Donnerstag, 28. Juli 2011

Peace out!

Liebe Real-Life-Freunde,

wie ihr wisst, ziehe ich bald nach Berlin. Und in der letzten Woche habe ich mich dementsprechend verstärkt mit der Wahl des richtigen Bezirks als Wohn- und Schaffungsstätte beschäftigt. Schnell ist mir aufgefallen, dass in meiner Preisklasse (auch bekannt "Scheisse-Ich-hab-kein-Geld-Wo-zur-Hölle-soll-ich-bloß-wohnen-Preisklasse") hauptsächlich Wohnungen in Marzahn angeboten werden.

Nach einer intensiven Studie und einer höchst wissenschaftlichen Umfrage bei Twitter (Who the fuck needs FORSA?!) wurde mir klar, dass Marzahn kein Ort ist, wo meinereiner gerne wohnen würde. Denn mein zukünftiger sozialer Status hängt offenbar von dem Bezirk ab, in dem ich meine Nudeln koche und nachts in mein Kissen sabbere. Offenbar war Prenzlauer Berg gestern, Kreuzberg und Friedrichshain sind noch in, Neukölln ist im Kommen und alles in Mitte ist ohnehin geil.

Marzahn hingegen ist nichts von dem. Vor allem jedoch ist es hässlich. Einerseits die Gebäude. Andererseits die Leute. Zusammenhänge zwischen beiden bestehen nur zufällig. Es liegt weit ab vom Schuss. Viele Ausländer. UND Nazis. Wie genau die sich den Bezirk teilen, bleibt dabei schemenhaft - momentan stelle ich mir Marzahn als eine Art Berliner Nord- und Südkorea mit einer Demarkationsgrenze in der Mitte vor. In Marzahn ist alles schlecht, dort geht die Sonne zwei Stunden später auf und drei Stunden früher unter, die einheimische Fauna ist freiwillig nach Tschernobyl gezogen, in der Hoffnung auf ein freundlicheres Umfeld. Gras und Bäume kennen die Menschen nur aus Büchern, bzw. sie würden es aus Büchern kennen, wenn sie denn lesen könnten. Höhepunkt der tristen Existenz eines Marzahners ist der Weg vom Arbeitsplatz (vorzugsweise bei Schlecker) nach Hause, wenn man an der Bushaltestelle eine Pfandflasche findet, von deren Erlös man sich ein Duplo kaufen kann.

Kurzum: Offenbar - so die einhellige Meinung der in Mitte, Kreuzberg und Friedrichshain lebenden Öffentlichkeit - möchte ich nicht nach Marzahn ziehen.

Nun, liebe Real-Life-Freunde, von eben gesagtem ausgehend, denkt ihr sicherlich dieser Brief dient dazu, euch mitzuteilen, dass ich nicht nach Marzahn ziehen werde.

Denkste.

Denn, ihr kleinen Wichser von überallher, die ihr mich in all den Jahren nie in Bonn besucht habt und jetzt schon übereifrig eure Anreise ankündigt, um mich zu besuchen, um euch in meiner kleinen, hippen Hütte einzunisten, um von dort aus in die angesagten Restaurants, Cafés, Kneipen, Bars etc. zu ziehen, sich aufzugeilen an wenigen Tagen Berlin, bevor ihr wieder heimfahrt nach.. keine Ahnung wohin.. aus den Bonn-artigen Provinzlöchern, aus denen ihr gekrochen seid. Ihr habt mich nie in Bonn besucht und nun, plötzlich, ist eure Sehnsucht so groß geworden, dass ihr alle, aber auch wirklich alle, noch dieses Jahr, rein zufälligerweise schon einen Monat nach meinem geplanten Umzug nach Berlin, meine grazile Person wiedersehen müsst? Wollt ihr mich verscheissern?!

Ihr werdet das hier nicht lesen, liebe Real-Life-Freunde, denn ihr lest mein Blog nicht, aber ich freue mich mit geradezu endloser Verzückung auf eure Gesichter, wenn ihr erfahrt, dass ich nach Marzahn ziehe. Nicht wegen mangelnden Geldes oder aus soziologisch-anthropologischer Neugier. Nein, einfach nur, um euch daran zu hindern, meine Couch zu okkupieren und meine Aldi-Fertiggerichte wegzufuttern.

Ich bin im September noch einmal für ca. zehn Tage in Bonn. Und hey! in diesen zehn Tagen seid ihr herzlich willkommen. In Bonn.

Peace out.