Sonntag, 9. Januar 2011

Ode an das Internet

Internet ist etwas feines. Ich möchte das einmal festhalten. Also genau jetzt. Sicher, Internet ist auch böse. Zum Beispiel, wenn man Lernen muss und eigentlich nur mal schnell bei LEO eine Vokabel nachschlagen will und dann nur mal schnell in die siebenunddreißig anderen offenen Tabs reinguckt. Und zwei Stunden später ertappt man sich dabei, wie man immer noch bei Facebook Leute stalkt, auf Twitter rumwuselt oder ansonsten irgendwie manisch auf f5 rumdrückt. Das ist böse. In solchen Fällen hat Satan das Internet erfunden, um uns knechten, uns alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und – Moment, ich schweife ab. Wie auch immer, bei sowas ist das Internet natürlich böse.

Aber Internet ist halt manchmal auch was feines. Abgesehen davon, dass ich für meine Magisterarbeit dauernd bei Google und Wikipedia nachschlage, wo irgendwelche bescheuerten polnischen Dörfer liegen, gibt es manchmal diese Momente, in denen eines zum anderen führt, bzw. ein Link zum anderen, und am Ende ist man plötzlich ein klitzekleines bisschen glücklicher.

Ein Beispiel.

Ende Dezember wuselte ich mal wieder auf Tumblr rum. Prokrastination. Das Übliche eben. Dabei fand ich das:

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Ich hatte nur deswegen das kleine rote Tumblr-Herzchen gedrückt, weil ich das Zitat mochte. Doch dann wollte ich wissen, wer der unattraktive Mann war, der das gesagt hatte.

Nächstes Ziel: Google.

Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung mehr, wie genau ich herausgefunden habe, dass es sich hier um Serge Gainsbourg handelt, aber etliche Tumblr- und Google-Links später wusste ich es. (Eigentlich hätte mir von Anfang an zumindest klar sein müssen, dass es sich um einen Franzosen handelte. Die mangelnde Attraktivität erwähnte ich ja schon..)

Nächstes Ziel: Wikipedia.

Als ich dort im Artikel den Satz  “Er trat in der Öffentlichkeit häufig provokativ auf und pflegte das Bild des genialen Künstlers” las, wusste ich, dass ich den hässlichen Mann mochte..

Nächstes Ziel: iTunes.

Ich pickte mir eines der Alben raus, hörte etwa fünfmal rein, kaufte und lud es runter. Ich musste nicht etwa erst zu Kaufhof oder Saturn latschen, rumsuchen, eine entnervte Verkäuferin bitten reinhören zu dürfen, es kaufen, wieder nach Hause fahren, auf den Computer überspielen und anschließend mit dem iPod synchronisieren. Nahain! ZackBumm! Das Album war meins.

Anschließend noch bei Twitter und Facebook mit der Weltgemeinschaft meinen Fund teilen, damit auch andere, die vielleicht, wie ich zuvor, nicht wussten, wer Gainsbourg war, dieses Versäumnis nachholen konnten.

Twitter - @ⒸⓁⒶⓊⒹⓘⒶ- serge gainsbourg. mag ich ..._1294605116748.png Orbis Claudiae_1294605099507.png

Seitdem höre ich das Album etwa dreimal am Tag, mache dabei diesen Move

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und erfreue mich, dass dieses wunderbare Ding, dieses Internet, durch ein simples Bildchen bei Tumblr, mein Leben wieder so schnell, so schön bereichert hat.

Danke, liebes Internet. ♥