Dienstag, 27. September 2011

Mein fleischgewordenes Frankreich

Ich bin überfällig! Schon wieder! Die Lesung im Oberholz war am vorletzten Samstag und ich habe nüschts darüber gebloggt. Ganz zu schweigen von der Twittsommernachtsparty im August. Dass ich an jenem Samstag kurz entschlossen ins Oberholz marschiert bin, ist meiner positiven Erfahrung bei der Twittsommernachtsparty zu verdanken und dass ich da war, ist @Isdjan zu verdanken (der mir in einer Reihe von Emails die Angst nahm euch zu sehen..). Also, egal, was nun in Zukunft auf irgendwelchen 2.0-Treffen passiert: Immer dran erinnern, wer ursprünglich Schuld hat: @Isdjan.

Erste Twittertreffen sind ein wenig wie das erste Mal Sex haben: Das Herzchen pocht bis zum Halse und dann ist alles ganz schnell vorbei. Und danach wird es jedesmal besser und besser.

Wenn man sich meine Timeline ja so anguckt, denkt man zwangsläufig: Ein furchtbar gestörter Haufen. Eine gewisse Furcht ist also durchaus berechtigt. Aber von vorne:

Auf der Twittsommernachtsparty trudelte ich mit @LynnUp ein und es war sofort wie das Jahrestreffen ehemaliger Heimkinder: Irgendwie seltsam, aber seltsam schön. Fremde wohin man sah, aber Fremde, die man kannte. Freumde eben. Angefangen bei @Taschana68, über @Isdjan, @___Dagger___ und @Wikipeter und last but not least meine liebe @lesmonade (die damals noch anders hieß), es war so entzückend und liebreizend, dass, hätte ich ein Herz, es beim Abschied ein wenig geblutet hätte.

Und nun das Oberholz, wo diese fünf Grazien uns mit einer Lesung ohne Konzept beglücken wollten.

Gruppentherapie

Der @Ennomane hatte mich zur Veranstaltung hinzugefügt und da ich noch ein paar weiche Tomaten hatte, die bis dahin sicherlich halb verfault sein und sich prima eignen würden, um @mbukowski, @schlenzalot und natürlich den @vergraemer zu bewerfen, sagte ich zu. Doch dann kam alles anders. Ich hatte einen beschissenen Samstag, war wütend, sauer, motzig und mir stand eher der Sinn irgendwas mutwillig zu zerstören, als Stunden lang in einem Café zu sitzen. Doch manchmal ist Gott gütig und liebevoll - gut, er war es nicht, als er dafür sorgte, dass ich mich vor zwei Stunden aus meiner eigenen Wohnung ausgesperrt habe, aber er war es an jenem Abend, denn während ich Sophie Hunger hörend, Zigarren rauchend und Amarula aus schweren, bauchigen Gläsern trinkend in meiner Wohnung saß, flatterte eine Mail von @t_al rein.

@t_al, das müsst ihr wissen, ist jemand, mit dem mich eine ganz besondere Beziehung verbindet und die vor allem aus fantasievollen Morddrohungen und höchst geschmackvollen Pöbeleien besteht. Wir führen diese Art der Beziehung seit über zwei Jahren und in der Menschheitsgeschichte wäre sie wohl nur mit der Beziehung zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich zu vergleichen. Und nun fragte mein fleischgewordenes Frankreich, ob ich heute Abend aufschlagen würde; da er vermutlich, völlig zu Recht, um sein Leben fürchtete. So hatte ich ursprünglich folgendes bei Facebook gepostet:

Wie ich sehe, ist Ihre Teilnahme an der Lesung im St. Oberholz nächsten Samstag unsicher. Könnten Sie dieses unsicher etwas präzisieren? Lohnt sich für mich der Gang vorher zum Bärenfallenhändler meines Vertrauens oder kann ich mir das für ein anderes Mal aufheben?

Natürlich wollte er nicht kommen. Er wollte die Gelegenheit nutzen - während ich im Oberholz saß - mal wieder durch Berlin zu radeln, ohne Gefahr zu laufen, von einem Rudel tollwütiger Rottweiler angefallen zu werden, die irgendjemand, rein zufällig, ohne jede böse, mörderische Absicht, nahe seiner Radstrecke freigelassen hat. Nun, da ich in Berlin wohnen würde, war es äußerst unsicher, wie oft er noch die Möglichkeit dazu haben würde.

Und nun, als wollte er sicher gehen, dass ich auch wirklich im Oberholz sitze und nicht mit C4 im Rucksack auf dem Weg zu seiner Radstrecke bin, schrieb er und ich antwortete, dass ich nicht gehen würde (ich kann mir sein Entsetzen bildlich vorstellen). Um die wahre Absicht seiner Frage zu verhüllen, tat er so, als hätte er nur gefragt, weil er selbst jetzt doch ins Oberholz kommen wollte. Finte oder nicht: Diese einmalige Gelegenheit konnte ich mir nicht entgehen lassen. Ich war das stundenlange Warten im von Hirschen zugekoteten Unterholz, mit der Machete im Anschlag, nur von der schwachen Hoffnung beseelt, er könnte heute vorbeiradeln, leid. Also suchte ich meine Hose und zog los.

Im Oberholz angekommen hatte man gerade zur Pause geläutet und @t_al kam in der Sekunde die Stufen heruntergepoltert, als ich hereintrat. Ein kurzer Blick auf die Hände des anderen, um eine Bewaffnung mit stumpfen Gegenständen oder Schusswaffen auszuschließen, dann eine Umarmung, um den anderen unauffällig abzutasten. Da @t_al meinem Hannah-Montana-Hello-Kitty-Lächeln (zu recht) nicht traute, beschloss er mich mit Bier betrunken zu machen und da ich gewöhnungsmäßig mit dem Skalpell weniger zittere, wenn ich vorher getrunken habe, trank ich.

Ob es nun an @t_al's Bier oder dem Wodka des @Vergraemer lag, es wurde ein grandioser Abend, eine grandiose Nacht, die in Kreuzberg auf einer weiteren Party mit @___Dagger___, meinem persönlichen Berlinführer @xbg und der liebreizenden @Mel_an_Choly ihren Höhepunkt fand und damit endete, dass ich am Sonntag irgendwann gegen 15h wieder zuhause war.

In diesem Sinne: Liebes Berlin, es tut mit leid, dass ich dich nun für einen Monat wieder verlassen muss, aber nun habe ich einen Vorgeschmack darauf, was mich ab November hier erwartet. Alkohol und zu wenig Schlaf. Und Heidewitzka, was freue ich mich!

 

P.S.: @t_al, genieß den Oktober noch einmal. Denn danach werde ich so schnell nirgendwo hinfahren.

P.P.S.: Kann mir einer meiner werten Leser einen günstigen Reptilienhändler in und um Berlin empfehlen? Brauche ab November einen Alligator. Aggressive Kaimane würden zur Not auch gehen. Rottweiler sind ja so 2010.