Mittwoch, 29. September 2010

Fuck. Die Milch ist alle.

Facebook. Das erste, was ich morgens anschmeiße (noch vor Twitter) ist Facebook. Ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich kokse nicht – meine schlechte Angewohnheit heißt Facebook.

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Zum Verständnis: Ich habe zwei Accounts. Den orbisclaudiae-Account und den privaten, deren Mitgliederzahl ich kürzlich auf zwanzig kürzte.

Und jetzt schaue ich mir diese Zwanzig an und denke “Puh, och ne.” Die eine habe ich seit drei Jahren nicht mehr gesehen. Die andere redet seit Monaten nicht mehr mit mir. Die da braucht eine Woche, um auf eine Nachricht von mir zu reagieren. Und die dort lässt mich noch nicht mal auf ihre Pinnwand schreiben.

Irgendwie verliert Facebook für mich als Privatperson den Reiz.

Und ich frage mich, wie war das denn damals, VOR Facebook und StudiVZ?! Als ich nicht das unnatürlich starke Bedürfnis hatte, jedem Furz aus meinem Bekanntenkreis sofort mitzuteilen, wenn ich zu IKEA fahre oder die Milch alle ist? Diese Trivialitäten des Alltags, die doch keinen interessieren, weil sie einfach in der langweiligsten aller Formen auf irgendeine Pinnwand gerotzt werden.

“Heute Abend fette Party!”
“Mein Prof ist ja so ein Arsch.”
“Hurra, mein Hund ist stubenrein.”

Verzeihung, aber wenn der Tag mit @hoch21, @st4rbucks und @i_need_coffee beginnt, dann kann ein “Puh. Heute drei Stunden Mathe.” nur zu spontaner Narkolepsie führen.

Das ist die eine Sache, und die andere ist nun mal, dass ich in die meisten Profilbilder meiner Freunde glotze und denke “Isch habe eusch nüschts zu sagen!” Wenn ihr wissen wollt, was mich beschäftigt, ruft mich doch an, schreibt ‘nen Brief, malt mir ein Bild. Wenn ihr die Fotos meines letzten Urlaubs sehen wollt, kommt vorbei, ich mache euch einen Kaffee, backe Kuchen und zeige sie euch.

Facebook an sich ist eine gute Sache, um Kontakt mit Leuten zu halten, um sich auszutauschen, um Links und Bilder mit einander zu teilen – aber ich habe Twitter, ich habe meinen Blog, ich habe Tumblr, ich habe einen Zweitaccount, auf dessen Pinnwand niemals der Satz “Fuck. Die Milch ist alle.” erscheinen wird. Vielleicht “Fuck. Der Wodka ist alle.” aber es ist ja wohl verständlich, dass ich derlei Nöte dann auch mit der Welt teilen muss.

Lange Rede, kurzer Sinn: Tschüss privater Account, mach disch fott. Vielleicht komme ich eines Tages wieder, wenn der Failwhale sein grausames Terrorregime für immer über Twitter errichtet oder ich von meinem Schicksal als arbeitslose Akademikern so angeödet bin, dass ich mehr Betätigungsfelder brauche, um mein Umfeld ebenfalls anzuöden. Bis dahin, Schalom dann..