Mittwoch, 2. Dezember 2009

meschugge

Mit der These, dass die Israelis gestört sind, locke ich keinen Hund hinter dem Ofen hervor. So etwas zu behaupten ist weder provokant noch einfallsreich. Aber zu sagen sie seien meschugge wären in diesem Zusammenhang irgendwie ein Euphemismus.

Es gibt viele Gründe, warum die Bevölkerung dieses Landes einen an der Waffel hat. Und wahrscheinlich gibt es auch viele Ursachen. Sich mit allen zu befassen würde zu weit führen und interessiert am Ende ohnehin kein Schwein.

Ich muss zugeben, dass ich in den zwei Jahren, die zwischen den beiden Israelaufenthalten liegen, vieles vergessen - oder besser: verdrängt - habe, was die Israelis angeht. Eines habe ich jedoch nicht vergessen und in Jerusalem scheint dieses Phänomen stärker als sonst wo zu existieren:

Das gestörte rmeempfinden der Israelis..

Unsere Hebräischlehrerin damals an der Uni in Beer Sheva hatte die Klimaanlage prinzipiell auf 5-10°C gestellt, während wir mit kurzen Sommersächelchen da saßen (schließlich waren es draußen etwa 40°C) und uns dem Tod entgegen froren.
Sobald der Israeli einen Raum betritt, in der eine Klimaanlage ihr Dasein fristet, hechtet er zu ihr hinüber, als wäre sie ein magisches Wunderding aus einem Hary Potter Roman, das einem jeden Wunsch erfüllen kann (Soviel zu: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben). Er benutzt die Klimaanlage mit einem Fanatismus, der seinesgleichen sucht und wohl nur mit der Beziehung von US-Amerikanern und Fastfoodketten zu vergleichen ist. Stromrechnungen spielen keine Rolle, denn der israelische Organismus scheint nicht in der Lage zu sein, einen Tag ohne seine Klimaanlage zu überstehen.
Und so hetzt der Israeli den lieben, langen Tag von der Klimaanlage zu Hause zu der Klimaanlage in der Arbeit und, bevor es wieder zu der Klimaanlage zu Hause geht, vielleicht noch in den klimatisierten Supermarkt.
Der Israeli, der einem dann auf der Straße begegnet, hat auch deswegen nicht einen so säuerlichen Gesichtsausdruck drauf, weil sein Volk leidet, es bedrängt wird von allen Seiten, es verbal und gewaltsam angegriffen ist, oder weil es in seinem Land kein Haribo gibt, nein, einzig und allein aus dem Grund, weil er genötigt ist, sich für wenige Minuten am Tag, auf dem Weg zwischen der klimatisierten Wohnung und dem klimatisierten Auto, im Freien aufzuhalten, wo es keine Klimaanlage gibt.
Während der europäische Tourist wie ein sonnengeiles Reptil selig lächelnd sein Köpfchen in der Sonne wiegt, rumpelt der Israeli an diesem vorbei, innerlich fluchend, dass Gott ausgerechnet diese Klimazone als Land für sein auserwähltes Volk ausgesucht hat.

Wir können nur hoffen, dass die arabischen Feinde Israelis nie zu demselben Schluss kommen, den mein sonnengeiles, europäisches Hirn da gerade gezogen hatte, denn wäre ich die Hisbollah oder der Iran, die Vorgehensweise wäre einfach: einfach den Strom lahm legen. Keine Panzer, keine Granaten, keine Toten.. Einfach einen Apparat bauen mit dem man den Strom abstellen kann (so wie in Ocean's Eleven, nur in größer). Ich verspreche, dass ohne Strom und damit ohne Klimaanlagen die Israelis es keine Woche in ihrem eigenen Land aushielten. Sie würden es freiwillig verlassen.

Wer nun aber denkt, damit sei das Thema erledigt, der irrt. Denn dieses Verhalten besteht nur dann, wenn es 30°C und mehr sind. Sinkt die Temperatur auf unter 30°C, oder gar unter 20°C - oh Schreck! - wuseln plötzlich überall Israelis mit dicken Anoraks und Handschuhen rum, ganz so, als wären sie auf dem Weg zu einer unmenschlichen Expidition in die Arktis. Sie glauben mir nicht? Das nun gezeigte Foto wurde bei 27°C aufgenommen, an einem sonnigen, warmen Nachmittag, nur wenige Straßen von meiner Wohnung entfernt.



Und mehr will ich jetzt wirklich nicht mehr zu diesem Thema sagen..

..ach, vielleicht eines noch: