Montag, 11. Januar 2010

Reif für die Insel

Manche Filme strotzen vor tiefgründigen Weisheiten. Sie strotzen, kleckern und triefen nur so davon.
"About a boy" ist so ein weiser, wegweisender Film. Das ist der Film mit Hugh Grant und dem kleinen, fetten, hässlichen Jungen mit seiner suizidal veranlagten Mutter. Die Geschichte selbst ist nicht besonders weise. Es war vielmehr nur ein Satz ganz am Anfang des Films, den ich so wundervoll fand:

"Jeder ist eine Insel."

Gut, am Ende hat der kleine, fette, hässliche Junge dann gesagt "Keiner ist eine Insel", aber das blende ich aus. Es kann nur eine Wahrheit pro Film geben und ich habe mich für die erste entschieden: Jeder ist eine Insel!!

Ich war schon immer eine Insel, bleibe eine Insel und werde immer eine Insel sein. Zwischendurch bekomme ich Flaschenpost von jemandem von einer anderen Insel oder vom Kontinent, dann setze ich Segel und schippere mit meinem Floß rüber zum Festland. Und dort fällt mir innerhalb von grob geschätzten 7,351 Minuten ein, warum ich nun mal auf einer Insel lebe und nicht auf dem Festland.

Ich bin kein ungeselliger Mensch. Hin und wieder dürstet es mich tatsächlich nach dem Austausch von Gedanken und Meinungen. Hin und wieder.
Das Problem ist nur, ich mag meine Spezies nicht sonderlich. Ich würde mich jetzt nicht unbedingt als einen Misanthropen bezeichnen. Aber wenn man Geschichte studiert (Krieg, Frieden, Krieg, Massenmord, Frieden, Krieg, Krieg, Massenmord, Krieg etc. etc.) und ein wenig aufmerksam Nachrichten schaut, dann fällt es irgendwie schwer ein Fan seiner eigenen Art zu bleiben.
Und jedesmal, wenn ich, gewappnet mit Mitgefühl und Toleranz, hinaus in die weite Welt stürme, um gütiger gegenüber den Menschen in meiner Umgebung zu sein, mir fest vorgenommen habe nun nicht mehr so hart und unnachgiebig mit meinem Urteil zu sein (denn wer im Glashaus sitzt bla bla bla), machen diese Menschen irgendwas dummes, irgendwas nerviges, irgendwas unnettes und schon schält sich der Inquisitor mit einem frisch geschleiften Hackebeilchen aus meinem Inneren. Und mit einem Liedchen auf den Lippen schlägt er fröhlich und selbstgerecht die dummen, nervigen, unnetten Köpfchen von den Hälschen.

Ich gehöre auf eine Insel. Weniger weil ich wirklich finde, dass alle Menschen unerträglich und nicht liebenswert sind, sondern vielmehr, weil ich ganz einfach nicht mit ihnen umgehen kann.
Und in der heutigen Zeit muss man auch immer seltener von seiner Insel runter. Man hat ja Facebook und Twitter und Tumblr und weiss der Kuckuck was. Mir als Freizeit-Misanthropen und Insulaner ist das oft Gedankenaustausch genug. Uh-Oh-Ne mag jetzt der ein oder andere denken, das is' ja jetzt auch nicht sooo normal.

Mag sein, mag sein, aber wissen'se was?

Das ist mir hier auf meiner Insel
pupswurschtegal, was auf dem
Festland so gedacht wird!