Freitag, 29. Januar 2010

according to my day planner..

Furchtbarrrrr. Seit einiger Zeit habe ich das Gefühl überall in meiner Umgebung hocken Menschen, die sich zum allwissenden Berater berufen fühlen. Sie sind überall, lauern hinter Türen, am Telefon, in der Emailbox. Warten und lauern darauf, dass man irgendwas sagt, wozu sie ihren Senf dazu geben können. Furchtbarrrr.

Von der Familie kennt man das ja. Ich sowieso zur Genüge. Egal worum es ging. Ich wollte Kunst studieren. Ne, ne, dann lebt man nachher von der Wohlfahrt. Ich wollte Mäuse halten. Ne, ne, Nager übertragen doch die Pest [O-Ton]. Ich wollte mir eine Nähmaschine kaufen. Ne, ne, du kannst die alte von Oma ausleihen.

Und nun, da die Freunde um einen langsam erwachsen werden, beginnen die verstärkt das Verhalten der Alten zu imitieren. All diese Menschen, die gerne was anderes geworden wären, aber trotzdem super viel Ahnung haben.
Die eine, die alles über Medizin weiß, weil sie drei dicke Nachschlagewerke im Wohnzimmer stehen hat, und deswegen hochqualifizierte Ferndiagnosen stellt (da wird ein Pickel schon mal schnell zum hellen Hautkrebs). Die eine, die eigentlich lieber Ernährungsberaterin geworden wäre, aber stattdessen Sekretärin geworden ist, aber immer die Artikel in allen Lifestyle-Magazinen aufhebt und einem dann stundenlange Vorträge über Vollkornkost und Diäten hält. Die eine, die Lehrerin geworden ist und nun zu allem zwischenmenschlichen ihren pädagogischen Beitrag abgeben muss. Und all jene, in denen kleine Psychologen schlummern, weil sie ja regelmäßig die Kalwass schauen und die guten Berichte im Spiegel und Stern über Depressionen und Burnout gelesen haben.

Ich sammel diese Menschen. Mein Telefonbuch ist voll von ihnen. Ein jeder hat eine Meinung zu einem Abschnitt, einem Teil meines Lebens.
Zu meiner Ernährung, zu meinem Studium, zu meinen Finanzen, zu meiner Gesundheit, zu meiner Zukunft, zu meinen zwischenmenschlichen Fähigkeiten und meiner mangelnden sozialen Kompetenz, zu meiner Wohnung. Zu allem.
Ich brauche gar keine eigene Meinung mehr. Ich nehme einfach die der anderen. Das wäre soviel praktischer. Weil ich dann nicht mehr diskutieren müsste. Nicht mehr das Gefühl hätte mich erklären zu müssen.
Aber dann fällt mir etwas ein. Ich bin 27 Jahre alt. Siebenundzwanzig verdammte Jahre. Ich muss mich nicht mehr erklären. Ich muss überhaupt nichts mehr.


Jetzt muss ich das denen nur noch sagen...