Freitag, 3. Dezember 2010

Wer braucht schon Kiwis?

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Ich musste noch nie ein Tier im Tierheim abgeben. Gut, oft hat meine Katze das Problem einer eventuellen Überbevölkerung in meiner Wohnung auf eine sehr galante und stillschweigende Art und Weise gelöst. Aber nun ist sie tot und ich stand da mit zwei jungen Ratten und meinem Inhalator.

Ich hatte seit Jahren keinen Käfig mit Streu in meiner Wohnung gehabt. Die letzten Möhrenknatternden Viecher hatten einen großen Stall im Garten. Nur die ewig kötzelnde Katze und ich lebten selig und allein hier oben – so wie es sich für langsam vertrocknende Jungfern gehört.

Ich hatte durchaus gemerkt, dass meine Allergien in den letzten Jahren schlimmer geworden waren. Kein Monat verging, an dem ich nicht eine weitere Frucht in meinen Allergikerpass eintrugen durfte. Aber hey, who needs kiwis? Oder Äpfel. Birnen. Melonen. Nektarinen. Pflaumen. Milben. Gräser. Bäume. Nüsse. Zigaretten. Staub. Im Grunde bin ich gegen diesen verdammten Planeten allergisch.

Und eigentlich hätte ich es wissen müssen. Denn meinen allerersten Asthmaschub hatte ich wegen Zebrapisse. Damals im Jahr 2001. Ich, der Kölner Zoo und die Ställe der Zebras. Drei Tage lang Ställe misten. Vollgepisstes Heu, vollgekacktes Stroh. Der erfahrene Allergiker weiß, man ist nicht gegen das Tier selbst allergisch, sondern gegen dessen Speichel und Urin. Und fünzig Trillionen Liter Zebrapisse einatmen ist nicht soooo gut. Habe ich dann gemerkt. Ganz unschöne Erfahrung. Ersticken ist generell eher unschön.

Ich hätte es also wissen müssen. Aber ich hatte zehn Jahre mit dem liebenswerten Fleischklops, der sich Katze schimpfte, Bad und Bett geteilt und alles war tutti. Also machte ich einen auf das-Glas-ist-halb-voll und erkannte nun bald, dass das Glas nicht nur vollkommen leer war, sondern auch, dass ich von nun an immer einen Inhalator im Handtäschchen führen musste.

Als ich anfing Dinge auszuhusten, die ich weder in meinem Körper wissen, geschweige denn nach einer Hustenattacke auf meinem Notebook sehen wollte, wusste ich, die Kleinen mussten leider wieder gehen.

Und so standen wir heute vor dem Bonner Tierheim, wo ich schon aufgrund des unfassbar sympathischen Telefongesprächs mit einer unfassbar sympathischen Dame so gar keine Lust hatte reinzugehen. Mir ist klar, dass die Arbeit dort nicht immer easypeasy ist und es hart ist mitanzusehen, wie Tiere ausgesetzt werden, misshandelt und und und. Aber liebe Dame, deren Namen ich nicht weiß, denn sie fand nicht, dass wir uns vorstellen mussten oder generell begrüßen, vielleicht kannst du dir unter deinem Lockenkopf vielleicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die sich nicht leicht von ihren Tieren trennen und wenn ich nicht jede Nacht wie eine schlechte Darth Vader Karikatur nach Luft schnappend durchs Bett hopsen würde, würde ich meine Ratten auch sicher nicht abgeben. Ich weiß nicht, was dich so verhärmt hat, ob du einen schlechten Tag oder ein schlechtes Leben hattest, ob du einfach mal ordentlich durchgenudelt werden musst oder ob du dich einfach so wie eine beschissene Schneekönigin aufführst, der die Arroganz aus allen Poren kriecht, aber lass mich dir sagen: Ich fand dich sehr unhöflich und ich fände es gar löblich, wenn du einfach tot umfallen könntest.

In diesem Sinne noch eine schöne Vorweihnachtszeit.