Dienstag, 18. Januar 2011

“eigentlich meistens kein nie”

Es gibt so eine Sache, bei ich mich schwer tue. Und das ist Freundschaften beenden. Liegt vielleicht auch daran, dass ich schon nicht besonders gut darin bin Freundschaften zu führen. Es ist einfach unfassbar einfach mir früher oder später auf die Nerven zu gehen, so dass ich wie ein wütender Flummi durch die Gegend titsche. Es ist, würde ich mal sagen, sogar UNVERMEIDLICH, dass meine Freunde, selbst die besten und engsten, früher oder später irgendetwas ungehöriges machen, dass dazu führt, dass ich mit der Machete auf sie losgehen will. Zum Beispiel wenn sie Twilight lesen. Sich weiße Stiefel kaufen. Eine Woche brauchen, um eine Email zu beantworten. Manchmal sind es kleinere Sachen, manchmal sind es größere.

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Und es bleibt  nicht einfach dabei, dass ich dann einen auf Hitler mache, mit tiefer Zornesfalte in meiner Wohnung hocke und mit melodramatischer Gestik die Welt verfluche. Nein, nein, nein. Ich stelle sofort die gesamte Freundschaft in Frage, was zu etwas führt, dass alle, wirklich alle meine Freunde kennen: ich spreche monatelang nicht mit ihnen. Dies tue ich in dem festen Vorsatz nie wieder mit ihnen zu sprechen. Dieses nie wieder ist aber eigentlich meistens kein nie, sondern eher ein irgendwann wieder (“eigentlich meistens kein nie”.. grandioser Satzbau!!). Denn nach sechs Monaten weiß ich nur noch, dass ich sauer war, aber mir will verdammt nochmal nicht mehr so ganz einfallen, weswegen ich eigentlich sauer war. Und das ist irgendwie blöd. Außerdem denke ich irgendwann “Ach, die Uschi, mit der hatte ich ja auch ganz nette Momente. Ich ruf’ sie mal an.” Und bamm! vier Monate später hocke ich erneut mit der Zornesfalte im dunklen Kämmerlein. Es ist ein Teufelskreis.

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Aber mit Freunden Schluss zu machen ist auch irgendwie tricky heutzutage. Früher, so um 1800, hat man einfach aufgehört den Leuten Briefe auf parfümierten Büttenpapier via Postkutsche zu schrieben. Aber heute reicht es nicht mehr das rosa Hello-Kitty-Briefpapier in die Tonne zu kloppen. Man muss Telefonnummern löschen, Emailadressen, Anschriften. Und nicht einfach nur aus dem Adressbuch, ihr wisst schon, dem aus Papier. Nein, man muss im Handy rumrödeln und alle synchronisierten Adressbücher im fucking world wide web suchen. Aber das reicht ja auch nicht, um alle Verbindungen zu kappen. Ihr wisst wovon ich rede. F-A-C-E-B-O-O-K. Da ich ja nicht so heiß auf Konfrontationen bin - gehöre eher zur Kategorie Feiges Mäuschen - reicht es mir auch normalerweise bei Uschi auf “Alle Beiträge von Uschi verbergen” zu klicken. ABER ha! ha! ha! mit dem neuen Profil kann man nicht mehr einstellen, welche Freunde auf der eigenen Seite angezeigt werden und plötzlich springt einem mit vollem Elan Uschis Fratze entgegen. Urks. Vielen Dank, Mark Zuckerberg!

Ich schreibe das aus aktuellem Anlass. Aber dieses Mal meine ich es ernst. Dieses Mal bin ich sehr nüchtern zu der Überzeugung gekommen, dass Uschis und meine Freundschaft ihr Haltbarkeitsdatum einfach überschritten hat. Ich habe sogar ein Diagramm gemalt. Mit bunten Filzern und Geodreieck. Brainstorming galore. War alles sehr einleuchtend und logisch. Und jetzt sitze ich hier, habe alle Nummern gelöscht, mit Tipp-Ex im Adressbuch rumgeferkelt, Fotos weggeschmissen und mich weiteren furchtbar infantilen Gesten hingegeben. Denn diesmal meine ich’s ernst. 

Wirklich.

Echt jetzt.

Aber hallo.


Total.

WIRKLICH!!!

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