Dienstag, 13. Juli 2010

Es war einmal ein Frettchen

Es war einmal ein Frettchen. Dieses Frettchen war nicht sehr schön und auch nicht sehr schlau und außerdem roch es noch ein wenig fragwürdig.

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Eines Tages meldete sich das Frettchen im Historischen Seminar der Uni Bonn zu einem Hauptseminar an. Wie dieses Seminar lautete oder wie der Professor hieß, der es leitete, ist unerheblich. Wichtig ist nur, dass in diesem Hauptseminar auch das uns bekannte junge Ding saß.

Das junge Ding mochte das Frettchen von Anfang an nicht. Denn das junge Ding verfügte über eine voll funktionstüchtige Nase und konnte trotz Sehschwäche ein erbarmungsloses Urteil bezüglich nicht existenter Ästhetik fällen (man trägt zu schwarzen Schuhen und schwarzer Hose keine weißen Socken und ein Jutebeutel ist kein Accessoire – sowas weiß man doch aus der Vogue!).

Abgesehen vom Offensichtlichen ahnte das junge Ding, dass dieses Frettchen so ganz und gar nicht koscher war. Und so verband sie vom ersten Seminartag an mit dem Frettchen eine gesunde, wohlproportionierte Antipathie, der sie durch das allseits bekannte böse Starren Ausdruck verlieh.

Nun geschah es, dass das junge Ding am Abend nach dem vorletzten Seminartag aus Langeweile ein paar Kommilitonen via Google stalkte.

Und als sie so vor sich hin stalkte, stieß sie auf ein Foto, auf dem das Frettchen mit demolierter Fresse abgebildet war. Offenbar war das Frettchen auf zwei Bürger gestoßen, die über das Frettchen etwas wussten, was das junge Ding erst jetzt erfahren sollte: Denn das Frettchen war gar kein Frettchen, sondern eine rechte Ratte.

Das junge Ding saß blinzelnd und ungläubig vor dem Computer. Sie hatte von rechten Ratten gehört, wusste, dass es sie gab, aber sie kannte keine. Dem jungen Ding schien der Kopf zu platzen. Was sollte sie tun? Sollte sie etwas tun? Sie musste doch etwas tun! Irgendwas! Sie konnte nicht einfach nur registrieren, dass ein ehemaliges NPD-Mitglied und jetziges Pro-NRW-Mitglied in ihrem Seminar saß, und zur Tagesordnung übergehen. Also, was tun?

Das junge Ding dachte erst daran einen Jutebeutel mit “Nazis raus!” zu besticken. Die zweite Idee bestand aus einem T-Shirt, auf dem “Pro NRW” stand, wobei sich zwischen “Pro” und “NRW” ein kecker Mittelfinger befinden sollte. Das junge Ding seufzte. Die offensiv-aggressive Taktik war nicht ihr Metier..

Also besann sich das junge Ding auf das, was sie konnte: immer nah am Wahnsinn, mit einem Zwinkern im Auge und einem Grinsen auf den Lippen.

Mit Hilfe ihrer Twitter-Freumde™ erfand sie Prof. Dr. Dr. Snorri Johannson-Bergström, das Medizinisch-Experimentelle Seminar, die Universität Nonthaburi, die Schmock-Ursachenforschung sowie die Hormonintrapulationsmethode, mit der pathologische Schrumpfhirne™ zum Wachsen gebracht werden können. Schnell wurden noch ein paar Bildchen gezeichnet und der Fyler inklusive Homepage ward geboren!

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Das junge Ding radelte selig zum Seminar, hängte den Flyer auf, verteilte ihn großzügig und platzierte ihn freudig grunzend auf den Platz des Frettchens..

Oh, welche Verzückung durchströmte den Leib des jungen Dings, als das Frettchen hereinkam, den Zettel fand und ihm beim Lesen alle Gesichtszüge entglitten. Ein panischer Blick in die Runde folgte, worauf das junge Ding mit fröhlichen Lächeln reagierte, dann legte das Frettchen seine Tasche auf den Flyer und ließ beides extrem unauffällig auf den Stuhl neben sich gleiten.

Die restlichen 90 Minuten ergötzte sich das junge Ding an dem doch recht verunsicherten Blick des Frettchens, der wohl allzu gerne wissen würde, wer dieser Prof. Dr. Dr. Snorri Johannson-Bergström war und woher er wusste, dass gerade er an einem pathologischen Schrumpfhirn™ leidete?!