Freitag, 23. April 2010

Freunde, Fremde, Freumde

Im Februar schrieb rawr_it in ihrem Blog über das Vermischen der Grenzen der Realwelt und der Internetwelt und wie sehr sie diese Grenzen hütet. Seitdem ich den Post gelesen habe, muss ich wieder und wieder und wieder darüber nachdenken.

Interessanterweise hatte ich bis zu dem heutigen Tag eher ein umgekehrtes Verhältnis zur Abgrenzung zwischen Real- und Internetwelt. Nur eine Handvoll Menschen aus meinem real life haben meine Blogadresse und von dieser Handvoll Menschen lesen etwa nur 10% den Blog hin und wieder, meistens jedoch nie. Erst recht haben sie keine Ahnung, was ich tagtäglich bei Twitter für einen Unsinn verzapfe. Und das ist auch gut so.

Denn sowohl in meinem Blog, aber vor allem bei Twitter, bin ich ehrlich. So ehrlich und auf eine abstrakte Weise intim, wie ich es bei den sogenannten ‘Freunden’ auf Facebook niemals bin. Denn meine Follower treffen sich nicht zum Kaffee und lästern über meine Tweets oder meinen Blog oder mein Leben. Wenn sie mich scheisse finden, entfollowen sie mich oder lesen den Blog einfach nicht. Das ist unkompliziert und – ehrlich.

Diese Ehrlichkeit funktioniert durch die Distanz, die Twitter und die Blogsphäre schafft – räumlich, aber auch emotional. Manchmal jedoch verringert sich diese Distanz. Man merkt es gar nicht. Man merkt es erst, wenn das Verhalten des anderen (wohlgemerkt eine Person, die man noch nie in seinem Leben getroffen hat, von der man nur eine diffuse Vorstellung in seinem Köpfchen hat, die meist so gar nichts mit der Realität zu tun hat) einen kränkt oder verletzt.

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Und das war heute so. Ohne es zu wollen habe ich heute jemanden in der Internetwelt gekränkt und der hat sogleich zurückgeschossen. Aber dermaßen, dass ich hauptsächlich davon schockiert war, dass ich überhaupt so schockiert war! Ich war so erschrocken, dass mich so ein Killefick emotional so treffen konnte, mich heute für Stunden so beschäftigt hat, dass ich in diesen Stunden erwog mich erstmal aus der Twitterwelt zurückzuziehen, mich emotional zurückzuziehen, die Distanz, die ich verloren hatte, wiederzugewinnen und einzutauschen gegen das unechte Gefühl der Vertrautheit.

Und obwohl sich die Sache heute wieder geklärt hat, möchte ich doch in Zukunft diese Grenze schärfer ziehen. Die Grenze zwischen orbisclaudiae und dem realen Ich.

Diese Geschöpfe hinter den lustig dreinschauenden Avataren sind nicht meine Freunde, aber sie sind nach fast einem Jahr twittern auch keine Fremden mehr – sie sind Freumde. Wesen aus der sozialen Zwischenwelt. Das muss ich mir nur immer vor Augen halten, dann wird alles tutti…