Samstag, 13. November 2010

hässlich und wunderschön

Es ist kalt. Arschkalt. Aber das ist egal. Der Boden ist vom Regen aufgeweicht, überall Pfützen, Matsch. Auch das ist egal. Es riecht nach frischen Waffeln mit Puderzucker. Zwei Meter weiter riecht es nach Weihrauch. Nach Maiskolben mit warmer Butter. Nach orientalischen Gewürzen. Meine Hose zieht genüsslich das Regenwasser in sich auf. Ich grinse und fühle so etwas, was andere Menschen wohl Glückseligkeit nennen. So ein warmes, wohliges Gefühl im ganzen Körper, das macht, dass sich die Mundwinkel seltsam verzückt nach oben ziehen und die Augen strahlen.

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Ich bin in Berlin. Dreizehn Monate war ich nicht hier und die Stadt ist so hässlich und wunderschön, wie ich sie in Erinnerung hatte. Ich fahre mit dem Auto, der Bahn, der Tram, dem Bus kreuz und quer durch die Stadt, laufe durch Schöneberg, Friedrichshain, Mitte, Prenzlauer Berg, laufe und laufe, trinke Becherweise Kaffee bei Balzac, suche und finde am Mauerpark alle meine Lieblingsstände, stromere zu meinen Lieblingsplätzen, meinen Lieblingscafés, erkläre Touristen, wie sie am schnellsten zum Alexanderplatz kommen, stelle erleichtert fest, dass alles so toll und schön und groß und bunt und verrückt ist, wie vor einem Jahr. Ich sauge alles in mich auf. Brauche keine Kamera, knipse mit den Wimpern imaginäre Fotos für meine Kleinhirnrinde. Ich fühle mich wohl, fühle mich zuhause, angekommen, wenn auch nur kurz, denn ich muss wieder zurück. Nach Nicht-Berlin. Im Auto muss ich kotzen, ich bilde mir ein, weil mein Körper mir damit sagen möchte, er fände die Heimfahrt per se zum Kotzen und nicht weil der Burger schlecht war. Doch es sind nur noch elf Monate. Maximum. Meinen 29. Geburtstag, das habe ich geschworen, feiere ich in Berlin. Nur noch elf Monate, nur noch elf Monate, nur noch... ♥