Sonntag, 29. August 2010

Manfred

Meine Wohnung. Meine Wohnung ist eher klein. Meine Wohnung ist sogar ziemlich klein. An manchen Tagen mag ich sie. An anderen weniger. Wesentlich ist aber, meine Wohnung lebt. Denn meine Wohnung ist von einem Dämon besessen. Es ist ein kleiner Dämon, aber trotzdem ein fieser Dämon. Der Dämon heißt Manfred. Manfred sorgt dafür, dass mein Klo verstopft, dass meine Wohnungstür durch einen Luftzug von alleine aufspringt, dass meine Heizung nur dann funktioniert, wenn es tagsüber unter 0°C war und, und, und.

Da Manfred weiß, dass ich nächstes Jahr nach Berlin ziehe, möchte Manfred, weil er auch ein pädagogischer Dämon ist, dass ich mich auf meine Zeit als mittellose Künstlerin/Promotionsstudentin jetzt schon vorbereite. Deswegen lässt Manfred es genau in diesem Moment durchs Dach regnen (ich wohne dummerweise genau unter dem selben) und zwar (weil’s lustiger ist) auf meinen Schreibtisch, auf meine Magistersachen – und die Spritzer reichen natürlich genau bis aufs Notebook..

Ich fluche nicht. Ich schreie oder tobe auch nicht. Ich sitze einfach hier, an meinem Schreibtisch, völlig Zen, völlig eins mit mir, der Welt und Manfred, und beobachte wie das Wasser auf meinen Schreibtisch platscht.

Platsch.

Platsch.

Platsch.

Carl Spitzweg - Der arme Poet