Mittwoch, 24. November 2010

Promillepopille

Ich bin zu zwei Erkenntnissen gekommen. Eigentlich ist es nur eine, aber irgendwie doch zwei und irgendwie bin ich ein bisschen betrunken. Daher nehmen Sie es mir bitte nicht übel, wenn das Folgende für Sie keinen Sinn ergibt. (Bitte nehmen Sie es mir auch nicht übel, dass ich Sie sieze, aber ich – wie zur Hölle wird siezen geschrieben?!)

Also, die Erkenntnis ist folgende: Meine Freunde kennen meinen Blog und das ist kind of sucky. Früher, ja früher, kurz nach dem Krieg, da war das anders. Da saß ich frisch gepampert vor diesem Ding, diesem Blog, wusste nicht recht, was ich damit anfangen sollte, wir hatten ja auch nix, damals, würgte Unausgegorenes auf die Tastatur und war froh, wenn das Unausgegorene von meinen Freunden gelesen wurde. Die hatten als Einzige den Link. Und mussten den Blog lesen. Weil ich sie abfragte. Weil ich wie ein kleiner Diktator mit Schnäuzer und Seitenscheitel (ich sollte viel öfter Seitenscheitel tragen) darauf bestand, dass sie ihn lesen. Weil, wenn sie ihn nicht lesen, liest ihn ja keiner und wozu dann das Ganze? Sinnfragen galore.

Das war 2008.

26 Monate später sieht es anders aus. Dieser Blog ist öffentlich. Man kann ihn bei Google finden. Er wird gelesen (Mir nicht immer verständlich, wieso, aber das haben Sie selbst zu verantworten). Nicht von abertausenden, aber so, dass ich weiß, ich maule hier nicht gegen eine Wand. Meine Freunde lesen ihn immer noch. Manchmal. Hin und wieder. Unregelmäßig, denn sie werden ja nicht mehr abgefragt.

And theeeeeere’s the problem.

Wenn ich über Twitter schreibe, schreibe ich T W I T T E R, schreibe ich über einen bestimmten Twitterer oder Blogger nenne ich ihn meistens beim Namen und wenn nicht, tut das inhaltlich nichts zur Sache.

Wenn ich über einen Freund, eine Freundin oder Freundschaft schreibe, nenne ich (natürlich) keine Namen. And – again – there’s the problem. Bestes Beispiel kürzlich: Die, über die ich schrieb, liest meinen Blog gar nicht mehr, stattdessen meldete sich sofort eine andere, ob ich sie meinen würde und noch eine andere (auf die der Post dummerweise auch wie die Faust aufs Blöggchenauge passte), meldet sich seitdem gar nicht mehr (Huhu! Ja, du!!).

Einerseits mag ich es, wenn mein persönliches Umfeld den Blog liest, so sind sie informiert und wenn ich sie sehe, muss ich nicht nochmal alles erzählen. Es erspart mir Zeit. Und Spucke. Spucke wächst nicht auf den Bäumen!

Aber andererseits ist es ja auch sucky. Denn blablasieheobenblabla. Ich kann nicht frei schreiben, ohne zu befürchten, jemanden vielleicht vor den Kopf zu stoßen. Es ist ja nicht so, dass ich ein eiskaltes, herzloses Miststück wäre. Also zumindest nicht die ganze Zeit. Und ein Teil meines verkorksten Ichs hängt ja noch an diesen sozialen Bindungen, die man teilweise seit bis zu zwanzig Jahren wie Gedärme, die zufällig rausgefallen sind, hinter sich herschleift. Sie gehören irgendwie zu einem. Sind halt da. Und gedärmen so vor sich hin.

Sehen wir das, trotz steigenden Alkoholpegels, doch mal pragmatisch. Also, ich werde keinen neuen Blog aufmachen. Das hier ist mein Bibababy (ja, ich muss beim nochmaligen Lesen bei dem Wort auch ein wenig würgen). Ich werde ihn auch nicht umbenennen, um auf eine raffinierte Weise meine Verfolger abzuschütteln, denn ich bin orbisclaudiae, et basta bitches. Also bleibt nur die Wahl zwischen “Ich schreibe nicht mehr über Dinge, die im Zusammenhang mit meinen Freunden stehen” und “Meine Freunde müssen sich ein dickeres Fell zulegen oder mir die Freundschaft kündigen”.

Die Entscheidung ist einfach.

Sehen Sie nächste Woche an dieser Stelle: WARUM CORINNAS FRISUR AUSSIEHT WIE MOPPELKOTZE.

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