Mittwoch, 29. Dezember 2010

Claudia 2.0

Wie dem aufmerksamen Leser in der Vergangenheit sicher nicht entgangen ist, wäre ich in Wirklichkeit gerne ganz anders als ich bin. (Falls Sie nicht wissen, wovon ich rede, dürfen sie das hier: "ÖDON" und hier: "ICH HABE KEINEN PENIS" nochmal nachlesen.)

Nun bin ich seit einiger Zeit dabei Veränderungen durchzuführen. Ich schreibe all die kleinen Dingen auf, die ich machen möchte, Dinge, die ich haben möchte, Dinge, von denen ich glaube, dass ich sie mögen sollte. Ich versuche mich sozusagen zu optimieren. Upzudaten. Claudia 2.0.

Abgesehen davon, dass ich mich damit abgefunden habe, dass Gott in einem wirren Koksrausch beschloss, mich als Frau auf diesen Planeten zu schicken, so dass ich mich einreihen kann zwischen hunderten von Schriftstellerinnen, die ich alle im höchsten Maße kacke finde - außer Sibylle Berg. Aber die Berg, das wissen wir, ist nicht von diesem Planeten – oh, der Satz hat kein vernünftiges Ende. Verklagt mich.

Also, abgesehen von dieser Penissache und der Tatsache, dass ohne Penis ein schickes mit Edding aufgemaltes Robert-Downey-Jr.-Kinnbärtchen irgendwie lächerlich aussehen würde, gibt es noch eine Menge von anderen Dingen, die ich haben will, die ich ändern muss, um mich upzugraden.

Natürlich ist Claudia 2.0 super dünn. Is’ klar. Sie trinkt auch keine Cola Light mehr, sondern schwarzen Tee. Und Rotwein. Sie hat eine Taschenuhr und einen richtigen Füller [keinen knatschblauen von Lamy], raucht Dessert-Zigarillos aus einem Silberetui, tippt auf einer alten Consul-Schreibmaschine und sitzt abends in einem Ohrensessel und hört Chopin auf einem Plattenspieler. Sie trägt Stoffhosen und Blusen mit Westen. Fährt einen alten VW-Käfer, ach, und ein Klavier hat sie auch. Natürlich.

So ungefähr.

Jetzt könnte man natürlich sagen: “Uh, du definierst dich aber stark durch solche Oberflächlichkeiten.” Und dann sag’ ich: “Yeah. What’s your point?”

Wir sind doch das, was wir nach außen tragen. Was wir selbst tragen, welches Auto wir fahren, ob wir rauchen oder zuviel Alkohol trinken, wenn wir unsere Wohnung komplett in gelb streichen oder allgemein ganz karg einrichten – all das sagt etwas über uns aus. Und selbst die, die versuchen auszubrechen, den Konventionen nicht zu folgen, sich H&M und Esprit und der Shampooindustrie verweigern, sagen durch ihren “natürlichen Look” wieder aus, wer sie sind, wer sie sein wollen, was sie darstellen wollen.

So sind wir Menschen.

Aber das ist okay.

Ich kann wunderbar damit leben, mich auf solche Äußerlichkeiten zu reduzieren. Ich werde sogar dafür sorgen, dass die Taschenuhr, die Schreibmaschine & Co. mit mir beerdigt werden  - nur mit dem Ohrensessel könnte es Probleme bei der Bestattung geben.

Also, ich werde oben eine Seite einrichten, auf der ich alle Sachen schreibe, die haben bzw. verändern will und wir werden sehen, ob am Ende wirklich Claudia 2.0 dabei rauskommt oder nur Claudia 1.0 mit einer Taschenuhr und einer Schreibmaschine.