Donnerstag, 3. Juni 2010

Einmachgläser für Erinnerungen gesucht

Seitdem ich letzten Herbst die tollsten 40 Tage meines Lebens in Berlin verbrachte, war für mich klar, dass ich nach dem längst überfälligen Uniabschluss 2011 nach ebendort ziehen will/werde/muss.

Was ich dort machen werde, ist noch höchst unklar. Vielleicht promoviere ich, vielleicht kaufe ich mir auch eine schön bequeme Jogginghose, beziehe Hartz IV und trinke den ganzen Tag Vitamalz. Wesentlich ist nur: Ich will nach Berlin. Basta.

Abgesehen davon, dass dieses ganze Alles-auf-Anfang-Umzug-Dings nicht billig werden wird und ich spare, wo ich nur kann – wenn ich nicht gerade meine Kreditkarte belaste, um seltene Tiere bei Farmville kaufen zu können – besteht ein ebenso großes Problem darin, dass ich leicht messiehafte Anwandlungen habe.

Ich wohne seit zehn Jahren hier und scheiss die Wand an: Ich habe echt viel Nippes angesammelt. Und da ich will, dass nächstes Jahr alles ganz schnell geht und ich keine Lust habe, dann groß rumzusortieren, fange ich jetzt schon an. Mit durchwachsenem Erfolg. Denn was macht einen Messie aus? Eben, dass er sich so schlecht von Sachen trennen kann!

Und so geschah es, als ich einen Schuhkarton mit Kram von meiner Israelreise von 2007 durchrödelte, dies fand:

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Ihr kennt doch sicher diese Glühstäbe und –armbänder, die normalerweise in Diskotheken verteilt werden (glaube ich zumindest, ich persönlich suche diese Örtlichkeiten ja nicht auf).

2007, in einer lauen Sommernacht, trottete eine Horde Amerikaner und Europäer bei einer “Mondwanderung” durch den Negev, jeder von ihnen bestückt mit so einem Glühding. Taschenlampen gab’s nicht, der Mond war ja da, auch wenn wir teilweise von dem nichts sahen, da wir tief unten in irgendwelchen Wüstenkratern herumschlurfen und überlegten, dass es doch sicherlich schönere Orte gab, um zu krepieren.

Wenn ich dieses Armband ansehe, denke ich an diese Nacht. Sie wird wieder lebendig. Und irgendwie existiert in meinem Köpfchen der Glaube, dass, wenn ich dieses Armband wegschmeisse, auch die Erinnerung flöten geht. Des is’ natürlich Schmonsens! Und trotzdem.. hach..

Ich werde dieses Armband gleich wegschmeissen, so wie ich jeden Nippes wegschmeissen werde, den ich nicht mit nach Berlin nehme. Denn nun habe ich hier und heute die Erinnerung protokolliert, und ich brauche das Ding nicht mehr.

Und daher werde ich das von nun an bis zum Umzug mit jedem Nippeskram mache, mit dem ich sentimentalen Unfug verbinde: ich werde die Erinnerung niederschreiben und die Gefühle in kleinen, virtuellen Einmachgläsern konservieren.