwandtschaft aus einem Moment menschlicher Schwäche (soll vorkommen) meine Blogadresse genannt habe.

Ich kann nie, nie, nie, nie wieder über meinen Vater (Hi Dad!), meine Mutter (Was geht?) oder meine Schwester (die hier zwar nie reinguckt, aber genau dann meine Tweets liest, wenn ich sie Doreen die Pornoschnalle nenne) bloggen. Der Rest der Familie ahnt nichts von dem kleinen, irren, fluchenden Online-Universum, das sich hinter meinem grazilen Avatar verbirgt. Dasselbe gilt für meine Freunde. Die engsten, die besten, die schönsten wissen Bescheid. Die meisten anderen sind knochenmarkaussaugende Hyänen, die dich vorne mit gebleichten Zähnen anlächeln, während sie hinter ihrem Rücken wahlweise das Messer oder ihr Handy halten, um, sobald man sich wegdreht, zuzustechen bzw. alle andere Leute anzurufen, die mich kennen, und zu tratschen. Hast du schon gehört, die Claudia…. Bonn, du kleines, giftiges Dorf voller sexuell unbefriedigter und unausgelasteter Waschweiber!!

Aber das ist okay. Das habe ich unter Kontrolle. Denke ich. Bilde ich mir ein. Schließlich sitze ich selbst an Grenze zum Orbiswunderland und verteile die Visa. Oder halt auch nicht.

Du kommst hier nischt rein!

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Problematischer sind die Leute, die schon die Visa haben, weil sie Bürger des Orbiswunderlandes sind. Ich rede von euch. Ihr seid alle ganz wunderbar, wenn ihr im Orbiswunderland drin bleibt, wenn ihr lustige Katzencontentfotos postet, oder Dinge wie "Pimmel. Hihihi." tweetet. Alles tutti.. Aber wenn ihr es irgendwie über die Mauer und durch den Stacheldrahtzaun und das Planschbecken mit den Öpvefressenden Piranhas schafft und mir plötzlich gegenübersitzt bei einem Bier, und aus dem Bier dann zwei werden und drei und vier und später ein Kaffee und eine Email und noch eine und fünfzehntrillionen mehr - und plötzlich habt ihr zwei Staatsbürgerschaften, einmal für's Orbiswunderland und Reallifornien!!

Und wenn ihr dann etwas tut, was mich fuchsig macht, und das werdet ihr, oh, das werdet ihr, dann kann ich im Blog nicht darüber schreiben, kann darüber nicht twittern, weil ihr es dann lesen könnt und das sollt ihr nicht, weil es zwar um euch geht, aber euch einen feuchten Kehrricht angeht!!

Erinnert ihr euch an Mein fleischgewordenes Frankreich, wo ich ganz am Rande erwähnt habe, ich wäre an dem Tag eigentlich nicht sooo gut drauf gewesen?

Das war wegen einem von euch! 

Und ich konnte nichts sagen, nirgendwo, nüschts! Stattdessen saß ich den gesamten Samstag da. Zuhause. Allein. Vor mich hin brodelnd. Wie ein Ballon, in den immer weiter Helium gepumpt wird und der kurz vor'm Explodieren steht. Gefühle, haufenweise motzige, hitlereske Gefühle, die wie in einem atomar verstrahlten Güllefass vor sich hin blubbern und unter einem so enormen Druck stehen, dass die Sprengkraft der Hiroshima-Bombe dagegen wie der Furz einer phlegmatischen Mücke wirkt.
Wenn ich nicht bloggen und/oder twittern kann, werde ich zu einer Mischung aus Zombie und Hulk, wie dieses kürzlich aufgenommene Foto von mir belegt:

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Leute, das geht so nicht!! Es war nur dem beherzten Einfluss von alkoholartigen Getränken und ein paar Reallifianern zu verdanken, dass ich da stimmungsmäßig noch die Kurve gekriegt habe. Aber ich kann nicht jedes Mal losziehen und mich betrinken und feiern gehen, wenn .. nun, ich könnte, aber ich sollte nicht.

Was also tun? Euch besser einsperren, Stacheldraht verstärken, fleischfressende Einhörner vor dem Piranha-Pool postieren, um euch so daran zu hindern, in mein Reallifornien zu kommen?

Das kann's ja auch nicht sein..

Daher werde ich zukünftig ohne Rücksicht auf euch, oder auf mich, über euch motzen, meckern, reden, bloggen, und - obwohl ich keine Namen nennen werde - werdet ihr wissen, wann ihr gemeint seid und ihr müsst damit klarkommen.

Denn die Alternative wäre sonst, dass das nächste Mal mein Schädel explodiert und Welt und Menschheit vernichtet werden.

Hey! Dann hätte die Sache am Ende doch noch was gutes..

[Some of the images are found on tumbl (or somewhere else on the internet). If I violated any copyrights you might have, please do not hesitate to contact me and I will remove the picture.]