Freitag, 16. September 2011

Glücklich wie Österreich

Es sind immer noch nicht alle Kisten ausgepackt!! Vor allem die Küche sieht aktuell aus wie Berlin im Mai '45. Ich starre auf den Koffer in der Ecke, aus dem dringend die Blusen befreit werden müssen, und dann aus dem Fenster Richtung Supermarkt, wo Lebensmittel darauf warten in meinen leeren Kühlschrank deportiert zu werden.

Umziehen ist ein Arschloch. Der Gedanke kam mir in den letzten Tagen immer wieder. Und mehr als einmal dachte ich "Isch bresch zusammen!!".

Bin ich aber nicht. Das sind die Gene, die preußischen. Diese Gene sind gestählt und weltkriegserprobt, ein Umzug mag an ihnen zehren, aber sie sind unkaputtbar und während ich diese Zeilen tippe, denke ich über den unbewussten Einfluss nationalsozialistischen Gedankenguts des Köpenicker Bezirks auf meine Sprache nach und würge dabei kleine arische Haarballen hervor.

Meine Wohnung ist ein Schlachtfeld. Dass mir jetzt nur Stalingrad als Vergleich einfällt, macht die Sache nicht wirklich besser. Aber seien wir ehrlich, wenn ich jetzt Issos oder Gaugamela stattdessen sage, müsst ihr das doch alle erstmal googeln.

Also bleiben wir notgedrungen bei Stalingrad. Hinzukommt eine To-Do-Liste, die von hier bis zum Atlantikwall reicht - FUCK! Die wirklich super lang und mit Promotionsscheiss, Ämterscheiss, Kreativscheiss und sonstigem Scheiss gefüllt ist. A lot of holy fucking shit to do.

Und dennoch bin ich glücklich wie Österreich im März 1938, ich meine, Ich bin sehr, sehr glücklich. Endlich Zeit zum Ankommen, zum Einrichten, um mein kleines Nest fertig machen.

Endlich - finally! - bin ich hier. Angekommen. Und ich strahle wie der Gröfaz im Januar 1933. Vor Weihnachten werde ich diese Stadt nicht verlassen, werde mich in ihr einnisten, wie ein südostasiatischer Parasit in den Uterus einer trächtigen Elefantenkuh (Da! Es gehen auch Vergleiche ohne Nazicontent. Ich wusste doch, dass ich es noch kann).

*Ring*Ring*

"Hallo?.. Oh, du bist es.. Ja, mir geht's gut und dir?.. Hmm.. Hmm. Ja.. Okay.. Aha, aha.. Ne, verstehe ich.. Ja, Umzug ist immer sehr stressig, weiß ich ja selbst am Besten.. Hmm.. Und dann noch mit Kind.. Ja.. Ja.. Hmm.. Tja, der Oktober ist nun mal der wichtigste Monat für euch im Büro.. Hmm.. Ne, 'nen Job hab' ich noch nicht.. Hmm.. Hmm.. Okay, kann ich machen.. Und von wann bis wann?.. Okay.. Ja.. Hmm.. Buchst du dann.. Okay.. Alles klar, dann bis zum 29. September!.. Tschüss."

Ich bin nicht ganz sicher, aber ich glaube, ich habe gerade zugesagt den gesamten Oktober in Edinburgh zu verbringen. Schottland. Das Einzige, was ich mit Schottland assoziiere ist Rudolf Heß und Duncan MacLeoud. Das dürfte also interessant werden. Vielleicht finde ich ja noch heraus, ob im Oktober Dylan Moran oder Eddie Izzard irgendwo auf der Insel auftreten, dann bin ich die glücklichste Person in der Menschheitsgeschichte, also gleich nach Eva Braun, nachdem sie sich endlich Frau Gröfaz nennen durfte.

Und ein Monat weg von dieser Nazibrutstätte, die sich Köpenick nennt, dürfte meiner liberalen Gesinnung, die gerade Urlaub macht, sicherlich gut tun. Ich hoffe einfach, dass, bis ich dann wieder da bin, die ganzen Wahlplakate verschwunden sind. Oder zumindest dann allesamt mit entsprechenden Pendants von Der Partei überklebt wurden. Liebes Berlin, bitte, lasst mich da nicht hängen. Oder die Plakate. Eins von beiden. Ich möchte nicht mehr anhand der NPD-Plakatdichte intuitiv wissen, wann ich welchen Bezirk gerade betrete.

Funny 430

Liebe Berliner, geht bitte alle am 18.09. wählen. Ich kann euch nicht sagen, wen ihr wählen sollt. Muss ich auch nicht, solange ihr ja wisst, wen ihr nicht wählen sollt.

Tapadh leat! (Das war Gälisch.)

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