Dienstag, 10. August 2010

unbehagliches Unbehagen

Eines Morgens wachst du auf und realisierst, dass zwischen September 2008 (als dieses Blog gestartet wurde) und heute deine Anonymität flöten gegangen ist. Gut, du hast freimütig deinen Vornamen preisgegeben und rumpalavert, dass du in Bonn studierst, aber wen hat das damals schon interessiert? Im September 2008?

Als ich dieses Blog damals unbedarft auf die Weltbühne warf, hatte es genau einen Leser. Meine beste Freundin, die sich damals ebenfalls gerade im Bloggen versuchte. Fast zwei Jahre später installierte ich einen Zähler auf der Seite und war schon irgendwie entsetzt, dass im Juli mein Blog über 1.500x Blog angeklickt wurde. Natürlich hängt das eng mit dem Medium Twitter zusammen, wo ich jeden neu zusammengefrimelten Post mit stolzgewellter Brust präsentiere. Wie ein Kleinkind, das seiner Mutti mit naiver Selbstsicherheit das vollgekackte Pöttchen zeigt: “Schau mal, was ich gemacht habe! Krieg’ ich jetzt ein Bonbon?”

Aber zusammen mit der Tatsache, dass zwei Kommilitonen der Uni Bonn (die ich nicht näher kenne) mein Blog kommentierten und eine ehemalige Kollegin mit orbisclaudiae bei Facebook befreundet sein möchte, macht mir das ein wenig Angst. Ich habe nie einem Kommilitonen oder einem Kollegen meinen Twitteraccount oder das Blog gezeigt. Aus meinem privatem Umfeld haben nicht mal zehn Leuten Zugriff auf diese Seiten.

amelie-poulain-zorroStück für Stück geht meine Anonymität flöten. Ich bin nicht mehr Irgendjemand, keine x-beliebige Claudia, bin nicht mehr nur orbisclaudiae, werde fassbar, sichtbar. Angreifbar. Angesichts der ausschweifenden Motzerei, der ich hier fröne gefällt mir das alles irgendwie so ganz und gar nicht.
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Ich habe mich immer gefragt, wieso Blogger ihr Blog schließen und einen neues aufmachen. Und auch, wenn ich das inzwischen nachvollziehen kann, bin ich noch nicht an einem Punkt, an dem ich das auch mache. Dieses Blog ist meine Gesprächstherapie. Meine Art die Dinge aus meinem Kopf auszusondern.

Und solange ich nicht das Gefühl habe, dass ich mich selbst zensiere, aus Furcht, man könnte mir aus meinen eigenen Worten einen Strick drehen, wird es auch dabei bleiben.

Doch das Unbehagen bleibt.

Es bleibt ein gar unbehagliches Unbehagen.

[Some of the images are found on tumblr (or somewhere else on the internet). If I violated any copyrights you might have, please do not hesitate to contact me and I will remove the picture.]