Freitag, 20. August 2010

Gewagt und ein wenig abartig

Oh mein Gott. OH MEIN GOTT. Ich gucke ja wirklich viel fern, aber OH MEIN GOTT mir war nicht bewusst, wie viel und vor allem wie viel Schmonsens!

Eine Freundin von mir will aus unterschiedlichen Gründen den Fernseher abschaffen. Radikal, ich weiß, ich war auch entsetzt, ein Leben ohne Fernseher, ohne Serien. Hätte mein Leben noch einen Sinn? Könnte ich ohne weiterleben?

Also schrieb ich sie auf, alle Serien, die mir so in den Sinn kamen, die ich im Laufe des Tages mal mehr, mal weniger aufmerksam konsumiere. Und als die Liste länger und länger wurde (ich weise gerne nochmal daraufhin, dass ich Studentin bin und fast den ganzen Tag zuhause..), da dachte ich bei mir “HOLY SHIT. DAS IST JA ALLES TOTALER SCHMONSENS, WAS DU DA GUCKST.”

Ein kurzer Auszug gefällig? (in nicht chronologischer Reihenfolge)

Scrubs. Unter Uns. GZSZ. Verbotene Liebe. Marienhof. Alles was zählt. How I met your mother. Rote Rosen. Sturm der Liebe. Reich und Schön. Gilmore Girls. Two and a half men. CSI (Vegas, Miami und New York). Bones. King of Queens. Law & Order. Law & Order: Criminal Intent. Law & Order: Special Victims Unit. Frauentausch. Hanna – Folge deinem Herzen. Ghostwhisperer. Cold Case. The Closer. Switch Reloaded. Anna und die Liebe. Mein Revier – Ordnung muss sein. Grey’s Anatomy. Private Practice. Und wirklich jeden Doku-Real-Life-Shit auf MTV.

Es hat im zarten Alter von etwa 13 angefangen, als ich nach der Schule alleine zuhause war und als erstes VOX eingeschaltet habe (wir hatten ansonsten außer den öffentlich-rechtlichen keine anderen Programme) und mich mit CHiPS, Ein Colt für alle Fälle, Starsky & Hutch, Vegas in eine bessere Welt träumte. 15 Jahre später läuft keine dieser Serien mehr und stattdessen schaue ich jeden Tag etwa 12 Stunden Müll. Ich schaue ihn meistens nicht wirklich. Er plätschert im Hintergrund, während ich lerne, mir was zu essen mache, das Klo putze, Wäsche wegräume etc. etc. Aber das ich ihn nur so lala gucke, macht den Müll zu nicht weniger Müll.

Daher mache ich jetzt etwas, was wirklich krass ist. Radikal. Revolutionär. Gewagt. Vielleicht auch ein wenig abartig. Ich bringe den Fernseher in den Keller.

Mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Es läuft gerade ‘Verbotene Liebe’. Die Hände zittern wie bei einem Drogenabhängigen, der vor der Tür der Entzugsklinik steht und nochmal schnell seinen letzten Joint raucht. Schweißausbrüche. Gleich kommt ‘Marienhof’. Dann ‘Anna und die Liebe’. ‘Alles was zählt’. ‘Gute Zeiten Schlechte Zeiten’. Blanke Panik. “Hallo, mein Name ist Claudia und ich bin süchtig.” “Hallo Claudia!”

Liebevoll schäle ich den Fernseher aus der Umarmung des Regals. Mit fünfzehn bin ich mit dem Fahrrad zum Elektrohändler im nächsten Ort gefahren und habe ihn gekauft. 300 Mark hat er damals gekostet. Ein Vermögen! Grob geschätzt habe ich etwa 23.725 Stunden auf ihm ferngesehen. Vermutlich das doppelte. Und nun ist da, wo er war, nur Leere.

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