Montag, 11. Juli 2011

Ich bin ja selber schuld

Ich bin es ja selber schuld. Also sollte ich mich auch nicht beschweren. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich mich nicht trotzdem beschweren würde. Aber ich gestehe zumindest eine Teilschuld ein. Ich habe mich 2004 dafür entschieden Philosophie im Nebenfach zu studieren. Sich jetzt im Nachhinein zu beschweren ist so, als würde man von einem Hochhaus springen und sich anschließend beschweren, dass man tot sei.

Jetzt sitze ich hier. Keine 24 Stunden vor meiner Examensprüfung in eben besagtem Fach und lache heiser vor mich hin. Ihr wisst schon, dieses manische Kichern, wenn man kurz davor steht dem Wahnsinn völlig anheim zu fallen.

Ich habe zwei Prüfungsthemen. Das eine ist Menschenwürde. Very simple. Hauptsächlich weil ich die Existenz von Menschenwürde schlichtweg negiere und als Beweis die Doku-Soaps der Privatsender nutze. Niemand kann ernsthaft glauben, dass der Mensch einen einmaligen Wert besitzt, wenn er Schantalle und Dschakkeline bei Frauentausch gesehen hat. Ein Gibbon, der sich mit dem Finger im Popo rumpuhlt, hat mehr Würde. Und falls das nicht wirkt, ziehe ich Hitler noch aus dem Hut. Soviel dazu.

Das andere Thema aber.. Platon.. Oder um es genauer zu sagen: Platon's Phaidon. Da geht es darum, dass Sokrates kurz vor seiner Hinrichtung steht, und alle anderen so *heul*heul*, und Sokrates so "Peace out! Alles easy!" Weil der kleine Freizeitbuddhist an Wiedergeburt und den ganzen Kokolores glaubt und nun versucht seine Schüler aka die griechischen Heulsusen davon zu überzeugen, dass Sterben eigentlich supidupi ist und die Seele danach an einen Ort kommt, an dem die Götter öpvig sind und Zuckerwatte scheissen. So die grobe Zusammenfassung. So weit komme ich ja auch noch mit.

Nur irgendwo nach der Hälfte des Buches verliert der gute Sokrates irgendwie den Faden und redet von.. dings.. hier so.. keine Ahnung. Der Text ist weit über 2000 Jahre alt und falls er damals gut verständlich war: Gratulation. Aber Platon ist kein Wein, er wird nicht besser mit der Zeit. Platon ist da eher wie.. wie..  eine Tüte Milch.

Also habe ich mir Sekundärliteratur besorgt.

Und was soll ich sagen?!...

Es ist als würde man erst Mein Kampf lesen und dann zum besseren Verständnis die Tagebücher von Goebbels. Es wird einfach nur schlimmer und schlimmer und schlimmer!!

Ein Zitat (also aus der Sekundärliteratur und nicht aus Mein Kampf):

"In erster Linie geht es um den Gesichtspunkt der Reinheit bzw. Unvermischtheit des intelligiblen Erkenntnisgegenstands in Abhebung zu jeder Vielgestaltigkeit und Beimischung in den Einzelfällen und Konkretionen im Bereich der mannigfaltigen, sinnlichen Wahrnehmungen."

If You Can t Explain It Simply You Don t Understand It Well Enough  Albert Einstein

Dass der Kerl dann noch ständig altgriechische Begriffe in die Zeilen gerotzt hat - die ich alle erst mal transliterieren müsste, um dann vielleicht zu erahnen, was sie heißen - macht die Sache noch schlimmer.

Aber das ist so ein genereller Tick bei den Philosophen. Philosophen sind sprachgeil. Sie mögen nicht die Sprache der Kneipe, die Sprache, die Horst und Klaus auf der Baustelle sprechen und verstehen, nein, der Philosoph schafft sich ein eigenes Wörteruniversum. Kant war ein Großmeister darin Wörter völlig zweckzuentfremden. Und ich rede hier nicht von coolen Neologismen, wie factose intolerant, nein, ich rede davon einen Begriff zu nehmen und ohne jede Vorwarnung diesen Begriff neu und anders zu definieren. Von Nietzsche, diesem Vollpfosten will ich gar nicht erst anfangen.

Philosophen sitzen am Schreibtisch und schreiben sich geradezu in Trance, zwischendurch schrecken sie panisch auf, weil sie seit zehn Minuten nicht mehr eo ipso oder ipso facto geschrieben haben. Sie schreiben und schreiben, geilen sich an ihrer eigenen Wortakrobatik auf, um sich und der Welt zu beweisen, dass sie genauso genialgeilen Scheiss fabrizieren können, wie Diogenes in seiner verkackten Tonne, bis aller intellektueller Lebenssaft aus ihnen geronnen ist und sie erschöpft, aber befriedigt, nach der Zigarette und/oder dem Tempo greifen.

Und der Leidtragende bin ich.

Denn die Überlegung, ob ich vielleicht doch noch mein Nebenfach wechseln kann/sollte, scheint mir angesichts der Prüfung morgen um 18.00h ein wenig.. na, sagen wir mal, unorthodox. Aber ein Versuch wäre es vielleicht wert.....

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