Mittwoch, 17. November 2010

fuck yeah happiness

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In meiner Familie spielt glücklich sein keine große Rolle. Sicher, keiner will, dass man unglücklich ist.. aber es gibt Dinge, die wichtiger sind. Ein regelmäßiges Einkommen. Rentenversicherung. Ein Job, der dem eigenen Status angemessen ist (was immer das heißt). Finanzielle Absicherung. Ein ordentliches Erscheinungsbild. Im Grunde alles, was mit Geld und Status zu tun. Diese Dinge vermitteln Beständigkeit, Sicherheit. Sie sind erstrebenswert, sind gut, richtig. Glücklich sein ergibt sich dann schon ganz automatisch. Und wenn nicht, dann stimmt irgendwas nicht mit einem.

Und da komme ich ins Spiel. Denn mit mir stimmt irgendwas nicht. Angefangen mit dem Drang, Haustiere haben zu wollen (“Fasst du die denn auch an?”) über Tattoos (“Das ist ja nicht echt, oder?!!”) bis zu dem Gedanken, nächstes Jahr nach meinem Abschluss einfach nach Berlin zu gehen, sich einen Job zu suchen, irgendwo, als Kellnerin, whatever, und ansonsten nur zu lesen, zu schreiben, zu zeichnen, zu malen. Nichts anderes.

Aber das kann ich nicht. Meinen die. Ich sei dann Akademikerin. Ich habe dann einen bestimmten Wert. Bei Leffers in der Unterwäscheabteilung zu arbeiten, sei darunter. Sie verstehen es nicht. Wie könnten sie auch? Sie kennen nicht das Gefühl der grenzenlosen Befriedigung, wenn man eine Kurzgeschichte geschrieben hat, die Laute der Verzückung, wenn man gezeichnet hat und grunzend vor Glück sein Werk betrachtet.

Ich selbst hatte es vergessen.

Als ich in der Oberstufe war, hatte ich mir eisern geschworen, mich bei Kunsthochschulen zu bewerben. Einfach nur, damit ich mich mit vierzig nicht fragen muss, was wäre wenn gewesen. Dann bewarb sich eine sehr gute Freundin bei mehreren Kunst- und Designhochschulen. Und wurde abgelehnt. Überall. Ich hatte ihre Mappe gesehen, wir hatten gemeinsam überlegt, was sie rein tun sollte, welches Bild gut war, ich war sogar mit ihr zu einer der Unis gefahren.. stellvertretend durch sie habe ich alles durchlaufen. Stellvertretend durch sie bin ich abgelehnt worden.

Ich habe es nie probiert. Und es nie bereut.

Bis vor wenigen Wochen. Sicher, ich habe in den vergangenen acht Jahren immer wieder gemalt und gezeichnet. Vorrangig in langweiligen Vorlesungen. Mal mehr, mal weniger. Hin und wieder für eine Freundin. Und dann, nachdem ich jetzt längere Zeit die Stifte nicht mehr in der Hand hatte und mich wieder ransetzte, bemerkte ich plötzlich, dass ich etwas verspürte, was in den letzten Jahren merklich abgenommen hatte: Spaß.

Unbenannt mit Klammer2Ich hatte ganz vergessen, wie sich das anfühlt. Spaß. Zufriedenheit. Befriedigung. Glücklich sein. Alles nur mit einem Blatt Papier, einem Bleistift, einem Radiergummi und einem 0,05er Pigmentstift.

Nicht jeder Mensch weiß, was einen glücklich macht. Sie suchen umher, meinen was zu finden, irren sich, suchen weiter. Wie glücklich darf ich mich allein schon schätzen, zu wissen, was mich glücklich macht. Dinge entstehen zu lassen, von der Idee angefangen, über das erste Wort, den ersten Strich bis zum zufriedenen Grunzen am Ende. Nicht immer gelingt es, die Idee richtig umzusetzen, aber wenn, möchte mein kleines schwarzes Herz platzen vor glucksendem Lachen.

Fuck you Rentenversicherung. Someone give me a pencil!!

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