Sonntag, 7. August 2011

In meinem Kopf

In meinem Kopf seid ihr alle wunderschön. Ihr seid witzig. Eloquent. Geistreich. Unfassbar interessant. Kreativ. Durchweg faszinierende Persönlichkeiten mit einem unbestechlichem Modegeschmack. Mit straffen Brüsten - wenn ihr Frauen seid - und absolut gar keinen Brüsten - wenn ihr Männer seid. Ihr lest Camus, Sartre und Calvin & Hobbes. Ihr wisst alles, was ich weiß und darüber hinaus, ohne klugscheissende Arschgeigen zu sein. Kurzum: In meinem Kopf seid ihr perfekt.

Und solange ich euch nicht treffe, bleibt ihr auch alle genau das. Und im Gegenzug könnt' ihr euch der Illusion hingeben, dass ich genauso wunderschön und witzig bin. Und das ist auch gut so. Denn seien wir ehrlich: Ihr seid es nicht und ich bin es auch nicht.

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Niemand außer brasilianischen Supermodels sind wirklich die ganze Zeit wunderschön. Und selbst die besten Twitterer und Blogger haben während eines 24-Stunden-Zyklus hin und wieder einen Moment, in dem sie einfach nur lust- und wortlos in der Ecke sitzen und in der Nase popeln. Einige von euch lesen Harry Potter. Oder Twilight. Auch ich bin nicht perfekt. Ich weiß, dass ihr euch das nicht vorstellen könnt, aber ich habe z.B. eine Blue System CD zu Hause. Schockierend. Ihr seht, auch ich habe meine Fehler.

Doch solange wir nur im Netz unterwegs sind, können wir uns neu erfinden, uns schöner, interessanter und süperer machen, als wir eigentlich sind. Wir geben bei Facebook die Musik und die Filme im Profil ein, von denen wir wollen, dass andere sie sehen. Dazu noch ein paar Fotos, vorzugsweise durch tausend Filter bei Instagram und Co. gejagt und simsalabimm wird aus der langweiligen Versicherungskauffrau mit dem beschissenen Job und der Wohnung mit dem Wasserschaden eine ungemein faszinierende Persönlichkeit.

Und das ist okay.

Wäre ich nicht in Berlin. Würde hier nächsten Samstag nicht eine Twitterparty stattfinden. Würde ich nicht überlegen dorthin zu gehen. Wärt ihr nicht da.

Oh, Konjunktiv, you heartless bitch.

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Was tun? Auf der einen Seite der Reiz einen Teil von euch kennenzulernen. Auf der anderen Seite die Angst euch kennenzulernen.

Es ist wie damals mit sechzehn, als man das erste Mal mit den besten Freundinnen in die Disco gegangen ist und keine Ahnung hatte, was auf einen zukommt. Wie die anderen sich verhalten. Man sich selbst verhalten soll. Ob genügend Alkohol vorrätig sein wird, um den gesamten Abend zu überstehen. Aber nicht soviel Alkohol, dass man am nächsten Tag Fotos bei Facebook von sich findet, wie man in seinem eigenen Erbrochenen Polka tanzt. Das übliche eben.

Ich gestehe, noch ist nichts entschieden. Ich habe mir schon seelischen Beistand gesucht und wir werden es vom Wetter abhängig machen, ob wir kommen oder nicht.

Nur für den Fall, dass ich komme und der ein oder andere von euch auch, solltet ihr etwas wissen.. sonst ist der Schock nachher so groß..

Ich bin nicht ohne Gründe ein großer Fan von Instagram:

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Denn ohne sähe es so aus:

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Ich dachte, das solltet ihr wissen.. Bis Samstag. Vielleicht.