Freitag, 1. April 2011

Berlin ist Berlin

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Ich hab’ keinen Bock mehr. Sagte ich das schon mal? Gut möglich. Ist mir aber egal. Ich hab’ keinen Bock mehr. Auf Bücher. Auf Lesen. Auf Notizen machen. Auf Lernen. Auf zur Unibücherei latschen. Auf die Note meiner Magisterarbeit zu warten. Auf Professorensprechstunden. Auf Uni generell. Laut zwei sehr feschen Countdowns auf meiner Google-Startseite sind es noch 50 Tage bis zu meiner verhurten Klausur (Thema: Die deutschen Revolutionen von 1848. Bäh.) und wunderschöne 104 Tage bis auch die mündlichen Prüfungen vorbei sind, ich einen netten Wisch (aka the Zeugnis) ins Patschehändchen gedrückt bekomme – von einem Dekan, der mich nicht kennt, den ich nicht kenne.. 104 Tage bis ich mein Übergangsköfferchen packe, nach Berlin abrausche, mir eine Wohnung suche, wieder nach Bonn rausche, den Rest packe und nach Berlin ziehe.

Berlin.

Hach.

IMG_0867 Im September 2009 habe ich geschworen nach der Uni nach Berlin zu ziehen und Familie und Freunde haben gelächelt und genickt und gedacht: “Ach, die Claudia. Die hat immer Ideen. Nächste Woche will sie sicher ein Nagelstudio aufmachen. Oder in Thailand Schildkröten über die Straße helfen. Verrücktes Huhn.” Ich gebe zu, ich kann ihnen solche Gedanken nicht übelnehmen. Ich bin sprunghaft wie ein ADHS-Eichhörnchen auf Kokain. Aber - HA! HA! HA! – ich will immer noch nach Berlin ziehen! BITCHES!!!!



Und gedanklich bin ich da schon. Bin wieder in Moabit. Laufe in Jogginghosen zum Edeka, gehe in Steglitz in meinen Lieblingssushiladen, flaniere über den Mauerpark und den Markt am Nollendorfplatz, flaniere allgemein sehr viel und ausdauernd. Ob ich promoviere hängt von der dusseligen Magisterarbeit ab. Und die Herren der Schöpfung, die ebendiese korrigieren sollen, popeln in der Nase oder machen andere Dinge, die Professoren bekannterweise eben so machen.. Aber es ist mir auch (fast) egal. Die Note der Arbeit. Die Klausur. Die mündlichen Prüfungen. Während mein Nutellagetränkter Körper in dieser Endphase des Studiums gefangen ist, sich jeden Tag an den Schreibtisch wälzt und Bücher über Bücher inhaliert, spaziert mein Geist fröhlich pfeifend durch die Straßen Berlins und schmiedet zuckrige Zukunftspläne. 

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Ich will nicht mehr hier sein. Will alle meine Bücher der Bib spenden, will die restliche Unisachen mit Schubkarren zum Altpapier bringen. Will, dass Schluss ist. Dass es nicht 104 Tage sind, sondern nur noch einer. Dass ich morgen im Zug, im Flugzeug, auf dem Fahrrad sitze und auf meinem Weg nach Berlin bin. Wo alles schön ist. Und gleichzeitig hässlich. Wo es an derselben Ecke nach Tulpen und Hundescheisse riecht. Wo ich arm und mittellos sein werde. Wo ich ich sein werde.

Und wenn ich ganz wehmütig werde (also jetzt), denke ich mich an jenen Abend des Turmstraßenfests zurück, unter all die wunderschönen Menschen Moabits, biertrinkend und Gitarre MZ lauschend:



Noch 104 Tage.

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